Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Der Mann, den die deutsche Spitzenpolitik vor der US-Wahl 2016 so gar nicht wollte. Kanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett werden sich auf den Republikaner speziell einstellen müssen. Was bedeutet Trumps Wahlsieg für Deutschland?

Donald Trump wird US-Präsident: Aktuelle News und Reaktionen HIER im Live-Ticker

"Ich gratuliere Donald Trump zu seinem Wahlsieg. Der Wahlkampf in diesem Jahr war ein besonderer mit teils harscher Konfrontation." Angela Merkel ließ bereits in ihrem ersten Statement zur US-Wahl 2016 keinen Zweifel daran, dass sie dem kommenden amerikanischen Präsidenten Donald Trump die teils drastischen Attacken gegen ihre Person und ihre Flüchtlingspolitik nicht einfach vergessen wird. Doch die Diplomatie zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik ist mehr als mögliche Streitigkeiten zwischen Trump und Merkel.

Weiße wählten Trump - Frauen Clinton? Das Wahlverhalten der Amerikaner.

Die Kanzlerin (CDU) wird Nachsicht üben müssen und mit ihr viele deutsche Spitzenpolitiker, für die der Republikaner als US-Präsident ein Worst-Case-Szenario ist. Merkel wollte gerne mit Hillary Clinton zusammenarbeiten, jetzt muss sie es mit Trump tun. Doch geht das gut? Auf was muss sich Deutschland einstellen?

Von welchen Auswirkungen kann man schon jetzt ausgehen?

Schon jetzt ist klar: Will Trump nur Teile dessen umsetzen, was der 70-Jährige seinen Wählern versprochen hat, wird er vieles in Frage stellen, was sich Deutschland mühsam mit der Administration Barack Obamas erarbeitet hat. Ein konkretes Beispiel ist die Klimapolitik, in der sich Europa und die USA auf eine Reduzierung der CO2-Emissionen geeinigt hatten. Obama handelte aus, dass im Vergleich zu 2005 der Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken bis 2030 um 32 Prozent gesenkt werden soll. Diese Zielsetzung passt so gar nicht zu der von Trump anvisierten Stärkung der Kohle- und Stahlindustrie in den Staaten.

"Donald Trump hat während des Wahlkampfes kritische Worte über Deutschland gefunden", meinte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Wir müssen uns darauf einstellen, dass amerikanische Außenpolitik für uns künftig weniger vorhersehbar wird." Vielleicht sogar, dass Trump bestehende Verträge ignorieren oder eigenwillig interpretieren wird.

Maßgeblich hierbei ist, dass Trump durchregieren kann. So der gängige Begriff. Schließlich hat er die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses, im Senat und im Repräsentantenhaus – vorerst zumindest. "Natürlich hat er keine Erfahrung. Es wird auf seine Mannschaft ankommen, die ihn berät", erklärt Politikwissenschaftler und Merkel-Kenner Prof. Dr. Dr. Heinrich Oberreuter im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir müssen uns auf Turbulenzen einstellen."

Wähler verbinden mit Donald Trump Wunsch nach politischem Wandel.

Kann Merkel mit Trump – und umgekehrt?

Es ist zu erwarten, dass Trump versöhnlichere Worte anschlagen wird. So tat er es auch bei seiner ersten offiziellen Rede als Wahlsieger gegenüber Widersacherin Clinton, den Demokraten und den Kritikern in seiner eigenen Partei. Merkel muss mit Trump klarkommen. Der CDU-Chefin bleibt nichts anderes übrig. Sie selbst sagte in ihrer Rede, dass die USA der wichtigste Partner Deutschlands außerhalb Europas seien. "Die Kanzlerin hat den neuen Präsidenten daran erinnert, auf welchen Wertgrundlagen Politik in einer Demokratie funktioniert. Wobei er nicht daran erinnert werden müsste", sagt Oberreuter. "Schließlich haben wir unsere Wertgrundlagen aus der amerikanischen Revolution heraus."

Der zukünftige Präsident soll einst skandalösen Satz gesagt haben.

Welche Anforderungen stellt Trump an die deutsche Außenpolitik?

"Ich vermute, dass sich nicht radikal viel verändern wird. Trump wird in allen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Fragen Wert darauf legen, dass Europa zur Kasse schreitet", meint Oberreuter. Dieser Trend sei in der amerikanischen Politik aber schon länger zu beobachten. Oberreuter: "Erstens, dass wir wirtschaftspolitisch kooperativ sind. Das heißt im Klartext, zum Vorteil der amerikanischen Wirtschaft. Zweitens, dass Trump die Nato beim Thema Sicherheitspolitik mehr verpflichtet. Das wird die Zukunft bestimmen."

Wie sehr braucht Deutschland die USA - und umgekehrt?

"Wen das Volk der Vereinigten Staaten als Präsidenten wählt, hat Auswirkungen über die USA hinaus. Wer dieses große Land regiert, der trägt Verantwortung, die beinahe überall auf der Welt zu spüren ist", sagte Merkel. Sie biete ihm die Partnerschaft Deutschlands an, wenn er die Würde des Menschen unabhängig von politischer Einstellung, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung achte, erklärte sie. Für Trump dürfte es eine einseitige Partnerschaft zum Vorteil der Staaten sein, getreu seinem Wahlkampfslogan: "Make America great again!"

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Heinrich Oberreuter, Jahrgang 1942, lehrte unter anderem an den Universitäten Eichstätt, Dresden und München. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik, Vorsitzender der Diätenkommission des Bayerischen Landtags - und gilt als ausgewiesener Merkel-Kenner.