Paukenschlag trotz Meisterschaft: Der FC Bayern entlässt Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn. Das hat Herbert Hainer bestätigt. Der Nachfolger für Kahn steht bereits fest. Oliver Kahn wurde laut eigener Aussage "untersagt", beim letzten Saisonspiel des FC Bayern in Köln dabei zu sein. Dem Sender "Sky" sagte Kahn: "Das war der schlimmste Tag meines Lebens".

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Der FC Bayern trennt sich von Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic. Das hat der Präsident des Rekordmeisters, Herbert Hainer, am Samstagabend bestätigt. Zuvor hatten der "kicker" und die "Bild" die Trennung übereinstimmend vermeldet.

"Die Entscheidung, sich von Oliver Kahn zu trennen, hat sich der Aufsichtsrat alles andere als leicht gemacht", sagte Hainer: "Dennoch sind wir aufgrund der Gesamtentwicklung zu dem Entschluss gekommen, eine Neubesetzung an der Spitze des Vorstands vorzunehmen." Die Trennung von Salihamidzic erklärte der Präsident mit dem Verlauf der "Saison nach der Winterpause" und "unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Mannschaft".

Die Nachricht verbreitete sich, während sich der FC Bayern durch einen knappen Sieg in Köln und das zeitgleiche Unentschieden der Dortmunder gegen Mainz die elfte Meisterschaft in Folge sicherte. Ursprünglich war geplant, dass der Aufsichtsrat sich erst turnusmäßig am 30. Mai trifft.

Schon nach der Trennung von Julian Nagelsmann war Oliver Kahn vermehrt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Art und Weise der Nagelsmann-Trennung hatten viele auch im Bayernumfeld als unglücklich wahrgenommen. Auch das offenbar fehlende Mia-san-Mia-Gefühl an der Säbener Straße wurde immer wieder Oliver Kahn angelastet.

Kahn: "Das war der schlimmste Tag meines Lebens"

Auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic wurde im Verlauf der Saison immer wieder scharf kritisiert. Vor allem der kaum geglückte personelle Umbruch nach den Abschieden von unter anderem Robert Lewandowski und David Alaba wurde ihm angekreidet.

Oliver Kahn erlebte den dramatischen Kampf um die Meisterschaft nicht live im Kölner Stadion. Er leide an einer Grippe, hatte der Verein vor dem Spiel verlauten lassen. Später twitterte Kahn, dass er gerne mit den Bayern gefeiert hätte, ihm die Fahrt nach Köln jedoch vom Verein untersagt worden sei. Später kritisierte Kahn den Verein nochmals dafür, ihn von der Meisterfeier ausgeschlossen zu haben. "Das war der schlimmste Tag meines Lebens, es mir zu nehmen, mit den Jungs zu feiern", sagte er "Sky 90".

Dreesen folgt auf Kahn

Sein Nachfolger steht derweil bereits fest: Der bisherige Finanzvorstand und stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen wird Kahn als Vorstandsvorsitzenden beerben. Dreesen war in den vergangenen zehn Jahren als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG tätig. Ursprünglich hatte er im Herbst seinen Abschied zum Ende der Saison 2022/23 erklärt, um neue Herausforderungen zu suchen.

Hainer sagte laut einer Mitteilung des Vereins: "Jan-Christian Dreesen hat in den vergangenen zehn Jahren für den FC Bayern herausragend gute Arbeit geleistet. Er lebt den FC Bayern, kennt den Verein aus dem Effeff und weiß, worauf es hier ankommt. Wir freuen uns sehr, dass er diese Aufgabe annimmt. Er kann ohne Eingewöhnungszeit anpacken, und genau das braucht der FC Bayern in der aktuellen Situation."

Dreesen sagte demnach: "Dieser Verein ist für mich seit jeher eine Herzensangelegenheit und ich weiß auch, welche positive Kraft er entwickeln kann. Ich werde weiterhin meine gesamte Energie einsetzen, um mit dem FC Bayern in allen Bereichen erfolgreich zu sein und freue mich auf die neue Aufgabe."

Salihamidzic-Nachfolger steht noch nicht fest - Matthäus nennt einen Kandidaten

Wer auf Sportvorstand Hasan Salihamidzic folgt, steht laut der Mitteilung noch nicht fest. Lothar Matthäus spekulierte bei Sky im Anschluss an das Spiel gegen Köln über Markus Krösche. Dieser ist aktuell Sportvorstand von Pokalfinalist Eintracht Frankfurt.

Sky-Experte und Ex-Bayern-Spieler Didi Hamann ging nach der offenbar gefallenen Entscheidung hart mit dem Verein ins Gericht. "Das haben ein Salihamidzic und ein Kahn nicht verdient", erklärte Hamann bei Sky. "Das (die Entscheidung über die Entlassung, Anm.d.Red.) eine Minute nach der Meisterschaft durchzustecken, ist nicht bayernlike. Das, was sie heute gemacht haben, ist an Respektlosigkeit nicht zu überbieten. Das muss ja aus dem Verein kommen. Das ist dem FC Bayern unwürdig."

Matthäus wiederum äußerte Verständnis für die Entscheidung: "Es war klar, dass sich was verändern wird. Die beiden waren verantwortlich für alles, was passiert ist. Das Mia-san-mia-Gefühl ist überlebenswichtig für den FC Bayern und das ist verloren gegangen."

Auch Thomas Müller wurde unmittelbar nach Abpfiff von Sky über den Entscheidung informiert. Der Bayern reagierte überrascht: "Das kommt jetzt, eine Minute nach Abpfiff?" An Sky-Reporter Hellmann gewandt, ergänzte Müller vor Ironie triefend. "Guter Job von euch." Und schloss ab mit: "Ne, davon wusste ich bis jetzt nichts."

Laut "Sport1" soll sich Hasan Salihamidzic inzwischen in der Kabine von jedem einzelnen Spieler und Mitarbeitenden verabschiedet haben. Der FC Bayern plant demnach am Sonntag um 11:30 Uhr eine Pressekonferenz abzuhalten.

Bayern-Trainer Thomas Tuchel äußerte sich geschockt und überrascht über die Trennung des FC Bayern von Kahn und Salihamidzic. "Ich weiß es seit gestern. Die beiden waren maßgeblich verantwortlich, dass wir gemeinsam auf die Reise gegangen sind. Deswegen muss ich es jetzt auch erst verarbeiten", sagte Tuchel am Samstag im TV-Sender Sky nach dem 2:1 beim 1. FC Köln. "Statt zu feiern, haben wir jetzt das nächste Thema."

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