Schon zum Auftakt der Bundesliga lässt der FC Bayern im Meisterschaftsduell mit dem BVB Punkte liegen. Mancher Spieler ist sichtlich sauer. Wir erklären, warum der große Favorit gegen Hertha BSC nur unentschieden spielte.

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Natürlich war sie greifbar in der Allianz Arena: die Erleichterung über die (offensichtlich dringend benötigten) Top-Transfers.

Ivan Perisic wurde bereits ausgeliehen, Philippe Coutinho (FC Barcelona) wird "spätestens am Sonntag, Montag, in München erwartet", erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am späten Freitagabend nach dem 2:2 gegen Hertha BSC: "Wir leihen den Spieler für ein Jahr aus und haben anschließend eine Kaufoption."

FC Bayern: Joshua Kimmich ist angefressen

Und dann erzählte Hasan Salihamidzic in der Mixed Zone auch noch, dass der junge Gladbacher Michael Cuisance (20 Jahre) ebenfalls nach München kommt, ein hochtalentierter Allrounder fürs Mittelfeld. Doch bei den Spielern überwog der Frust, weil sie prompt zum Bundesliga-Auftakt zwei wichtige Punkte nicht geholt hatten. Und das, obwohl die Bayern über weite Strecken dominant waren, samt Ballbesitz von 60 Prozent.

Beinahe global transportiert beim FC Bayern Lautsprecher Joshua Kimmich die Unzufriedenheit an der eigenen Leistung. Und so eilte der deutsche Nationalspieler mit einem "heute nicht" frustriert an der Presse vorbei. Wir erklären, was gegen die Hertha schief lief:

Verlorene Zweikämpfe und Leichtsinnsfehler

Hertha BSC entschied 52 Prozent der Zweikämpfe für sich, teilweise war das Spiel sehr ruppig. Schon in der Anfangsphase zwang der Gegner die Bayern mit hohem Pressing zu Ballverlusten und Leichtsinnsfehlern.

So leistete sich ausgerechnet Ballartist Thiago, gegen Berlin eine Art Vorstopper vor der Viererkette, ungewohnte Abspielfehler. Einmal schlug der hochveranlagte Spanier einen Flankenball sogar auf die Westtribüne. Mittelfeldkollege Corentin Tolisso vertändelte den Ball sogar vor dem eigenen Sechzehner, was unbestraft blieb.

Probleme mit dem 4-3-3 von Niko Kovac

"Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht, nach dem 1:0 zwei super Umschaltmöglichkeiten gehabt, dann fangen wir uns so ein abgefälschtes Tor, bekommen direkt ein komisches zweites Tor hinterher, wo Benchy (Benjamin Pavard, d. Red.) einen Schlag ins Gesicht abbekommt", analysierte Abwehrhüne Niklas Süle das Unentschieden. Thomas Müller erklärte: "Das Spiel ist schwer zu greifen."

Sicherlich auch, weil das 4-3-3-System von Coach Niko Kovac gegen Hertha-Trainer und Kumpel Ante Covic nicht aufging. Weil Müller seiner Lieblingsbeschäftigung als Raumdeuter nachgehen durfte, mit vielen Freiheiten versehen, und Corentin Tolisso teils vergeblich versuchte, selbst ein Pressing zu forcieren, klafften Riesen-Lücken im Mittelfeld.

Genau aus solch einer Situation resultierte der Ausgleich durch Dodi Lukebakio (36. Minute), als der 21-jährige Belgier durch das Mittelfeld hindurch marschieren durfte.

Ante Covic stellt Niko Kovac vor Probleme

Vor dem Anpfiff herzten sich die Freunde Covic und Kovac, die beide in Berlin aufwuchsen und bei der Hertha fußballerisch groß wurden. Taktisch ging der jüngere Covic (43) als Sieger aus dem Duell mit dem Bayern-Trainer (47) hervor.

Nicht nur, dass er selbst ein riskantes Pressing anwandte. Als Absicherung installierte er Nationalverteidiger Niklas Stark (25) als eine Art freien Spieler, der mal Robert Lewandowski doppelte, mal in einer Fünferkette nach innen rückte, mal Tolisso beim Spielaufbau attackierte.

Als die Bayern Mitte der zweiten Halbzeit Chance um Chance vergaben, entschleunigte er das Spiel des Rekordmeisters, indem er kurzerhand mit Davie Selke und Alexander Esswein zwei neue Offensivspieler brachte und auf ein 4-3-3 umstellte, was den Berlinern wieder mehr Zugriff ermöglichte. Kovac dagegen konnte nicht mehr entscheidend eingreifen.

Thomas Müller: "Fühlt sich komisch an"

Die Erinnerungen an das Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool sind ebenso omnipräsent, wie die Erkenntnisse aus dem verlorenen DFB-Pokal-Finale 2018 gegen Eintracht Frankfurt (1:3). Die Anfälligkeit, die jeweils beobachtet wurde, zieht sich wie ein roter Faden durch: Der FC Bayern ist in der Umschaltbewegung bei Ballverlust verwundbar.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn die Gegner explosiv kontern, wird es brisant. So war es wieder gegen Hertha BSC, als Vedad Ibisevic den Ball fein über Süle hinweg chippte, Berlins Liverpool-Leihgabe Marko Grujic Torwart Manuel Neuer umkurvte und zur zwischenzeitlichen Führung für den Hauptstadt-Klub einschob (39.). Doppelpacker Robert Lewandowski (24./.60.) sicherte den Münchner immerhin noch einen Punkt.

"Wenn man sieht, welchen Aufwand wir betreiben, wie hoch wir mit der Kette spielen, natürlich ist es dann mal so, dass man mal einen einfachen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung hat, der heute direkt bestraft wurde. Wir haben heute gegen Hochgeschwindigkeitsspieler gespielt, waren trotzdem immer eins gegen eins hinten", meinte Süle.

Deutlicher wurde Boss Rummenigge. "Wir haben bei den zwei Gegentoren hinten nicht gut ausgesehen, das muss man fairerweise anmerken", sagte der 63-Jährige. Müller fasste das Spiel vielsagend zusammen: "Vom Gefühl her ist es erstmal eine riesige Enttäuschung. Fühlt sich bisschen komisch an."

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