• Nach der Auftaktniederlage der DFB-Elf gegen Weltmeister Frankreich fragen sich viele, wie die Aufstellung im kommenden Spiel gegen Portugal aussehen wird.
  • Für Bundestrainer Löw kommt eine Systemänderung wohl nicht in Frage.
  • Möglichkeiten gäbe es allerdings genug.

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Bei brütender Hitze hat die deutsche Nationalmannschaft nach einem Regenerationstag die Vorbereitung auf das zweite EM-Gruppenspiel gegen Portugal aufgenommen. Bundestrainer Joachim Löw versammelte seine Schützlinge am Donnerstag im Basiscamp in Herzogenaurach zu einer lockeren Übungseinheit. Nach dem 0:1 zum Auftakt gegen Weltmeister Frankreich muss im Duell mit den Portugiesen um Superstar Cristiano Ronaldo am Samstag in München (18:00 Uhr/ARD und MagentaTV sowie bei uns im Liveticker) unbedingt ein Sieg her.

Personelle Änderungen sind kaum zu erwarten, auch wenn Abwehrspieler Matthias Ginter berichtete: "Das Trainerteam macht sich immer wahnsinnig viele Gedanken, welche Spieler und welches System am besten passen."

Auch Millionen Fans diskutieren quasi als Bundestrainer, ob die Offensivbesetzung mit Kai Havertz vom FC Chelsea sowie den Bayern-Profis Thomas Müller und Serge Gnabry die geeignete ist, ob Vierer- oder Dreierkette besser passen oder ob Joshua Kimmich nicht besser wieder in der Mittelfeldzentrale statt auf Rechtsaußen spielen sollte.

Lukas Klostermann fällt verletzt aus

Auf eine größere Personal-Rotation oder einen Systemwechsel deutet allerdings nur wenig hin. Zumal sich Lukas Klostermann als Alternative für die rechte Außenbahn im Training erneut verletzt hat. Die Muskelblessur im rechten Oberschenkel zwingt den Leipziger erstmal zu einer Pause. Auch der Gladbacher Jonas Hofmann (Knieverletzung), ebenfalls eine Option für die rechte Außenbahn, kann noch nicht wieder voll mit dem Team trainieren. Er stand aber zumindest wieder auf dem Platz.

Beordert der Bundestrainer dann vielleicht doch schon überraschend Leon Goretzka nach dessen sechswöchiger Zwangspause auf der rechten Seite in die Startelf? Der 26 Jahre alte Bayern-Profi mischt beim Training immerhin wieder voll mit. Ein Kaltstart des dynamischen Mittelfeldspielers gleich in der Anfangsformation scheint Löw nach einer mehrwöchigen Verletzungspause des Münchners aber wohl noch zu gewagt. Aber Löw benötigt dringend einen Typen wie Goretzka, über den er bereits direkt nach dem 0:1 gegen Weltmeister Frankreich gesagt hatte: "Ich denke, er wird eine gute Option sein im Spiel."

Thomas Müller
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DFB-Team in der Einzelkritik: So schlugen sich Müller, Kimmich und Co.

Als letzte Teams sind Deutschland und Frankreich in die EM gestartet. Die DFB-Auswahl verliert die packende Partie unglücklich mit 0:1 aufgrund eines Eigentores vom Unglücksraben Mats Hummels.

Laut unserem EM-Experten Olan Thon muss Kimmich gegen Portugal ins zentrale Mittelfeld zurückkehren: "Man hat gesehen, dass die Aufstellung mit Kimmich auf der rechten Seite so nicht bleiben kann. Auch wenn ich selbst vor dem Spiel gesagt habe, dass man das gegen Frankreich schon machen kann. Aber nach der Niederlage ist es sicherlich besser, Kimmich in die Zentrale zu schicken, um da ihm gerecht zu werden und der Mannschaft mehr zu helfen", sagte er in seiner Kolumne. Thon traue demnach Emre Can zu, auf der rechten Seite zu verteidigen.

Lothar Matthäus wünscht sich Systemumstellung

Geht es nach DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, sollte Löw gleich über einen ganzen einen Systemwechsel nachdenken - zum Beispiel hin zu einer 4-2-3-1-Formation. "Gegen Portugal und Ungarn müssen wir offensiver spielen", sagte der Weltmeister von 1990 mit Blick auf die beiden verbleibenden Gruppenspiele des DFB-Teams in einer Kolumne für den internationalen Dienst der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich glaube, dass Joshua Kimmich sich auf der rechten Seite nicht so wohl fühlt wie in der Zentrale. Und in der Zentrale hat Kimmich gefehlt. Diese Galligkeit, die die französische Mannschaft hatte, hatten wir im Zentrum nicht." Er sehe daher "ein bisschen ein anderes Mittelfeld".

So würde Matthäus laut "Sky" spielen lassen: Neuer - Gosens/Mr. X, Hummels, Rüdiger, Ginter - Kimmich, Kroos/Gündogan - Sané, Müller, Gnabry - Werner

Links müsste laut Matthäus "natürlich jemand anderes als Robin Gosens spielen, denn er ist kein Spieler für eine Viererkette." Hier wäre der Leipziger Marcel Halstenberg eine Option.

Dem DFB-Team fehlt ein Stoßstürmer

Ein abschlussstarker Stürmer, der auch gegen die Größen des Weltfußballs trifft, wird gefühlt seit dem Rücktritt von Miroslav Klose nach dem WM-Sieg 2014 dringend gesucht. Der aktuelle Kader gibt ihn nicht her.

Kevin Volland ist zwar ein anderer Spielertyp als die flinken Leroy Sané, Timo Werner oder Serge Gnabry. Aber er ist eher jemand, der nach einer Einwechslung bei Rückstand seine Chance bekommen dürfte. Gegen Frankreich durfte er für ein paar Minuten auf den Platz, allerdings auf der linken Seite und nicht im Sturmzentrum.

Im Sturm, der endlich zünden soll, wären also wohl nur Sané und Werner Alternativen. Doch wen würde Löw dann rausnehmen? Kai Havertz oder etwa Serge Gnabry, der bei Löw, so sagte der Bundestrainer einst, "immer spielt"? Gnabry fehlte zwar beim Hitzetraining. Der DFB sprach allerdings von einer "Belastungssteuerung" beim Münchner. Für die Partie gegen Portugal besteht offensichtlich keine Gefahr.

Das Rätselraten um die Aufstellung der DFB-Elf dürfte also noch bis Samstag um ca. 17:00 Uhr weitergehen. Dann wird die Startelf bekanntgegeben.

Zu Löws Vita in bislang 195 Spielen als Rekord-Bundestrainer würde es passen, wenn er es noch einmal mit der gleichen Elf wie gegen Frankreich versucht. (lh/dpa)

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