Mal wieder eine bewegende Woche. Der BVB gewinnt weiter und hat nunmehr den gesamten Januar und den gesamten Februar lang jedes Spiel gewonnen. Wettbewerbsübergreifend in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. Würde der BVB in Berlin zur Wahl antreten, müssten sich jetzt nicht SPD und CDU um die Gunst der Grünen duellieren. Da ich aber nicht jede Woche über den Husarenritt der Schwarz-Gelben Helden vom Borsigplatz berichten kann, hier der News-Flash zu allen übrigen wichtigen Ereignissen der vergangenen sieben Tage.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Marie von den Benken dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Zunächst hat die Woke-Mafia wieder zugeschlagen. Mit Sophie Passmann cancelt der RBB die letzte Bastion der anti-linksgrünversifften Verbotskultur-Kritiker. Die "Welt"-Chefreporterin Freiheit (nach ausführlichen Recherchen der Tageszeitung "FAZ" ein Ressort, das es gar nicht gibt) verabschiedet sich via Twitter sicherheitshalber umgehend auch noch vom RBB-Format "Nuhr im Ersten". Da hat sie allerdings (erstmals in ihrer Karriere als beste Investigativ-Journalistin des Landes nach Nena Schink) die notwendigen etwa zehn Sekunden Recherche nicht investiert, die es gebraucht hätte, um festzustellen, dass Dieter Nuhr so sicher wie nie zuvor im RBB-Sattel sitzt.

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Als Vorsitzender des Greta-Thunberg-Fanclubs Wesel kein Wunder. Der ÖRR ist ja (das weiß jeder) inzwischen zu einer Propaganda-Maschine für so nebensächliche Nischenthemen wie Klimawandel oder Weltrettung verkommen. Ach, was war es früher schön, als man sich beim zwangsgebührfinanzierten Staatsfunk noch auf die Kernthemen der Nation besann. "Ekel Alfred" beispielsweise. Zu seiner Zeit durfte man noch sagen, was man denkt und wurde nicht gleich von der Empörungs-Sprachpolizei wegen jeder politisch nahezu annähernd beinahe korrekten Kleinigkeit im Diversity-Wahn zurückgepfiffen.

Das waren Zeiten. Sexismus ("Wenn es was Wichtiges ist, können sie es nur mit mir besprechen. Ob sie mit meiner Frau reden oder mit einem Känguru im Zoo, das kommt aufs Gleiche raus"), Rassismus ("Nowottny ist ja auch ein typisch deutscher Name. Rabottny, Klafutzky, Katapulsky, Leute, die so heißen, stammen alle aus dem Schwarzwald") und Linksgrünhass ("So ein Ei, das geht vom Rückenmark ins Gehirn und dann wirst du blöde und dann wählst du die SPD") gehörten damals noch zum guten Ton. Männer schütteten sich vor Lachen aus, gaben Gattinnen neckische Klapse auf den Po und schickten sie zum Bierholen. Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Friedens. Heute undenkbar. In unseren hysterischen Zeiten wird eine Lisa Eckhart ja bereits vom Harbour Front Literaturfestival" ausgeladen, nur weil sie versehentlich ein paar antisemitische Witzchen gerissen hat.

Söder und sein Verbrenner-Verbot

Selbst die einstmals unter der Rubrik "konservativ" operierende Spaßpartei CDU agiert mittlerweile wie eine von Annalena Baerbock, Sawsan Chebli und Katja Diehl geführte Klimapartei und überbietet sich mit Verbots-Ideen. Außer Markus Söder. Der ist damit beschäftigt, sich zu überlegen, ab welchem Jahr er in zwei Jahren ein Verbrenner-Verbot fordern wird.

Zur kontextuellen Einordung: 2012 hatte Markus Söder ein Verbot für Verbrenner-Motoren ab 2020 gefordert. Heute, drei Jahre nach seinem Stichtag für das Verbot von Verbrenner-Motoren, heißt es bei Markus "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?"

Söder plötzlich, ein Ausstieg aus dem Verbrenner-Konzept schon 2035 würde dem Wirtschaftsstandort Bayern erhebliche Schäden zufügen und gehöre somit politisch bekämpft. Ein Standpunkt von so beachtlicher Logik und Stringenz, dass Friedrich Merz vor Schreck beinahe sein neuer Bestseller "Kleine Paschas und Sozialtouristen – Warum ein bisschen Rassismus normal ist" aus seinem Privatjet gefallen wäre.


Friedensdemonstration in Berlin

Stichwort Rassismus. Am Samstag riefen Friedensnobelpreisträgerin Sahra Wagenknecht und Vergewaltigungs-Vermeidungsexpertin Alice Schwarzer zu ihrer großen, naja, "Friedensdemo" in Berlin auf. Mitgebracht hatten sie Ehemann Oscar Lafontaine und Superexperte Erich Vad. Lafontaine kennen die Älteren vielleicht noch als Finanzminister. Auch, wenn diese Phase im Leben Lafontaines nicht zwangsläufig seine intensivste Erfolgsgeschichte repräsentiert. Unter uns gesagt: Ich hatte Telefonate mit meiner Mutter, die waren länger als Lafontaines Ära im Finanzministerium.

Sahra Wagenknecht (r.) und Alice Schwarzer (l.) am 25. Februar 2023 am Brandenburger Tor während einer Demonstration für Friedensverhandlungen mit Russland und gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. © Getty Images/Steffi Loos

Erich Vad dagegen sollte allen bemühten Diskursteilnehmern bekannt sein. Vad ist der stets adrett gekleidete Ex-General mit Einlade-Abo für Polit-Talkshows beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Natürlich zu Recht. Vad verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung als Brigadegeneral und war acht Jahre militärischer Berater von Kanzlerin Merkel.

Mit dieser beachtlichen Expertise hatte er zu Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine prophezeit, die Ukraine wäre vollkommen chancenlos und Russland würde das Land in wenigen Tagen einnehmen. Als Belohnung für diese äußerst präzise Vorhersage darf er seither regelmäßig weitere Theorien absondern, die nie eintreffen. Entweder hat er sehr belastendes Material über hochrangige ÖRR-Manager im Giftschrank, oder es handelt sich um eine militärische Guerilla-Aktion. Vad wird tagesperiodisch um seine Empfehlung gebeten, damit das Bundesverteidigungsministerium dann genau das Gegenteil veranlassen kann. So wäre jedenfalls erklärt, warum Boris Pistorius plötzlich so beliebt ist.

Neben diesen vier Gallionsfiguren der fünften Kolonne Putins fanden sich für die Demo vor dem Brandenburger Tor noch ein paar weitere zivile Friedensliebhaber ein, deren Pazifismus sich darauf beschränkt, die Ukraine zu bitten, sich doch möglichst geräuschlos von Russland einnehmen zu lassen. Wagenknecht und Schwarzer sprachen von 50.000 Teilnehmern, die offiziellen Behörden von knapp 13.000. Gut, mit der korrekten Angabe von Zahlen kennt sich insbesondere Schwarzer nur bedingt aus – jedenfalls wenn man ihre Historie mit der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung bedenkt.

Am Ende fanden sich neben zahlreichen AfD-Vertretern und -Sympathisanten eine imposante Anzahl Querdenker, Rechtsradikale, Corona-Leugner und Russland-Fans ein. Als Belohnung erhielt Initiatorin Wagenknecht von "Schandfleck im Herzen unserer Hauptstadt"-Höcke spontan eine offizielle Einladung, dann doch schnellstmöglich zum Original, also der AfD, zu wechseln. Da wüchse dann endlich zusammen, was zusammengehört. Im Fall von Wagenknecht/Höcke ist das ja schon kein Hufeisen mehr, das ist eine Abwärtsspirale.

Menschen mit Ukraine-Flagge wurden übrigens nur wenig identifiziert. Und wenn, dann wurden sie von den, haha, friedliebenden Demonstranten brutal angepöbelt, Fahnen wurden ihnen entrissen. Zur Erinnerung: Die Ukraine ist immer noch das Land, das den Krieg nicht begonnen und nicht gewollt hat und sich seit einem Jahr heldenhaft gegen einen Gegner zur Wehr setzt, den beinahe jeder Experte (und Christian Lindner) für absolut übermächtig gehalten hatte.

Das Manifest von Wagenknecht und Schwarzer

Kritisiert man das Manifest von Wagenknecht und Schwarzer, gibt es ein paar standardisierte, intellektuell nur unter starken Schmerzen ertragbare "Gegenargumente". Zum Beispiel: Wir sollen keine Waffen liefern, denn die Waffen werden von der ukrainischen Mafia zur Selbstbereicherung weiterverkauft. Jetzt bin ich keine Mafia-Expertin, aber als Wagenknecht-Groupie würde ich mir bei dieser Behauptung zwischendurch eventuell mal die Frage stellen, wie unfassbar schlecht die russische Armee operieren müsste, wenn sie sich seit einem Jahr die Zähne an einem Land ausbeißt, das seine besten Waffen nicht einsetzt, sondern verkauft.

Auch sehr beliebt, wenn es mal wieder an Argumenten gegen Waffenlieferungen fehlt: "Wenn du so kriegsgeil bist, dann geh doch an die Front!" Das ist auf so vielen Ebenen unterkomplex, dass ich mich fast schon ein bisschen schäme, es überhaupt zu erwähnen. Mal abgesehen von der kognitiven Dilemma-Situation, dass Menschen, deren größte Angst ein Kriegseintritt Deutschlands ist, somit deutsche Soldaten an die Front schicken möchten, müsste man nach der Logik auch sagen: Wer von der Politik ein besseres Schulsystem fordert, ist so ein Bildungstreiber, der muss erstmal selbst eine Schule eröffnen.

Ach ja, und mit besonderer Inbrunst teilen Schwarzer-Jünger dazu noch fleißig die zahlreichen Share-Pics von Altkanzler Helmut Schmidt, auf denen sein Zitat "Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen" als Aufforderung interpretiert wird, keine Waffen zu liefern. Ausgerechnet Schmidt, der in einer historischen Zerreißprobe den NATO-Doppelbeschluss durchgepeitscht hat, wird zum Kronzeugen der Pseudo-Pazifisten.

Die Putin-PR-Maschine scheinen dabei zu vergessen, dass Schmidt von theoretischen Handlungsoptionen im Vorfeld einer möglichen Eskalation sprach. Denn fraglos wird in der Ukraine bereits geschossen. Und zwar nicht seit 100 Stunden, sondern demnächst seit 400 Tagen. Aber mit logischer oder zumindest menschenfreundlicher Denkweise ist es zumeist nicht sehr weit her bei Leuten, die mit "Putin ist Frieden"-Plakaten durch Berlin laufen und von ihrer sicheren Couch aus der Ukraine vorschlagen, doch bitte dem Mörder ihrer Kinder und Vergewaltiger ihrer Töchter große Teile ihres Landes zu überlassen, damit in deutschen Wohnzimmern die Heizkosten nicht steigen. Wir leben wirklich in der dümmstmöglichen Gesellschaft.

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