Erfurt/Jena - Sieben Thüringer Cannabis-Clubs warten noch auf die Lizenz zum Anbau. Das teilte das Landesamt für Landwirtschaft und Ländlicher Raum mit.
Insgesamt seien seit der Cannabis-Legalisierung 14 Anträge auf Anbau in der Behörde eingegangen. Grünes Licht für den gemeinschaftlichen Anbau erhielten bereits Vereine in Erfurt, Hildburghausen, Jena, Weimar und Arnstadt. In zwei Fällen seien Anträge abgelehnt worden, hieß es aus dem Landesamt, ohne die Entscheidung genauer zu begründen. Nötige Voraussetzungen seien nicht erfüllt gewesen, hieß es lediglich.
Cannabisprodukte gehören zu den ältesten bekannten Rauschmitteln und sind neben Tabak und Alkohol hierzulande die gängigsten Drogen. Cannabis wird meist in Form von Haschisch oder Marihuana konsumiert. Hauptwirkstoff ist Tetrahydrocannabinol (THC), das je nach Pflanzensorte unterschiedlich konzentriert ist. Wer Cannabis stark und regelmäßig konsumiert, riskiert wie beim Alkohol psychische Abhängigkeit.
Erste Ernten bereits abgegeben
Mit der erste Anbauverein in Thüringen, der eine Lizenz erhalten und auch schon seine erste Ernte an die Mitglieder abgegeben hat, ist der Cannabis Social Club Erfurt. Acht Kilogramm Cannabis habe der Verein seit Abgabestart vor knapp einem Monat seinen Mitgliedern verkaufen können, sagte der Vorsitzende Hermann Klatt.
"Acht Kilo, die kein Dealer verkauft"
Dass die Teillegalisierung wie vor der Wahl von der Union angekündigt zurückgenommen werden könnte, hält Klatt für grundsätzlich möglich, aber sehr unwahrscheinlich. "Das wäre ein Riesenschritt zurück. Deutschland ist nicht im Chaos versunken, weil Cannabis legalisiert wurde, so wie einige Stimmen befürchtet hatten", sagte er.
Die Legalisierung hilft aus seiner Sicht, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen: "Die acht Kilo, die wir verkauft haben, verkauft kein Dealer, und dazu kommen noch Steuereinnahmen für den Staat." Ob der Schwarzmarkt durch die Legalisierung tatsächlich zurückgedrängt wird, ist allerdings umstritten.
Juristische Folgen bei Rücknahme der Legalisierung?
Auch Andreas Hofmann, Vorstand vom Verein CSC freshSpace aus Hildburghausen, zeigt sich rund zwei Wochen nach der Erst-Ausgabe der Ernte an die Mitglieder zufrieden. Er glaubt ebenfalls nicht, dass die Legalisierung zurückgenommen wird. "Das hätte wahrscheinlich auch eine Klagewelle zur Folge", sagte Hofmann. Für die Vereine, die etwa einiges in die Anbauanlagen investiert haben, käme die Rücknahme einer Enteignung gleich.
Seit April vergangenen Jahres sind der Erwerb, Anbau und Konsum von Cannabis für Erwachsene unter bestimmten Voraussetzungen legal. Erlaubt ist der Anbau von bis zu drei Pflanzen in Privatwohnungen, aufbewahren darf man bis zu 50 Gramm Cannabis. Zudem ist es nicht-kommerziellen "Anbauvereinigungen" mit Lizenz erlaubt, gemeinschaftlich Cannabis anzubauen. © Deutsche Presse-Agentur