Ulm/Berlin/Neu-Ulm - Im Zusammenhang mit Sabotageakten gegen Autos in mehreren Bundesländern gibt es einen weiteren Verdächtigen.
Es handele sich um eine 19 Jahre alte, nicht vorbestrafte Frau, heißt es in einer Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag. Damit gibt es fünf Tatverdächtige. Neben der Frau sind dies ein 17 Jahre alter Jugendlicher, ein 20 Jahre alter Mann, ein 18-Jähriger sowie ein 29-Jähriger. Die beiden Letzteren seien vorbestraft.
Den 18-Jährigen verurteilte das Amtsgericht Ulm wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Der 29-Jährige erhielt vom selben Gericht einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen. Drei der verdächtigen Männer wurden in Brandenburg in einem Transporter kontrolliert. Mehrere Kartuschen mit Bauschaum wurden damals gefunden.
Rund 170 Fahrzeuge betroffen
Laut der Ulmer Staatsanwaltschaft, die zentral die Ermittlungen im Zusammenhang mit Sabotageakten gegen Autos in mehreren Bundesländern übernahm, geht es um rund 170 Fahrzeuge in Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg.
Wie aus der Antwort des Innenministeriums weiter hervorgeht, wurden bislang sechs Objekte in Baden-Württemberg durchsucht. Zudem gab es im Februar im Bundesland eine Durchsuchung bei einem Menschen. Dabei wurde niemand festgenommen.
Es seien mehrere Mobiltelefone und elektronische Datenträger sichergestellt beziehungsweise beschlagnahmt worden. Nach früheren Angaben der Ulmer Staatsanwaltschaft wurden auch mehrere Dosen Bauschaum gefunden. Die Männer hätten bei der Vernehmung nur wenige Angaben gemacht, teilte die Staatsanwaltschaft in Ulm mit. Der Staatsschutz sei an den Ermittlungen beteiligt.
Russischer Geheimdienst möglicherweise Auftraggeber
Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass ein russischer Geheimdienst hinter der Serie steckt. Man gehe davon aus, dass die Saboteure für ihre Taten Geld von einem russischen Auftraggeber erhalten hätten, hieß es aus Sicherheitskreisen. Ob die Taten im Zusammenhang mit einer möglichen russischen Beteiligung stünden, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, heißt es.
Der Verfassungsschutz sieht seit Monaten eine Tendenz russischer Akteure, Täter – teils aus dem kleinkriminellen Milieu – anzuwerben, die für Geld Spionage- und Sabotageaktionen durchführen. Ein Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden, dass der Einsatz professioneller Spione für Russland durch Sanktionen und eine erhöhte Wachsamkeit westlicher Nachrichtendienste erschwert ist. © Deutsche Presse-Agentur