Kleine Lösung oder große Lösung? Konventionell oder Holzbauweise? Es gibt hitzige Diskussionen im Kreistag.
Äußere Umstände sorgen für eine lange Bauzeit und steigende Kosten. Die Stationen einer wechselvollen Baugeschichte:
6. April 2016: Die Sitzung des Kreistags neigt sich ihrem Ende zu, da wartet Landrat Günter Rosenke mit einer Mitteilung auf: Das Kreishaus platze aus allen Nähten, ein Anbau sei unvermeidlich. Die Politiker sind aufgeschreckt – nicht zum letzten Mal. Zunächst ist von 16,5 Millionen Kosten die Rede, kurz danach von 20 Millionen.
Wir spielen hier nicht vom Berliner Flughafen.
6. Dezember 2017: Die Entscheidung über die Art und Weise des Baus wird vertagt. Inzwischen ist von 25 Millionen Euro Baukosten die Rede.
11. April 2018: Bei den Bürgermeistern steigt der Unmut. Der Anbau dürfte durch Zins und Tilgung mit etwa 850.000 Euro zu Buche schlagen – jährlich. Über die Kreisumlage sitzen die Kommunen mit im Boot.
18. April 2018: Der Kreistag stimmt dem Projekt zu. Doch die Frage, ob konventionell oder ökologisch, aber teurer in Holz-Hybrid-Bauweise gebaut werden soll, spaltet den Kreistag und die Listenmehrheit: Die CDU ist dafür, die SPD dagegen.
Der Kreishausanbau im Euskirchen wirde immer teurer
25. Januar 2019: Landrat Günter Rosenke und Kämmerer Ingo Hessenius teilen mit: Statt 33 wird der Anbau wohl 40 Millionen Euro kosten, darin enthalten ein Puffer von 1,6 Millionen für eventuelle Baupreissteigerungen. Die Gründe für diese Kostenexplosion: Die Rettungsleitstelle des Kreises braucht mehr Technik und mehr Sicherheit. Etwa zweieinhalb Jahre später, nach der Flutkatastrophe, weiß jeder, wie wichtig das ist.
31. Januar 2019: 20 Prozent an Kostensteigerung bringt die Politiker auf die Palme. Die Verwaltung wird "gegrillt", die Politiker wollen die Zusatzmittel nicht akzeptieren – noch nicht.
6. März 2019: FDP und UWV starten einen letzten Versuch: Sie fordern ein kräftiges Abspecken der Pläne: Jobcenter und Rettungsleitstelle müssten reichen. Statt weiterer Büros für die Kreisverwaltung sollten mehr Heimarbeitsplätze für die Beschäftigten geschaffen werden. Gut ein Jahr später ist Homeoffice in aller Munde – aber weniger aus Kostengründen.
Corona, Flut und Krieg lassen den Zeitplan nicht aufgehen
20. März 2019: Der Vorstoß von FDP und UWV verpufft trotz Zustimmung von Bündnis 90/Die Grünen und Linken. Die schwarz-rote Mehrheit im Kreistag hält an der großen Lösung fest.
19. Dezember 2019: Erster Spatenstich hinter dem Kreishaus. Landrat Rosenke hofft, dass Ende 2023 Einzug ist. "Wir spielen hier nicht vom Berliner Flughafen", sagt er.
Was noch niemand ahnt: Wenig später bringt ein Virus den Globus fast zum Stillstand, auch den Anbau ans Kreishaus. Es folgen Flutkatastrophe und Ukraine-Krieg. Bauarbeiter haben in diesen Tagen anderes zu tun, Materialien kommen später als geplant, alles wird teurer.
Kreis Euskirchen: In der Politik wird über den Anbau heftig gestritten
13. Dezember 2022: "Derzeit gehen wir von einer Übergabe an den Kreis Euskirchen im Sommer 2023 aus", erklärt ein Kreissprecher.
14. Dezember 2023: Der Kreistag billigt Mehrausgaben von 2,5 Millionen, damit steigen die Gesamtausgaben auf 45,5 Millionen Euro.
13. Dezember 2023: Die Kreisverwaltung teilt mit: Der Anbau soll im Herbst 2024 komplett fertig sein.
1. Juli 2024: Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters beziehen 95 angemietete Büros.
10. März 2025: Die hochmoderne Rettungsleitstelle nimmt den Betrieb auf.

30. März 2025: Der Trakt D wird offiziell mit einem Tag der offenen Tür eröffnet – acht Jahre, elf Monate, drei Wochen und drei Tage, nachdem der damalige Landrat Günter Rosenke die Mitglieder des Kreistags mit einer Mitteilung aufschreckte. © Kölner Stadt-Anzeiger