Niemand beim FC Bayern München bestreitet die gute Arbeit von Hansi Flick. Aus dem Co-Trainer von Niko Kovac ist ein erfolgreicher Chefcoach geworden. Trotzdem soll Flick vor Mai keine Gewissheit über seine Weiterbeschäftigung bekommen. Dann aber könnte es zu spät sein.

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Hans-Dieter Flick erfüllte sich bereits als 20-Jähriger den Traum von einem Engagement beim FC Bayern München. Flick gehört - wie auch sein Vorgänger im Trainer-Amt, Niko Kovac - zu den Wenigen, die vom deutschen Rekordmeister nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer für eine Verpflichtung für gut genug befunden worden sind.

Doch ob es für Flick über den 30. Juni 2020 hinaus beim FC Bayern München eine Zukunft geben wird, weiß der einstige Assistent des Bundestrainers Joachim Löw auch wenige Tage vor seinem 55. Geburtstag noch nicht.

Pläne von Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer

Die jüngsten Aussagen von Bayern-Präsident Herbert Hainer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge machen deutlich: Planungssicherheit sieht anders aus.

Rummenigge terminierte die Vertragsgespräche mit verdienten Spielern wie Thomas Müller, Manuel Neuer oder Jérôme Boateng für März, nach dem Achtelfinale in der Champions League gegen den FC Chelsea.

Hainer wiederum kündigte an, erst im Mai, also zwei Monate später, mit Flick über eine eventuelle Weiterbeschäftigung als Chefcoach zu sprechen.

Diese Zeitpläne würde zum einen bedeuten, dass Rummenigge den Bayern-Spielern zu den Vertragsgesprächen noch nicht sagen könnte, wer sie ab Sommer 2020 trainieren wird. Zum anderen könnte man daraus schließen, dass Flick - über dessen Weiterbeschäftigung erst nach den Gesprächen mit den Spielern entschieden wird - bei der Kaderplanung für 2020 offenbar keine maßgebliche Rolle spielt.

Der FC Bayern lobt zwar einerseits die Arbeit seines einstigen Spielers und Co-Trainers, traut sich andererseits aber nicht, sich unabhängig vom Ausgang der Saison zu ihm zu bekennen.

Dabei hat Flick es dank seines Umgangs mit dem Star-Ensemble offenbar geschafft, nach den Kabinen-Unruhen, die Carlo Ancelotti und Niko Kovac den Job kosteten, die Spieler hinter sich zu bringen.

"Wir haben mit ihm und in ihm einen Trainer, der gut zur Mannschaft passt", stellte Rummenigge bereits am ersten Advent 2019 fest. Der Verein sei mit Flicks Arbeit "sehr zufrieden", denn: "Unter ihm als Cheftrainer ist die sportliche Entwicklung hervorragend, sowohl was die Qualität unseres Spiels als auch die erzielten Ergebnisse betrifft."

Zu Weihnachten erfolgte die Verlängerung bis Sommer 2020

Quasi als Weihnachtsgeschenk erhielt Flick die Zusicherung, zumindest bis Saisonende weiterwirken zu dürfen. Unter Flick gewannen die Bayern von zwölf Bundesligaspielen neun und entthronten nach zuvor vier Punkten Rückstand Tabellenführer RB Leipzig.

David Alaba bekräftigte mehr als zwei Monate danach in einem Interview mit der Münchner "Abendzeitung", Flick habe "einfach an den richtigen Schrauben gedreht. Er hat es geschafft, den Schalter innerhalb kurzer Zeit umzulegen, sodass die Stimmung innerhalb der Mannschaft sehr gut ist und wir als Team wieder funktionieren, so Fußball spielen, wie wir es gewohnt sind."

Die gute Stimmung aber überträgt sich offenbar nur auf die Führungsetage, wenn Flick auch liefert. Bei den Bayern mehr noch als irgendwo sonst, bleibt der Fußball ein Ergebnissport. "Wir wollen erfolgreichen und bezaubernden Fußball spielen, so wie jetzt unter Hansi Flick", unterstrich Hainer. Noch wichtiger aber: "Wenn er weiter so gewinnt, dann gibt es keine Alternative."

Kurz nach Flicks Inthronisation Anfang November hatte das Meinungsforschungsunternehmen Civey die Frage nach dem langfristig besten Trainer für den FC Bayern München gestellt. Dabei landete Flick mit 21,3 Prozent auf Rang eins der genannten Namen - geschlagen nur von "einem anderen" Trainer.

Offen ist die Frage, wie viele Siege Flick landen muss, wie viele Trophäen und Pokale er zum Saisonende in die Vereinsvitrine gestellt haben muss, um an der Säbener Straße bleiben zu dürfen.

Noch ist das begehrte Triple aus dem Gewinn von Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League möglich. Doch nur einmal, 2013, gelang dem FC Bayern dieser außergewöhnliche Titel-Coup.

Reicht Flick angesichts der statistischen Unwahrscheinlichkeit des Titel-Dreiers also auch das sogenannte Double aus Meisterschaft und Pokal?

Andere Klubs haben Flick auf dem Zettel

Flick weiß also nicht, wo er ab dem 1. Juli 2020 arbeitet. Das könnte ihn beunruhigen, und einem Bericht der "Sport-Bild" zufolge soll er sich in diesem Schwebezustand auch nicht wohlfühlen. Erst recht nicht vor dem Hintergrund des Lobs, das ihm - nicht nur innerhalb des Klubs - zuteil wird.

Allerdings erscheint ausgeschlossen, dass Flick im Falle einer Absage seitens seiner Bayern-Bosse in der Saison nach der EM arbeitslos sein wird. Irgendwo als Cheftrainer angestellt zu sein, ist sein erklärtes Ziel.

Anfragen, wie die "Sport-Bild" erfahren haben will, lägen Flick bereits vor. Wenig verwunderlich, angesichts des Zögerns eines Vereins, der zwar Wertschätzung äußert, sie aber nicht in Tinte unter einem neuen Vertrag fixiert.

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