Bayern-Trainer Hansi Flick will weitere Neuzugänge. Trotz des überragenden Bundesliga-Auftakts sollte der Verein ihm diesen Wunsch erfüllen.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer
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Besser hätte der Start in die neue Bundesligasaison für den FC Bayern nicht laufen können. Allen Befürchtungen wegen der extrem kurzen Vorbereitung zum Trotz schossen die Münchner zum Auftakt in die neue Saison den FC Schalke mit 8:0 aus dem Stadion.

Trotz des gelungenen Auftakts ist die Vorbereitung auf die Saison bei den Münchnern noch nicht abgeschlossen. Rund zwei Wochen vor dem Ende des Transferfensters ist der Kader nach wie vor nicht fertig. Sowohl auf der Zu- als auch auf der Abgangsseite wird sich aller Voraussicht nach noch etwas tun.

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Trainer Hansi Flick hat seit Wochen deutlich gemacht, dass er einen breiteren Kader bevorzugt und erwartet, dass die Verantwortlichen um Sportchef Hasan Salihamidžić hier Lösungen präsentieren. Seitdem hat mit Thiago ein Schlüsselspieler den FC Bayern verlassen.

Das erhöht den Bedarf weiter. Flick verweist zurecht auf die enorme Belastung in einer durch die Corona-Verschiebungen deutlich gestrafften Saison. Schon im Oktober und November warten harte Wochen mit nur wenigen Tagen Pause.

Wer in den vergangenen Tagen genau hinhörte, stellte durchaus fest, dass es zwischen Erfolgscoach Flick und dem Bayern-Vorstand unterschiedliche Akzentuierungen gab. Während Flick weiter auf Neuzugänge pochte, verwies Oliver Kahn rund um das Spiel gegen Schalke auf den vielversprechenden Münchner Nachwuchs, der ebenfalls auf seine Chance warte.

Aufsichtsratsmitglied und Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte sich zuvor ähnlich geäußert. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass der Triple-Coach mit seinen Forderungen völlig ins Leere läuft. Auch wenn das deutliche 8:0 gegen Schalke die Qualität im jetzigen Kader um Neuzugang Leroy Sané klar unterstrich, arbeiten die Münchner Verantwortlichen an gezielten Verstärkungen.

FC Bayern: Dest ein logischer Kandidat

Priorität hat für Flick und den FC Bayern die rechte Außenbahn. Da Joshua Kimmich nach Thiagos Wechsel zum FC Liverpool endgültig im Mittelfeldzentrum eingeplant ist, fehlt ein Backup für Benjamin Pavard auf der rechten Abwehrseite.

Das Interesse an Sergino Dest wurde dabei von Münchner Seite bereits bestätigt. Der 19-Jährige ist eines der größten europäischen Talente auf der Außenverteidigerposition.

Der Ajax-Verteidiger, der für die USA spielt, ist ein anderer Spielertyp als Pavard und würde Bayern damit zusätzliche Variabilität bringen. Er ist dribbelstark, schnell, bereitet viele Torchancen vor und hat eine exzellente Ballbehandlung. Leichte Fragezeichen gibt es im Bereich der Defensivarbeit - auch wenn seine Werte in der schwächer einzuschätzenden Eredivisie ordentlich bis gut sind.

Dest, der wie viele Spieler aus der Ajax-Jugend spielerisch extrem gut ausgebildet ist, erinnert insgesamt eher an Alphonso Davies und könnte Pavard auch häufiger den Weg zurück ins Zentrum der Viererkette ermöglichen. Dest wäre eine klare Verstärkung. Hier sollten die Münchner ihr gesamtes Gewicht hineinlegen, um den Deal festzumachen.

FC Bayern wollen Tolisso zu Durchbruch verhelfen

Weiteren Handlungsbedarf gäbe es grundsätzlich auch im zentralen Mittelfeld und in der Offensive. Nach Thiagos Abgang und der abgelaufenen Leihe von Philippe Coutinho fehlt ein kleinräumiger, wendiger Mittelfeldspieler, den der FC Bayern gegen starke Pressingteams absolut gebrauchen kann.

Die Münchner wollen im Zentrum offenbar Corentin Tolisso endlich zum Durchbruch verhelfen. Der Franzose ist allerdings ein anderer Spielertyp. Michael Cuisance ist derweil genau wie der aus Hamburg zurückgekehrte Adrian Fein trotz guter Ansätze noch nicht bereit für allerhöchste Aufgaben. Beide sind eher Ergänzungsspieler.

Der kürzlich heiß diskutierte Mario Götze ist beim FC Bayern keine Option. Das bestätigte Flick gegenüber "Sky" - eine Rückkehr des 28-Jährigen nach München wäre ohnehin riskant gewesen.

Musiala könnte zur Alternative werden

Mit Jamal Musiala (17), der gegen Schalke zum jüngsten Bayern-Torschützen aller Zeiten avancierte, könnte Flick wie von Kahn gefordert einen Nachwuchsspieler als Backup ans Team heranführen. Ansonsten sieht es auch auf dem offensiven Flügel mit Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry noch etwas dünn aus. Hier gibt der Markt, der durch die Corona-Belastung ohnehin sehr kompliziert geworden ist, derzeit aber auch wenig her.

Callum Hudson-Odoi, der beim FC Chelsea derzeit offenbar nur zweite Wahl ist und seit Langem auf Bayerns Zettel steht, ist wohl noch eine der realistischeren Namen, die öffentlich diskutiert werden. Dest und Davies könnten zur Not auch auf dem offensiven Flügel aushelfen. Sollte durch eine Verletzung in den kommenden zwei Wochen noch einmal Handlungsdruck entstehen, könnte Bayern wie im Vorjahr bei Perisic auch nach Kandidaten für eine kurzfristige Leihe Ausschau halten.

Ganz vorne scheint man sich von einer Backup-Lösung für Robert Lewandowski komplett verabschiedet zu haben. Joshua Zirkzee oder Thomas Müller müssen den Job übernehmen, sollte der Pole mal längerfristig ausfallen.

Martinez auf dem Absprung

Mit Thiago, Coutinho und Perisic haben einige Hochkaräter den Verein bereits verlassen. Mit Javi Martínez kommt in Kürze aller Voraussicht nach ein weiterer hinzu.

Martinez hat den Verein seit seiner Ankunft im Jahr 2012 stark geprägt, kam zuletzt aber nicht mehr über eine Reservistenrolle hinaus. Ihn zieht es zurück in Richtung Bilbao.

Angespannt ist die Situation weiter bei David Alaba, der mit dem Verein immer noch um eine Vertragsverlängerung ringt. Doch selbst wenn dies nicht gelingt, ist es derzeit schwer vorstellbar, dass ein Verein in der derzeit wirtschaftlich extrem angespannten Lage die Ablösesumme aufbringen kann, die der FC Bayern erwartet.

Selbst, wenn die Gefahr eines ablösefreien Wechsels im kommenden Jahr wohl der Worst Case für den Klub wäre. Ein Weggang von Alaba würde zudem auch sportlich ein riesiges Loch reißen und die Münchner erneut dazu zwingen, selbst noch einmal nachzulegen.

Drei Keeper sind zu viel: Was ist mit Ulreich?

Bewegung könnte es auch bei weiteren Namen geben. Sven Ulreich wäre grundsätzlich ein Kandidat für einen Wechsel, sollten sich bei einem Klub noch größere Probleme auf der Torwartposition auftun.

Mit Lars Lukas Mai (Darmstadt 98), Christian Früchtl, Sarpreet Singh (beide 1. FC Nürnberg) und Oliver Batista-Meier (SC Heerenveen) hat der deutsche Rekordmeister bereits eine Reihe von Nachwuchsspielern verliehen. Auch Cuisance wäre ein Kandidat für eine Leihe, um auf hohem Niveau regelmäßig Spielpraxis zu sammeln.

Doch spätestens hier beißt sich die Katze in den Schwanz. So lange der Kader so dünn ist wie zur Zeit, müssen die Münchner mit weiteren Leihgeschäften sehr vorsichtig sein.

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