Mit seinen knapp 100.000 Studierenden ist Köln der drittgrößte Hochschulstandort in Deutschland. Von den aktuell rund 18.400 Absolventen pro Jahr profitiert also auch die lokale Wirtschaft maßgeblich.
Jeder zweite bleibt der Region langfristig erhalten. In den vergangenen Jahren hat sich Köln zudem zum besonders attraktiven Standort für Start-Ups entwickelt. 800 Start-Ups gibt es hier aktuell. Die deutliche Verbesserung im Bereich der Gründungsaktivitäten ist ein zentrales Ergebnis des neuen Wissenschafts-Wirtschaftsberichts 2024.
Die Studie gaben die Stadt Köln und die Kölner Wissenschaftsrunde in Auftrag. Bereits zum dritten Mal – die erste ist von 2010, die zweite von 2017 – hat die Boston Consulting Group ermittelt, welche wirtschaftliche Bedeutung die wissenschaftlichen Einrichtungen für Köln haben. Am Montag wurden die zentralen Erkenntnisse in der Rheinischen Hochschule an der Schaevenstraße präsentiert, die die Koordination der Studie übernommen hat.
Auch Wirtschafsdezernent Andree Haack war anwesend und sagte: "Köln wäre ohne seine Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht so erfolgreich."
Wissenschaft: Drittgrößter Arbeitgeber in Köln
Die Wissenschaft ist nach der Rewe Group und der Stadt Köln der drittgrößte Arbeitgeber in Köln. Rund 15.000 Personen sind an den Hochschulen und Forschungsinstituten beschäftigt. Danach folgen die Ford Werke und die Kölner Unikliniken mit ihren 9600 nicht-wissenschaftlich Beschäftigten. Ihre 2.986 wissenschaftlich Mitarbeitenden wurden in der Kategorie "Wissenschaft" bereits mitgezählt.
Studierende, Forscherinnen und Forscher sowie Hochschulmitarbeiter bilden zudem einen kräftigen Wirtschaftsfaktor: Sie geben rund 1,3 Milliarden Euro in der Stadt aus. Damit sind Ausgaben für Wohnen, Lebensmittel oder Kultur, also für Waren und Dienstleistungen, gemeint.
Die wichtigen Kennzahlen haben sich im Vergleich zu 2017 nicht wesentlich verändert. Im Bereich der Start-Ups ist jedoch einiges passiert: Während 2017 ein Nachholbedarf bei der Unterstützung von jungen Gründern festgestellt wurde, kann Köln nun mit einer deutlich gewachsenen Start-Up-Szene aufwarten. Ein bedeutender Fortschritt war zum Beispiel die Gründung der Köln-Business Wirtschaftsförderung, eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln, im Jahr 2019, die Start-Ups fördert und betreut. "Alle Unterstützungsangebote der Kölner Hochschulen für Start-Ups wurden zudem zu einem großen Angebot, dem Gateway, gebündelt und zusammengefasst", sagt Cédric Reuter von Köln-Business und Geschäftsführer der Kölner Wissenschaftsrunde.
Verbesserung nötig beim Thema Wohnraum und Kommunikation
Die Studienmacher führten zahlreiche Interviews mit Hochschulvertretern, um auch zu ermitteln, wo aktuell Nachholbedarf besteht: Hier ist die Rede von der Verbesserung der Wohnsituation für Studierende. Luft nach oben besteht auch beim Thema Kommunikation und Vernetzung unter den Einrichtungen. Ein Beispiel: Köln habe sein Hochschulangebot im Bereich KI und Digitalisierung zwar deutlich verbessert. Man müsse Köln aber noch stärker als digitalen Standort bewerben, damit sich noch mehr High-Tech-Unternehmen hier ansiedeln. Die lokalen Unternehmen wünschen sich wiederum noch mehr Praxisnähe in den Studiengängen.
Die Kölner Wissenschaftsrunde (KWR) wurde 2004 vom damaligen OB Fritz Schramma ins Leben gerufen. Sie vereint Vertreterinnen und Vertreter aller Hochschul- und Forschungseinrichtungen und der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK). Ihr Ziel: Die Vernetzung von Forschung, Wirtschaft und Stadt zu fördern.

Formate wie "Wissenschaft im Rathaus", die Kölner Kinderuni und "Wissenschaft in den Häusern der Stadt" sollen Bürgerinnen und Bürgern Forschungsprojetkte anschaulich vermitteln. Die KWR sei einzigartig in Deutschland, sagte Claudia Bornemeyer, Präsidentin der Rheinischen Hochschule und Sprecherin des KWR-Vorstands am Montag. © Kölner Stadt-Anzeiger