• Deutschland hat gewählt - doch bis es ein amtliches Endergebnis gibt, gibt es noch viele Hochrechnungen.
  • Die aktuellen Hochrechnungen, die wichtigsten Meldungen, Reaktionen und alles Wichtige rund um die Wahl finden Sie hier in unserem Live-Ticker.

So hat Deutschland gewählt

Nach aktuellsten Hochrechnungen von ARD (Stand 23:21 Uhr) und ZDF (Stand: 23:36 Uhr) liegt die SPD bei 25,8 bis 26 Prozent (2017: 20,5 Prozent). Die CDU/CSU fällt auf 24,1 bis 24,2 Prozent (32,9). Die Grünen fahren mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin 14,3 bis 14,6 Prozent ein (8,9). Die FDP verbessert sich auf 11,5 Prozent (10,7). Die AfD, bisher drittstärkste Kraft, kommt auf 10,5 Prozent (12,6). Die Linke rutscht auf 4,9 bis 5,0 Prozent ab (9,2).

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➤ Lauterbach holt Direktmandat, auch Scholz, Spahn und Habeck setzen sich in ihren Wahlkreisen durch

23:30 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wird das Direktmandat seines Wahlkreises 101 Leverkusen - Köln IV klar gewinnen. Nach Auszählung von rund 85 Prozent der Stimmen kommt Lauterbach auf 45,9 Prozent, seine Konkurrentin Serap Güler von der CDU auf 17,4 Prozent.

Ebenfalls sein Direktmandat gewonnen hat SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, er hat den Wahlkreis Potsdam mit deutlichem Vorsprung für sich entschieden. Scholz kam auf 34,0 Prozent. Auf dem zweiten Platz in dem Promi-Wahlkreis lag Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock mit 18,8 Prozent.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzte sich im Wahlkreis Steinfurt I/Borken I durch. Der amtierende Bundesgesundheitsminister kommt nach Auszählung aller Bezirke bei der Bundestagswahl auf 40 Prozent der Stimmen. Damit liegt er deutlich vor seiner Mitbewerberin von der SPD, Sarah Lahrkamp, die auf 28,3 Prozent der Stimmen kommt.

Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck hat nach Auszählung der meisten Stimmen erstmals in Schleswig-Holstein für seine Partei ein Direktmandat gewonnen. Nach Angaben der Kreisverwaltung lag der der 52-Jährige im Wahlkreis Flensburg-Schleswig mit 27,7 Prozent der Erststimmen deutlich vor der CDU-Bundestagsabgeordneten Petra Nicolaisen (55) mit 23,9 Prozent. Auch Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hat nach Auszählung aller Stimmen das Direktmandat für die Grünen in Stuttgart geholt. Er setzte sich nach Angaben der Stadt vom Sonntagabend im Wahlkreis Stuttgart I gegen den CDU-Abgeordneten Stefan Kaufmann durch.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat das Duell gegen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis gewonnen. Maas kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 36,7 Prozent der Stimmen, Altmaier auf 28,0, wie die Landeswahlleiterin am Sonntagabend mitteilte. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag.

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AfD erstmals bei Bundestagswahl stärkste Partei in Thüringen

00:19 Uhr: Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Thüringen erstmals stärkste Partei geworden. Nach Abschluss der Auszählung lag die AfD, die in Thüringen wegen rechtsextremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, bei 24,0 Prozent der Stimmen. Die SPD wurde mit 23,4 Prozent zweistärkste Partei, die CDU kam auf 16,9 Prozent und Rang drei. Die Linke, die in Thüringen mit Bodo Ramelow den Ministerpräsidenten stellt, sank auf 11,4 Prozent. Die FDP kam auf 9,0 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 6,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,9 Prozent etwa auf dem Niveau von 2017.

Grüne holen erstes Direktmandat in Bayern

23:42 Uhr: Für die Grünen ist es eine Sensation: Zum ersten Mal haben sie in Bayern ein Direktmandat gewonnen. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Jamila Schäfer entschied den Wahlkreis München-Süd mit 27,5 Prozent vor dem CSU-Kandidaten Michael Kuffer (26,8 Prozent) für sich. "Das ist historisch!", twitterten die bayerischen Grünen voller Überschwang. Bei den vergangenen drei Bundestagswahlen hatte die CSU jeweils sämtliche Direktmandate in Bayern gewonnen.

Söder kritisiert Aiwanger gleich doppelt: "Das geht überhaupt nicht"

22:42 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger am Sonntagabend gleich doppelt angegriffen: Zum einen kritisierte der bayerische Ministerpräsident seinen Stellvertreter, weil dieser noch während der laufenden Stimmabgabe Zahlen aus einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen auf Twitter verbreitet hatte - verbunden mit dem Aufruf, die "letzten Stimmen" den Freien Wählern zu geben. Der Tweet war nach kurzer Zeit wieder gelöscht.

"Das geht überhaupt nicht", sagte Söder am Sonntagabend im BR Fernsehen. "Da muss man auch nochmal drüber reden, wie das da weitergeht." Er forderte von Aiwanger zugleich eine "Rückkehr zur Sacharbeit" und wieder einen Stil, der den Regierungsämtern, die man habe, gerecht werde. Die Regierungsarbeit in Bayern habe unter den Bundestagswahlkampf-Ideen der Freien Wähler gelitten, kritisierte der bayerische Ministerpräsident. "Das muss jetzt auch ein Ende finden."

Zudem machte Söder die Freien Wähler für die möglicherweise schwierige Regierungsbildung mitverantwortlich: "Hätten die Freien Wähler nicht so kandidiert, wie sie kandidiert haben, hätte es jetzt schon eine klare Mehrheit für ein bürgerliches Bündnis gegeben", sagte er. "Das geht leider jetzt, diese Verzögerung, auf das Konto der Freien Wähler."

Scholz und Laschet wollen Koalitionsverhandlungen vor Weihnachten abschließen

22:18 Uhr: SPD und Union haben nach der Bundestagswahl dafür geworben, ihre jeweiligen Koalitionsverhandlungen über eine neue Bundesregierung vor Weihnachten abzuschließen. Es müsse alles dafür getan werden, "dass wir vor Weihnachten fertig sind", sagte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz am Sonntagabend. "Ein bisschen vorher wäre auch noch gut."

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sprach sich gegen eine lange Phase von Sondierungen vor eigentlichen Koalitionsverhandlungen aus. "Ich finde, dafür haben wir nicht die Zeit", sagte der CDU-Chef. Er verwies darauf, dass Deutschland kommendes Jahr die Präsidentschaft der Gruppe großer Industrieländer (G7) habe. Auch deshalb müsse "die neue Regierung sehr zeitnah ins Amt kommen" und es einen Abschluss der Koalitionsverhandlungen "auf jeden Fall vor Weihnachten geben".

Linke muss wegen Fünf-Prozent-Hürde wohl nicht mehr bangen

21:49 Uhr: Die Linke hat nach Angaben aus Fraktionskreisen mit großer Sicherheit mindestens drei Direktmandate bei der Bundestagswahl geholt und wird daher auch im neuen Bundestag wieder vertreten sein. Die Abgeordneten Gregor Gysi und Gesine Lötzsch in Berlin sowie Sören Pellmann in Leipzig hätten demnach "so gut wie sicher" die Direktmandate in ihren Wahlkreisen gewonnen, hieß es. Die Auszählung sei so gut wie abgeschlossen.

Damit wäre es unerheblich, wenn die Linke beim Zweitstimmenergebnis die Fünf-Prozent-Hürde nicht überschreiten würde. Hintergrund ist die sogenannte Grundmandatsklausel: Erreicht eine Partei drei oder mehr Direktmandate, wird die Fünf-Prozent-Sperre außer Kraft gesetzt und es erfolgt eine Mandatsvergabe nach Zweitstimmenergebnis. Die Linke, damals noch PDS, hat davon schon einmal profitiert: 1994 kam sie auf nur 4,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen, bekam dann aber wegen vier Direktmandaten auch 26 Landeslistensitze.

Die SPD feiert – und hofft auf die Ampel

21:26 Uhr: Die Stimmung im Willy-Brandt-Haus ist ausgelassen, wie unser Hauptstadtkorrespondent Fabian Busch aus Berlin berichtet. Die SPD-Parteizentrale sei großräumig abgesperrt, TV-Teams aus der ganzen Welt vor Ort. Rund um das Gebäude sind Getränke- und Imbiss-Stände aufgebaut. Da im Freien gefeiert wird, sind deutlich mehr Menschen vor Ort als in der CDU-Zentrale. "Das ist ein guter Tag, um SPD-Mitglied zu sein", sagt eine Sozialdemokratin im Gespräch mit unserer Redaktion. "Endlich kann man sich mal wieder freuen."

Die SPD ist nicht nur berauscht von ihrem Wahlergebnis und ihrem Kanzlerkandidaten, sondern auch von der eigenen Geschlossenheit im Wahlkampf. "Die Partei hat zu einer Geschlossenheit gefunden, die uns niemand mehr zugetraut hatte", sagt der baden-württembergische Landesvorsitzende Andreas Stoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Die meistdiskutierte Frage: Wie geht es jetzt weiter? Vor allem junge Mitglieder sind enttäuscht, dass Rot-Rot-Grün nach den aktuellen Hochrechnungen knapp die Mehrheit verfehlt. Die naheliegende Option wäre ein Ampelbündnis aus SPD, Grünen und FDP. "Ich bin überzeugt, dass Olaf Scholz in der Lage wäre, damit einen Aufbruch zu organisieren", sagt Andreas Stoch.

In Rheinland-Pfalz regiert die SPD bereits in einer Ampel-Koalition. "Bei uns funktioniert das gut. Und was für Rheinland-Pfalz gut ist, kann auch für Deutschland nicht schlecht sein", sagt der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer.

Wahlanalyse: Bei Erstwählenden schneidet FDP am besten ab

21:20 Uhr: Die FDP ist laut Wahlanalyse von Infratest dimap für die ARD die bei Erstwählenden erfolgreichste Partei. Der Analyse zufolge schneidet die FDP mit 23 Prozent in dieser Gruppe am besten ab. Knapp dahinter liegen die Grünen mit 22 Prozent. Darauf folgen laut Infratest dimap die SPD mit 15 Prozent und die Union aus CDU und CSU mit 10 Prozent. Die Linke kommt demnach auf 8 Prozent, die AfD auf 7 Prozent.

Linke-Vorsitzende Hennig-Wellsow: Haben in vergangenen Jahren viele Fehler gemacht

21:14 Uhr: Die Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow führt das schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl auf Fehler in der Vergangenheit zurück. Das Ergebnis sei "mit Sicherheit nicht in den letzten Wochen entstanden", sagte sie von ARD und ZDF. Es habe nicht an den Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch gelegen. Die Linke habe in der Vergangenheit bei manchen Themen "keine Klarheit gezeigt".

Baerbock: "Kühnes Wahlziel" verfehlt

21:00 Uhr: Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock hat eingeräumt, dass die Grünen ihr "kühnes Wahlziel", führende Kraft zu werden, verfehlt haben. Das sei offensichtlich nicht gelungen, die Partei sei weit darunter geblieben, sagte Baerbock. Es sei aber absolut richtig gewesen, die Union herauszufordern und deutlich zu machen, dass Deutschland eine Erneuerung benötige. "Demokratie lebt von Alternativen." Die nächste Bundesregierung müsse eine Klimaregierung sein. "Das ist der klare Auftrag nach dieser Wahl." Die Grünen hätten einen klaren Auftrag der Wählerinnen und Wähler, für Erneuerung in Deutschland zu sorgen. Das werde sie mit Robert Habeck gemeinsam als Team in der Sondierung machen, sagte Baerbock.

Weidel: "Können auf solide Stammwählerschaft zählen"

20:44 Uhr: Die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, ist nach eigenen Worten mit dem Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl "sehr zufrieden". Alle, die gesagt hätten, dass die AfD eine Eintagsfliege im Bundestag sein werde, seien widerlegt. "Wir können auf eine sehr solide Stammwählerschaft zählen", sagte Weidel.

Laschet sieht weiter Regierungsauftrag bei sich, Scholz kontert: Votum der Bürgerinnen und Bürger "sehr eindeutig"

20:42 Uhr: Eine neue Bundesregierung muss nach Ansicht von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet unterschiedliche Richtungen versöhnen. "Es geht ja nicht darum, dass man arithmetisch irgendwie eine Mehrheit zusammenkriegt, sondern ich wünsche mir eine Regierung, wo auch jeder Partner vorkommt, wo auch jeder sichtbar ist, keine Regierung, wo allein der Kanzler mit seinen Punkten glänzen kann", sagte Laschet in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF. Es müsse eine Koalition werden, "die man gerne macht. Das war in der großen Koalition am Ende nicht mehr so der Fall." Laschet weiter: "Also das kann ein Bündnis werden, was wirklich Deutschland voranbringt, unterschiedliche Richtungen versöhnt, und dazu stehe ich bereit."

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz dagegen leitete aus den Zugewinnen der SPD und dem knappen Überholen der Union nach den Hochrechnungen einen Auftrag zur Regierungsbildung für die SPD ab. Das Votum der Bürgerinnen und Bürger sei "sehr eindeutig", sagte er in der "Berliner Runde".

Die Balken bei der SPD seien nach oben gegangen, und in den Hochrechnungen liege die SPD vorn. "Das ist eine ermutigende Botschaft und - wie ich finde - auch ein sehr klarer Auftrag, jetzt dafür zu sorgen, dass wir eine gute, pragmatische Regierung für Deutschland zustande kriegen, die sich mit den wichtigsten Zukunftsaufgaben beschäftigt.

Er rechnet mit einer schnellen Klärung der Koalitionsfrage. "Das glaube ich, wird sich in kurzer Zeit klären."

Wahlpanne in Wuppertal - falsche Stimmzettel ausgegeben

20:16 Uhr: In Wuppertal ist es bei der Bundestagswahl zu einer Panne gekommen. Im Stimmbezirk 187 seien Stimmzettel des benachbarten Wahlkreises mit den falschen Direktkandidaten ausgegeben worden, sagte Kreiswahlleiter Johannes Slawig. Es handele sich um 203 von 466 Stimmzetteln, bei denen die Erststimmen bereits für ungültig erklärt worden seien. Im Stimmbezirk 177 seien es sechs Stimmzettel gewesen. Die Ursache sei unklar. Unglücklicherweise sei der Fehler bei der Ausgabe der Stimmzettel im Wahllokal nicht aufgefallen, sondern erst später. Sollte der Fehler mandatsrelevant werden, also das Ergebnis der Direktwahlen sehr knapp ausfallen, müsste in dem Stimmbezirk nachgewählt werden. Darüber werde der Wahlausschuss am kommenden Mittwoch entscheiden.

Die Stadt teilte mit, angesichts der Gesamtzahl der abgegebenen Wuppertaler Wählerstimmen von über 100.000 und einem Abstand zwischen den beiden Kandidaten Helge Lindh (SPD) und Caroline Lünenschloss (CDU) von 15.000 Stimmen (Stand Sonntag, 20:30 Uhr) im Wahlkreis 102 (Wuppertal I) sei eine Nachwahl auszuschließen.

Die Stimmzettel werden in Stapeln mit der Wahlkreisbezeichnung angeliefert und entsprechend den einzelnen Wahlbezirken zugeordnet. "Radio Wuppertal" hatte zuerst berichtet.

FDP-Chef Lindner sieht seine Partei "gestärkt"

19:58 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner sieht seine Partei nach der Bundestagswahl in einer guten Ausgangsposition. "Die FDP ist gestärkt", sagte Lindner im ZDF. "Wir sind zum ersten Mal in unserer Geschichte bei zwei aufeinanderfolgenden Wahlen zweistellig. Wir sind jetzt sehr eigenständig zweistellig etabliert. Und diese Eigenständigkeit bringen wir natürlich auch in eine Regierungsbildung der Mitte ein."

Zu möglichen Gesprächen nach der Wahl sagte der FDP-Chef: "Die inhaltliche Nähe zwischen Union und FDP ist die größte. Wie jetzt aber Gespräche organisiert werden, das kann man zur Stunde nicht sagen. Und da, glaube ich, ist auch noch die Beratung der Gremien morgen wichtig, wer mit wem in welchem Format zuerst spricht." Bezüglich möglicher Koalitionen hält Lindner ein Bündnis mit der Union und den Grünen für denkbar. "Demokratische Parteien sollten nie ausschließen zu reden. Aber ich hab vor der Wahl gesagt, und das gilt für mich genauso nach der Wahl: Die größten inhaltlichen Übereinstimmungen sehe ich in einer Jamaika-Koalition. Und das ist jetzt ein Gespräch, das geführt werden muss, ob sich alle Beteiligten darin fair wiederfinden können."

SPD sieht wie Union Regierungsauftrag

19:40 Uhr: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sieht angesichts der Zugewinne bei der Bundestagswahl einen Regierungsauftrag für seine Partei, wie ihn auch die Union für sich ausmacht. Viele Wählerinnen und Wähler hätten deutlich gemacht, dass sie einen "Wechsel in der Regierun" wollten und dass der nächste Kanzler Olaf Scholz heißen solle, sagte Scholz.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bekräftigte diesen Anspruch im ZDF. "Ganz klar: Die SPD hat den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird."

Sicherheitsexperte Neumann liebäugelt mit Wechsel nach Berlin

19:31 Uhr: Der renommierte Sicherheitsexperte Peter Neumann, Politikwissenschaftler am King’s College in London, war im Wahlkampf Mitglied in Laschets Kompetenzteam. Nun kann er sich einen Wechsel in die deutsche Hauptstadt vorstellen. "Wenn Armin Laschet Bundeskanzler wird, dann gehe ich gerne nach Berlin", sagte Neumann auf der CDU-Wahlparty im Gespräch mit unserer Redaktion. Welches Amt er übernehmen könnte, wollte er aber nicht verraten.

Neumann glaubt, dass der CDU-Kanzlerkandidat die nächste Regierung bilden kann. Eine Jamaika-Koalition sei möglich – auch wenn die Unionsparteien nur zweitstärkste Kraft werden. "Man hat bei Armin Laschet herausgehört, dass er den Grünen beim Thema Klima entgegenkommen wird. Im Gegenzug werden die Grünen bei Finanzen und Wirtschaft Zugeständnisse machen müsse", sagte Neumann.

Baerbock lobt Grüne und verzichtet auf Stagediving

19:24 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat das mutmaßliche Abschneiden ihrer Partei als das "historische beste Ergebnis" gelobt. Mit Blick auf einen Stimmanteil von rund 15 Prozent räumte sie aber auch ein: "Wir wollten mehr." Das habe nicht geklappt, auch aufgrund eigener Fehler - ihrer Fehler, wie sie präzisierte.

Sich in die Menge der jubelnden Anhänger bei der Grünen-Wahlparty stürzen wollte Baerbock nicht. "Guck mal, man kann Stagediving machen", sagte Co-Chef Robert Habeck, der am Sonntagabend mit ihr auf der Bühne stand. Baerbock lehnte mit einem entschiedenen "Nein" ab.

Linken-Chefin: "Schwerer Schlag für uns"

18:44 Uhr: Die Linke hat sich enttäuscht über den Ausgang der Bundestagswahl gezeigt. "Das ist ein schwerer Schlag für uns", sagte die Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow am Sonntagabend. "Wir haben durchaus schwer verloren." Die Linke liegt nach den Prognosen von ARD und ZDF bei nur fünf Prozent und muss ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde befürchten. "Wir haben viele Fehler gemacht", gestand Hennig-Wellsow ein. Diese seien nicht erst im Wahlkampf passiert, sondern schon in den vergangenen Jahren.

Betretene Stille in der CDU-Zentrale

18:37 Uhr: Zunächst betretene Stille, dann doch noch Jubel - so hat unser Hauptstadt-Korrespondent die Stimmung in der Parteizentrale der CDU erlebt. Er schreibt: Die CDU-Mitglieder dort haben die Zahlen aus der Prognose geschockt aufgenommen. Vor allem junge Christdemokratinnen und Christdemokraten haben sich dort zusammengefunden. Wahrscheinlich wird die Union auf jeden Fall das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte einfahren. Lauter Jubel bricht erst aus, als klar wird, dass eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken nach aktuellem Stand keine Mehrheit hätte.

Die 18-Uhr-Prognose gilt in diesem Jahr als eingeschränkt belastbar, weil sehr viele Menschen per Briefwahl abgestimmt haben. In der CDU erinnert man an die Bundestagswahl 2002: Da lagen die Unionsparteien in der ersten Prognose vor der SPD, am Ende lagen die Sozialdemokraten doch noch hauchdünn vorne. Man hofft daher, doch noch an der SPD vorbeizuziehen.

Armin Laschet sitzt noch mit dem Rest der Parteiführung und der Kanzlerin zusammen. Demnächst will er vor die Presse treten.

Noch Schlangen vor Berliner Wahllokalen

18:26 Uhr: Kurz vor offizieller Schließung der Wahllokale in Berlin haben vielerorts noch Wählerinnen und Wähler Schlange gestanden, um ihr Kreuz zu machen. "Hier stehen noch mindestens 100 Leute. Bei anderen Wahllokalen ist es genau das Gleiche, höre ich von Kollegen", sagte die Leiterin eines Wahllokals in Pankow. Erst jetzt habe das Lokal wieder Stimmzettel für die Bundestagswahl bekommen, diese seien schon am Nachmittag aus gewesen. Die Wartezeit betrage ungefähr eine Stunde.

Viele Wartende seien wütend, weil sie nicht verstehen könnten, wie es zu wenige Stimmzettel geben könne, sagte die Wahllokalleiterin. "Wir sprechen aber mit den Menschen. Ausfällig ist niemand", sagte sie. Die Wahl sei ihrer Meinung nach nicht gut vorbereitet gewesen, es seien von Anfang an mehr Stimmzettel nötig gewesen.

Prognose vorab veröffentlicht: massive Kritik an Aiwanger

17:20 Uhr: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ist wegen der kurzzeitigen Veröffentlichung von Wahlprognose-Zahlen in die Kritik geraten. In einem Tweet auf Aiwangers Profil, der wenig später wieder gelöscht wurde, wurden am Sonntag Zahlen aus einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen genannt - verbunden mit dem Aufruf, die "letzten Stimmen" nun den Freien Wählern zu geben.

CSU-Generalsekretär Markus Blume griff Aiwanger scharf an und forderte Konsequenzen. "Hubert Aiwanger verbreitet vor 18 Uhr Prognoseergebnisse und verbindet sie mit einem Wahlaufruf", schrieb Blume auf Twitter und fügte hinzu: "Ein unglaublicher Fall von Wahlmanipulation und Wählerbeeinflussung. Das ist zutiefst undemokratisch und muss Konsequenzen haben!"

Laut Bundeswahlgesetz ist es eine Ordnungswidrigkeit, vor Schließung der Wahllokale "Ergebnisse von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung" zu veröffentlichen. Dies kann "mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro geahndet werden".

Designierte Siegerin: Schwesig wählt in Schwerin

16:17 Uhr: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern hat in der Schweriner Innenstadt ihre Stimme abgegeben. Das Foto zeigt sie mit ihrem Mann Stefan und anderen Bürgern in der Schlange vor dem Wahllokal.

In Mecklenburg-Vorpommern sind die rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten nicht nur zur Bundestags- sondern auch zur Landtagswahl aufgerufen. Laut letzten Umfragen kann Schwesigs SPD auf einen Wahlsieg und deutliche Zuwächse im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren hoffen - sogar ein Sprung über die 40-Prozent-Marke ist nicht ausgeschlossen. Dem bisherigen Koalitionspartner CDU drohen erneut Verluste. Während auch AfD und Linke sicher mit dem Wiedereinzug in den Landtag rechnen können, steht die Rückkehr von FDP und Grünen noch auf wackeligen Füßen.

Bombe entschärft - keine Einschränkungen mehr in Wuppertal

15:29 Uhr: Die Weltkriegsbombe, deretwegen ein Teil der Menschen in Wuppertal am Vormittag angehalten war, das Haus nicht zu verlassen, ist entschärft. Die Wählerinnen und Wähler der fünf Wahllokale, die im Umkreis von 500 Metern um den Fundort liegen, können nun gefahrlos ihre Stimme abgeben. Das meldet die Stadtverwaltung. "Die Wahllokale sind geöffnet und uneingeschränkt erreichbar", hieß es in einer Mitteilung. Zuvor hatte eine Stadtsprecherin betont, dass die zwischenzeitliche Beeinträchtigung keine Auswirkung auf die Bundestagswahl insgesamt in Wuppertal haben werde, schließlich sei nach der Entschärfung noch genug Zeit zum Wählen. "Es gibt keine zeitliche Bedrängnis."

Am Samstagabend war die Bombe unweit der Wupper gefunden worden, in der Nacht zum Sonntag wurden die umliegenden Häuser in einem 250-Meter-Radius evakuiert. In dieser Zone wohnen etwa 1.500 Menschen. 400 von ihnen kamen in eine Sammelunterkunft, der Rest bei Freunden oder Verwandten unter oder war nicht zu Hause.

Zwei Stunden anstehen: Lange Wartezeiten vor Berliner Wahllokalen

15:18 Uhr: Bei den Wahlen in Berlin kommt es zu langen Wartezeiten, teils müssen Wähler weit über zwei Stunden anstehen, bis sie ihre Stimme abgeben können. Das hat offenbar mehrere Gründe. Einer: In einigen Wahllokalen sind die Stimmzettel für die Wahl zum Abgeordnetenhaus ausgegangen. Wegen des Berlin Marathons sind viele Straßen gesperrt, sodass Nachschub auf sich warten lässt.

Eine Rolle spielen dürfte auch, dass in Berlin vier Entscheidungen mit entsprechend vielen und teils langen Wahlzetteln anstehen. Neben der Bundestagswahl läuft auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus, ein Volksentscheid und es wird über die Bezirksparlamente neu bestimmt.

Hinzu kommen die coronabedingt notwendigen Hygienemaßnahmen, die auch schon bei anderen Wahlen zu Verzögerungen im Vergleich zum sonst gewohnten Ablauf geführt haben. In Berlin sind zudem zahlreiche Wahlhelfer abgesprungen.

Baerbock wählt und spricht von "aufregendem Tag"

14:55 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat ihre Stimme am frühen Nachmittag in ihrem Wahllokal in Potsdam abgegen.Sie kam in Begleitung ihres Ehemanns Daniel Holefleisch. Auf die Frage nach ihrem Befinden antwortete Baerbock: "Ganz Europa guckt ja auch auf diesen Wahlsonntag hier in Deutschland, deswegen ist es natürlich auch ein aufregender Tag für mich als Person."

Baerbock ist auch Spitzenkandidatin der Brandenburger Grünen und tritt im Wahlkreis Potsdam als Direktkandidatin an. Um ein Direktmandat bewirbt sich dort auch SPD-Kanzlerkandidat Scholz, was den Wahlkreis besonders spannend macht.

Armin Laschet hat beide Kreuze bei der CDU gemacht.
Armin Laschet hat beide Kreuze bei der CDU gemacht.

Vielerorts Hinweise auf hohe Wahlbeteiligung

14:34 Uhr: Erste Zwischenstände aus verschiedenen Bundesländern deuten teilweise auf eine etwas höhere Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl hin als vor vier Jahren. Zahlen zur bundesweiten Wahlbeteiligung gab es bis zum frühen Nachmittag zwar noch nicht. In mehreren Großstädten und Ländern lag die Beteiligung bis zum späten Vormittag oder Mittag jedoch höher als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren, wobei dabei auch der Anstieg bei der Briefwahl eine Rolle spielte. Einige Beispiele:

  • In Nordrhein-Westfalen hatten bis 12 Uhr 44,8 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimmen in Wahllokalen in abgegeben, teilte der Landeswahlleiter am Sonntag mit. Zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl 2017 lag der Wert nur bei 40,1 Prozent.
  • In Hamburg hatten bis 11 Uhr nach Angaben der Behörden bereits 50,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Kreuze gemacht. Vor vier Jahren hatten zu diesem Zeitpunkt erst 37,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.
  • In der bayerischen Landeshauptstadt München hatten bis 11 Uhr schon knapp 60 Prozent der Wähler gewählt - einschließlich Briefwahl. Ein ähnlicher Wert war bei der letzten Bundestagswahl erst gegen 14 Uhr erreicht worden.

Panne in Berliner Wahllokalen - einige Stimmen ungültig

13:03 Uhr: Wegen vertauschter Wahlzettel ist es am Sonntag in einigen Berliner Wahllokalen zu Verzögerungen und ungültigen Stimmabgaben gekommen. Betroffen waren Stimmzettel aus den Bezirken Friedrichshain/Kreuzberg und Charlottenburg/Wilmersdorf. In den Wahllokalen 404, 407 und 408 in der Spartacus Grundschule in Friedrichshain lagen nach Angaben aus dem Wahllokal für die Abgeordnetenhauswahl nur Stimmzettel aus Charlottenburg/Wilmersdorf vor.

Bis die richtigen Stimmzettel nachgeliefert wurden, mussten die Wahllokale zeitweise geschlossen werden. Auch anschließend ging es nur mit Verzögerungen weiter. Zudem mussten einige Stimmabgaben auf falschen Stimmzetteln für ungültig erklärt werden.

Neben der Bundestagswahl läuft in Berlin auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Zudem wird über zwölf Bezirksparlamente neu bestimmt. Außerdem können Wählerinnen und Wähler darüber abstimmen, ob große Wohnungskonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen enteignet werden sollen.

Laschet faltet Stimmzettel im Wahllokal falsch

12:38 Uhr: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl seinen Stimmzettel falsch gefaltet. Als Laschet den Zettel in einem Wahllokal in Aachen in die Urne warf, konnten Umstehende sehen, was er angekreuzt hatte. Fotografen hielten den Moment auf Bildern fest. Auch die Wahlentscheidung von Laschets Frau, die ebenfalls kurz darauf ihre Stimme abgab, ist zum Teil auf den Fotos erkennbar.

Armin Laschet, Spitzenkandidat der CDU, hat in Aachen gemeinsam mit seiner Frau seine Stimme abgegeben.

Wegen des Wahlgeheimnisses ist es nicht erlaubt, seinen Stimmzettel offen einzuwerfen. Der Wähler müsse ihn "in der Weise falten, dass seine Stimmabgabe nicht erkennbar ist", heißt es auf der Website des Bundeswahlleiters in Paragraf 56. Sollte die Stimmabgabe erkennbar sein, müsste der Wahlvorstand den Wähler zurückweisen. Normalerweise wird im Wahllokal darauf hingewiesen, wie der Zettel gefaltet werden muss.

Der Wahl-O-Mat: Die digitale Entscheidungshilfe für die Bundestagswahl 2021

Wer noch nicht weiß, wen er bei der Bundestagswahl 2021 wählen soll, kann das Programm "Wahl-O-Mat" ausprobieren. Es hilft dabei, diejenigen Parteien zu ermitteln, die die eigenen Interessen am ehesten vertreten. (Foto: Bundeszentrale für politische Bildung, iStock: guvendemir)

Dies betont der Bundeswahlleiter auch in einem Statement auf Twitter. Dort heißt es jedoch auch: "Gelangt der Stimmzettel dennoch in die Wahlurne, kann er nicht mehr aussortiert werden und ist gültig." Ferner schreibt der Bundeswahlleiter: "Ein bundesweit bekannter Politiker hat wie erwartet seine eigene Partei gewählt. Eine Wählerbeeinflussung kann darin nicht gesehen werden."

Darf ich in der Wahlkabine ein Selfie machen?

11:25 Uhr: Das Smartphone ist immer dabei, auch beim Wählen. Doch wer von sich ein Foto in der Wahlkabine macht, könnte seine Stimme vergeuden. Dann wird der Stimmzettel für ungültig erklärt. "In der Wahlkabine darf nicht fotografiert oder gefilmt werden" heißt es in der Bundeswahlordnung seit 2017.

Wahlleiter und Wahlleiterinnen sind dazu angehalten, das Verbot durchzusetzen. In der Bundeswahlordnung heißt es außerdem in §56, Absatz 8, dass "auf Verlangen ein neuer Stimmzettel auszuhändigen [ist], nachdem [der Wähler] den alten Stimmzettel im Beisein eines Mitglieds des Wahlvorstandes vernichtet hat."

Wer sich beim Fotografieren nicht erwischen lässt und es nach der Wahl bei Instagram oder Facebook hochlädt, kommt ohne Strafe davon, wie das Bundesinnenmisterium bestätigt. Wichtig für Wahl-Influencer ist aber: man sollte keine Wahlzettel von anderen Menschen veröffentlichen, das wäre wiederum strafbar.

Laschet gibt seine Stimme in Aachen ab

11:12 Uhr: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat am Sonntagvormittag kurz nach 11 Uhr an seinem Wohnort in Aachen gewählt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident kam mit seiner Ehefrau Susanne zu dem Wahllokal in einer städtischen katholischen Grundschule.

Was die Bundestagswahl 2021 so ungewöhnlich macht

Am 26. September wählt Deutschland einen neuen Bundestag - ein gewöhnlicher Vorgang in ungewöhnlichen Zeiten. Nicht nur die Corona-Pandemie macht diese Wahl besonders. Schließlich sind da noch der Briefwahl-Boom und eine nie dagewesene Ausgangssituation.

Laschet sagte, die Bundestagswahl entscheide über die Richtung Deutschlands in den nächsten Jahren, "und deshalb kommt es auf jede Stimme an". Es blieb bei einem kurzen Statement. "Heute ist der Tag, an dem die Wähler sprechen, nicht die Politiker."

Steinermeier, Scholz und Söder wählen vor Ort

10:17 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat gewählt. Er gab seine Stimme in der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin ab. Auch der SPD-Kanzlerkandidat war vor Ort und füllte seinen Stimmzettel in der Max-Dortu-Schule in Potsdam aus. Markus Söder warf seine Stimme in der Theodor-Billroth-Schule in Nürnberg ein.

Bundestagswahl 2021 im Live-Ticker: Regierung nur als Dreier-Bündnis?

09:45 Uhr: Die Umfragen deuten an, dass Deutschland künftig von einem Dreier-Bündnis regiert werden wird. Derzeit sind verschiedene Dreier-Bündnisse möglich, neben einer Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP auch ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken sowie eine CDU-geführte Koalition mit Grünen und FDP. Wir geben hier einen Überblick über die potenziellen Koalitionen und deren Hindernisse. Prüfen Sie in unserem Koalitionsrechner, welche Bündnisse möglich sind.

Bundestagswahl 2021: Mehr als 900 Abgeordnete?

09:25 Uhr: Kommt der Mega-Bundestag? Nach Berechungen des Wahlforschers Robert Vehrkamp könnten in der nächsten Legislaturperiode mehr als 900 Abgeordnete im Reichstagsgebäude sitzen und arbeiten. Auf der Basis des letzten ZDF-"Politbarometers" vor der Wahl vom Donnerstag berechnete der Wissenschaftler von der Bertelsmann Stiftung eine Bandbreite von 672 bis 912 Mandaten. In einem mittleren Szenario kommt er auf 810 Abgeordnete.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen halten dies bereits für zu groß. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 71 Prozent, dass dem Parlament zu viele Abgeordnete angehörten. 11 Prozent sagten, sie hielten die Anzahl der Sitze für genau richtig. Nur 3 Prozent meinten, der Bundestag müsse vergrößert werden.

09:07 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief vor Öffnung der Wahllokale zur Stimmabgabe auf. "Jede Stimme zählt - Ihre Stimme zählt. Daher bitte ich Sie: Gehen Sie heute zur Wahl!", schrieb Steinmeier in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Demokratie lebe vom Einmischen und Mitmachen. "Wer mitmacht, wird gehört. Wer nicht wählt, lässt andere für sich entscheiden", so Steinmeier.

Wahllokale geöffnet - Ausgang völlig offen

08:30 Uhr: Guten Morgen zum Wahlsonntag. Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Die Bundestagswahl hat begonnen. Rund 60.000 Wahllokale haben am Sonntag um 08:00 Uhr geöffnet. Knapp 60,4 Millionen Bürger sind aufgerufen, bis 18.00 Uhr Erst- und Zweitstimme abzugeben und so über die Zusammensetzung des neuen Bundestags zu entscheiden. Etwa 2,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger nehmen erstmals an einer Bundestagswahl teil. Insgesamt stellen sich 47 Parteien zur Wahl. Nach letzten Umfragen könnte es ein ganz knappes Rennen werden. Parallel zur Bundestagswahl wird in Mecklenburg-Vorpommern auch ein neuer Landtag gewählt und im Land Berlin das Abgeordnetenhaus.

Es wird damit gerechnet, dass diesmal so viele Menschen wie nie zuvor ihre Stimme per Briefwahl abgeben werden. Nach Angaben der Bundeswahlleitung könnten es diesmal mindestens 40 Prozent sein. 2017 machten bereits 28,6 Prozent der Wahlberechtigten von der Briefwahl Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag vor vier Jahren bei 76,2 Prozent.

Bundestagswahl 2021 im Live-Ticker: Das sagen die letzten Umfragen

In den Meinungsumfragen zur Bundestagswahl lag die Union zuletzt leicht hinter der SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Die SPD kam dort auf 25 bis 26 Prozent, die Union auf 22 bis 25. Auf Platz drei lagen die Grünen mit 16 bis 17 Prozent. Es folgen FDP (10,5 bis 12 Prozent), AfD (10) und Linke (5 bis 6).

Meinungsumfragen sind allerdings nur Momentaufnahmen der politischen Stimmungslage und sagen nichts über das Wahlergebnis aus. Dies gilt bei dieser Wahl wegen der hohen Zahl noch unentschlossener Wählerinnen und Wähler umso mehr.

Klar ist hingegen, dass der nächste Bundestag wahrscheinlich so groß wird wie noch nie. Aktuell sitzen 709 Abgeordnete im Parlament. Die Normgröße liegt bei 598 Mandatsträgern: 299 per Erststimme in den Wahlkreisen direkt gewählte Parlamentarier und 299 über die Landeslisten einziehende Abgeordnete. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate steigt diese Zahl jedoch.

Angriff auf Grünen-Stand im Wahlkampf

Einen Tag vor der Wahl hat ein Mann in Plauen einen Stand der Grünen angegriffen. Er sei zu dem Stand auf dem Theaterplatz gegangen, habe erst seinen "Unmut geäußert" und danach eine Mitarbeiterin mit einem Ei beworfen, sagte ein Polizeisprecher am Samstagnachmittag. Er habe zudem versucht, einen Politiker zu treten. Die Grünen hätten den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten, die den 50-Jährigen vorläufig in Gewahrsam genommen habe.

Mit Material von dpa, afp, reuters und apa.

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