• Das Rennen um den Bundesliga-Klassenerhalt verspricht mal wieder höchste Spannung.
  • Mainz ist auf Höhen- und Werder im Sinkflug und Hertha BSC befindet sich im Wartestand.
  • Köln schöpft hingegen neue Hoffnung und Bielefeld ist nah dran an der Überraschung.

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Am Dienstag hat es den FC Schalke erwischt, und irgendwie ist der nun auch faktisch feststehende Abstieg auch eine Art Erlösung für die Schalker Fans. Der Untergang hatte sich schon seit Monaten angedeutet, in der Liga geht es deshalb seitdem nur noch um die Frage, wer Schalke auf seinem Weg in die zweite Liga begleiten muss - und wer es noch auf Relegationsrang 16 schafft. Gleich sieben Klubs sind vier Spieltage vor Schluss noch in der Verlosung, wie so oft in den letzten Jahren ist der Abstiegskampf also deutlich spannender als das Titelrennen der Bundesliga.

Aber wer hat vor dem Abschluss der englischen Woche die besten Chancen, bei wem ist die Tendenz gefährlich, wer erlebt einen Aufschwung zur rechten Zeit? Eine Bestandsaufnahme.

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1899 Hoffenheim (Platz 11, 35 Punkte, -5 Tore)

Das hätte alles noch einmal richtig gefährlich werden können. 0:2 lag Hoffenheim zur Pause gegen Gladbach schon zurück, nach den beiden Remis gegen Leverkusen und Leipzig wäre eine Niederlage ein herber Rückschlag gewesen und für den Kopf vielleicht dieser eine zu viel. Die Aussicht auf einen echten Abstiegskampf mit einer Mannschaft, die für den internationalen Wettbewerb konzipiert und ausgerichtet ist, konnte niemandem im Kraichgau schmecken. Umso befreiender dürfte der Sieg gegen Gladbach gewesen sein. Weil er nicht nur für drei sehr wichtige Punkte gesorgt hat, sondern den Aufwärtstrend der letzten Wochen bestätigt. Hoffenheim wirkt stabil, ruft zumindest phasenweise wieder sein großes Potenzial ab, verfügt über die mit Abstand beste Offensive aller Kellerkinder und einem Torjäger wie Andrej Kramaric, der jetzt bei 16 Saisontoren steht. Obwohl er immer wieder verletzt war. Es bleibt ein Restrisiko, aber bei neun Punkten Vorsprung auf den direkten Abstiegs- und mindestens fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sollte Hoffenheim so gut wie gerettet sein.

FC Augsburg (Platz 12, 33 Punkte, -15 Tore)

Es rumpelt und rumort in Augsburg. Nach der vermeintlichen Vorentscheidung im Abstiegskampf nach dem 2:1-Sieg über Hoffenheim Anfang April hat der FCA gegen Schalke, Bielefeld und Frankfurt drei Matchbälle zum Teil kläglich vergeben und dabei kein einziges Tor mehr erzielt. Präsident Klaus Hofmann sprach nach dem tristen 0:0 gegen Bielefeld von "einer weiteren Episode unansehnlicher Leistungen in dieser Saison" und traf damit nicht nur den Nagel voll auf den Kopf, sondern attackierte auch ungeniert Trainer Heiko Herrlich. Der Auftritt in Frankfurt mit einer nahezu komplett veränderten Mannschaft war zwar nicht von Erfolg oder wenigstens einem Punkt gekrönt, aber macht ein wenig Hoffnung, dass der eine notwendige Sieg noch irgendwie eingefahren werden kann. Damit wäre Herrlichs Mission erfüllt, aber wohl auch zu Ende. Noch eine Saison ohne Weiterentwicklung der Mannschaft und einen (Offensiv-)Fußball, der im Prinzip nur auf schnelle Umschaltaktionen und ein paar Standardtoren fußt, will in Augsburg niemand sehen. Der FCA hat gegen Köln, in Stuttgart und gegen Werder drei weitere Matchbälle und sollte einen davon nutzen. Am letzten Spieltag geht es in der Allianz Arena gegen die Bayern, da ist von einem Sieg eher nicht auszugehen.

Mainz 05 (Platz 13, 31 Punkte, -17 Tore)

Mainz ist die Mannschaft mit der besten Form, mit dem besten Lauf und dem größten Selbstvertrauen im Abstiegskampf. Das 1:0 bei Werder Bremen bestätigt den Trend einer Mannschaft, die in sich gefestigt wirkt. Mainz hat sich in wirklich allen Spielphasen zum Teil deutlich verbessert, auf die indiskutablen sieben Punkte aus der Hinserie folgten nun aus zwölf Spielen 24! Bo Svensson ist es in kürzester Zeit gelungen, aus einem zerrütteten Haufen eine echte Einheit zu formen, die im Gesamtpaket besser daherkommt als jeder ihrer Gegner im Abstiegskampf. Der Trend spricht ganz klar für die Rheinhessen, die Aussicht auf den historischen Rekord sollte zusätzlich noch beflügeln: In der langen Geschichte der Bundesliga ist es noch keiner Mannschaft gelungen, sich nach einer derart desaströsen Hinserie zu retten. Es sähe richtig gut aus für die Mainzer - wäre da nicht der Spielplan mit den restlichen Gegnern. Die könnten nämlich schwerer nicht sein: Die Bayern, Frankfurt, Dortmund um zum Abschluss Wolfsburg stehen noch aus. Ein mörderisches Programm für Mainz, das auf den ersten Blick unmöglich erscheint. Aber erstens scheint für Mainz momentan fast gar nichts unmöglich. Und zweitens hat die Mannschaft unter Svensson schon bewiesen, dass sie auch mal einen Großen schlagen kann. Mainz hatte Leipzig vor ein paar Wochen so richtig schön niedergekämpft. Es war der Auftakt der fulminanten Aufholjagd.

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Werder Bremen (Platz 14, 30 Punkte, -15 Tore)

So schnell kann das gehen: Mit dem Sieg im Nachholspiel auf der Bielefelder Alm vor einigen Wochen schien Werder schon so gut wie gerettet. Sechs Niederlagen in Folge lassen die Bremer aber wieder knöcheltief in den Sumpf rutschen und nun beginnt - wie in der letzten Saison - das große Zittern. Denn in der derzeitigen Verfassung ist Werder - im negativen Sinne - alles zuzutrauen. Die Offensivproblematik trägt die Mannschaft nun schon die komplette Saison mit sich herum und von der defensiven Stabilität war zuletzt auch nur noch wenig übrig. Eine kleine Prise Sorglosigkeit und ein wenig Pech - etwa beim Auswärtsspiel in Stuttgart oder mit der Schiedsrichterentscheidung gegen Mainz - und fertig ist der gefährliche Mix, aus dem Absteiger sind. Die an sich schöne Aussicht auf das Pokal-Halbfinale Anfang Mai könnte sich auch noch negativ auswirken. Zuzutrauen wäre es dieser labilen Mannschaft jedenfalls. Werder benötigt noch mindestens einen Sieg, um sich als gerettet fühlen zu dürfen. Angesichts der Gegner Union, Leverkusen und Gladbach droht am vorletzten Spieltag in Augsburg so eine Art Endspiel um den (direkten) Klassenerhalt. Noch eine Relegation, dieses Mal womöglich gegen den Hamburger SV, würde Werder wohl schwerlich überleben.

Arminia Bielefeld (Platz 15, 30 Punkte, -23 Tore)

Der Aufsteiger bleibt das heimliche Überraschungsteam der Saison. 30 Punkte nach 29 Spieltagen hätten wohl die wenigsten der Arminia zugetraut, jedenfalls stellen die Bielefelder auf dem Papier den vermeintlich schwächsten Kader der Liga. Der Wechsel von Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus zu Frank Kramer kam überraschend, scheint sich nun aber auszuzahlen. Unter Kramer gingen nur zwei der letzten acht Spiele verloren, Bielefeld sammelte dabei satte zwölf Punkte ein. Die Tendenz stimmt also und auch die Leistungen sind sehr stabil. Ein Problem bleibt die Offensive, Bielefeld erzielt schlicht zu wenige Tore und ist immer bei einem Rückstand quasi fast immer schon raus aus der Partie. Immerhin funktioniert aber die Defensive wieder besser und in Stefan Ortega dürfte die Arminia auch über den besten Keeper aller Abstiegskandidaten verfügen. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass Bielefeld sogar die Relegation vermeidet und sich komplett rettet. Auch die Arminia muss noch zweimal gegen direkte Kontrahenten ran (Hoffenheim und Hertha) und dazu in Gladbach und am letzten Spieltag beim längst geretteten VfB Stuttgart.

Hertha BSC (Platz 16, 26 Punkte, -14 Tore, zwei Spiele weniger)

Es bleibt eine verflixte Saison für die ambitionierte Hertha, die weiterhin im völligen Desaster enden könnte. Zwar steht die Vermutung nicht mehr im Raum, die Mannschaft hätte den Abstiegskampf nicht verinnerlicht - schließlich steht seit ein paar Wochen Pal Dardai an der Linie und der lässt in diese Richtung gar keinen Spielraum. Die aktuelle Zwangspause wegen der Corona-Quarantäne könnte sich für die Berliner aber noch zu einem massiven Problem auswachsen. Der Spielplan wird sehr eng gesteckt sein, in der zweiten Liga geht es Holstein Kiel ähnlich und das Beispiel Dynamo Dresden von letzter Saison dürfte allen Beteiligten noch klar vor Augen sein. Ohne "echtes" Training wird die Hertha demnächst förmlich aus dem Stand wieder Bundesligafußball bieten müssen und dann die Punkte aufholen, die ihre Gegner in den letzten Spielen einsammeln durften. Der Druck steigt deshalb nur noch mehr und bei einer Mannschaft, die nicht für den Abstiegskampf konzipiert wurde, könnte das noch fatale Folgen haben. Ähnlich wie bei Köln bietet der Spielplan Vor- und Nachteile zugleich: Es geht in den letzten sechs Spiele mit Ausnahme vom Freiburg-Spiel nur noch gegen direkte Konkurrenten. Und: Das vergleichsweise gute Torverhältnis könnte am Ende noch sehr wichtig werden für die Berliner.

1. FC Köln (Platz 17, 26 Punkte, -26 Tore)

Der Sieg über Leipzig mag etwas überraschend gewesen sein, vor allen Dingen aber war er lebensnotwendig. Neu-Trainer Friedhelm Funkel benötigte die ersten Punkte für seine Mission dringend, der gewünschte Effekt des Trainerwechsels wäre nach einer zweiten Pleite zum Start sofort wieder verfolgen. Nun hat Funkel ein paar müde Geister wieder erweckt und bekommt zudem Auftrieb durch den einen oder anderen wichtigen Spieler, der nach langer Verletzungspause nicht nur wieder zurück ist, sondern auch eine entscheidende Rolle einnehmen könnte. Abwehrchef Sebastiaan Bornauw oder Flügelspieler Florian Kainz sind zu nennen, Jonas Hector in seiner womöglich ganz neuen Rolle als Zehner und Mittelstürmer auch. Der FC hat seinen bedenklichen Abwärtstrend gestoppt, muss das Ergebnis aus dem Leipzig-Spiel und die Leistungssteigerung nun aber bestätigen. Das Restprogramm spielt Köln dabei in die Karten: Augsburg, Freiburg, Hertha BSC und Schalke heißen die letzten Gegner. Das ist gefährlich, weil es gegen zwei direkte Konkurrenten geht - auf der anderen Seite aber auch dankbar, weil es in diesen Spielen einiges aus eigener Kraft zu regeln gibt und Freiburg oder Schalke absolut machbar erscheinen.

Verwendete Quelle:

  • kicker.de: "Herrlich reagiert auf Hofmanns Kritik: "Sicherlich berechtigt""
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Robert Lewandowski, Rafal Gikiewicz, FC Bayern München, FC Augsburg, Bundesliga, 34. Spieltag, 2021
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