Bei "Maischberger" ging es am Mittwochabend (13. März) um die Lage im Ukraine-Krieg und den Aufstieg der AfD in Deutschland. Journalist Lars Sänger entlarvte eine Steilvorlage für Populisten und Armin Laschet zeichnete ein Szenario, bei dem die AfD die Demokratie destabilisieren könnte. Währenddessen schilderte eine Ukrainerin ihren Überlebenskampf in Mariupol und Robin Alexander äußerte sich zum Misstrauen des Kanzlers gegenüber der Ukraine.

Eine Kritik
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Am Donnerstag (14. März) stimmt der Bundestag über einen Unions-Antrag für eine sofortige Lieferung der Taurus-Marschflugkörper ab. Einiges deutet darauf hin, dass der Antrag Unterstützer aus den Reihen von FDP und Grünen finden könnte. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat derweil Konsequenzen für Abgeordnete gefordert, die entgegen der Koalitionslinie abstimmen.

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Das ist das Thema bei "Maischberger"

Bei Sandra Maischberger ging es um die Ukraine im dritten Kriegsjahr. Wie erleben die Menschen den Krieg vor Ort und wie sieht die Lage an der Front aus? Außerdem ging es um die Spaltung der Gesellschaft und den Aufstieg der AfD. Damit verbunden die Frage: Was gebietet der AfD Einhalt und was würde eine Regierungsbeteiligung bedeuten?

Das sind die Gäste

  • Armin Laschet (CDU): "Man hat manchmal den Eindruck: Jeder freut sich, wenn der andere mal schlecht dasteht", so der ehemalige Parteivorsitzende über die Ampel. In Bezug auf die deutsche Gesellschaft beobachtete er: "Die Debatten werden aggressiver." Social Media verstärke das. "Wenn man mit moralischer Überlegenheit argumentiert, wie wir das bei vielen Dingen getan haben, macht es die, die das anders sehen, noch aggressiver", so Laschet.
  • Katrin Eigendorf: Die Kriegsreporterin des ZDF sagte: "Ich nehme das Land an einem Tiefpunkt wahr. Es gibt kaum noch jemanden, der kein Opfer in seinem engen Umkreis hat." Die Ukraine habe nicht mehr genug Menschen, um an der Front zu kämpfen. An dieser Stelle frage man sich: "Was ist ein Ausweg aus dieser Situation?" Eigendorf sagte: "Die weiße Fahne wirkt auf Russland nicht."
  • Anna Zaitseva: Die Überlebende aus Mariupol berichtete über die 65 Tage, die sie verschanzt im Bunker des Asow-Stahlwerks verbrachte: "Wir hatten den klaren Gedanken gefasst, dass wir überleben müssen für unsere Kinder, dass die Kinder überleben müssen". Das sei die Hauptmotivation, Hunger, Kälte und Angst auszuhalten. Die 75 Personen im Bunker seien sehr unterschiedliche Charaktere gewesen, 65 Tage habe man das aushalten müssen und sei dem ausgeliefert gewesen. "Das wichtigste ist, seine Humanität und Menschlichkeit zu bewahren", so Zaitseva.
  • Petra Gerster: "Ich denke, dass unsere Demokratie heute gefestigter ist, als es je die Weimarer Demokratie war", war sich die Moderatorin und Autorin sicher. Die Verfassungshüter hätten aus 1933 gelernt. Ein Abschaffen der Demokratie in zwei Monaten, wie es damals geschah, sei durch verschiedene Bremsklötze heute wesentlich schwieriger.
  • Lars Sänger: Der Reporter des MDR meinte zu möglichen Einsparungen im Sozialen: "Das hat das Potenzial, zur Steilvorlage für Populisten zu werden. Dann heißt es am Ende: Guckt mal, für euch ist nicht mehr da, aber für neue Waffen schon."
  • Robin Alexander: "Der Bundeshaushalt ist schon ganz schön groß – 477 Milliarden", erinnerte der stellvertretende Chefredakteur der "Welt". Man könne daher in der Haushaltsdebatte überlegen, ob man Dinge finde, die man nicht erhöhen muss. "Das Ding ist gewachsen wie irre", befand er. An anderer Stelle war er sich sicher: "Scholz misstraut beim Taurus der Ukraine."
Maischberger
Lars Sänger (MDR-Journalist), Robin Alexander (stellvertretender "Welt"-Chefredakteur), Petra Gerster (langjährige Moderatorin der "heute"-Nachrichten) und Sandra Maischberger (v.l.n.r.) diskutieren über ein AfD-Verbot. © WDR/Oliver Ziebe

Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

Laschet reagierte auf das Argument, die AfD werde sich in einer Regierung selbst entlarven. Bei Hitler habe man auch angenommen, er habe keinen Einfluss. Der Rat "Lasst die doch mal machen", sei falsch. Man könne nicht mehr so schnell das Land übernehmen, aber es sei ein Szenario denkbar, bei dem zwei, drei Parteien in Ostdeutschland unter fünf Prozent fielen.

"Was bei SPD theoretisch, bei Grünen und FDP sicher möglich sein könnte", kommentierte Laschet. Dann könnte die AfD plötzlich eine Mehrheit haben und jemand wie Höcke Ministerpräsident werden. "Dann ernennt er und seine Regierung Staatsanwälte, Richter, hat über die Medienaufsicht Kontrolle, ist mit dem Innenminister zusammen Chef der Polizei", zählte Laschet auf. Die Botschaft laute: "Sie sollten an keiner Regierung beteiligt werden." Diesen Streit führe man nicht mit einem AfD-Verbot, sondern mit politischen Argumenten.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Sänger sprach über die anstehende erneute Abstimmung über Taurus-Lieferungen im Bundestag. "Ich erkenne eine große Gefahr, was die Außenwirkung und Außendarstellung angeht", sagte er. Es sei damit zu rechnen, dass es Abweichler gebe. Nach draußen entstehe dann das Bild, dass man wieder neuen Ampel-Zoff erzeuge. In die Bevölkerung könnte ausstrahlen: "Die sind sich nicht einig, da gibt es Zoff."

Gerster hakte ein: "Wäre das nicht eine Möglichkeit für den Bundeskanzler, diese Abstimmung dann mal freizugeben?", Alexander kommentierte direkt: "Dann verliert er sie." Gerster sah das anders und schüttelte den Kopf, doch Alexander hielt dagegen; wenn Scholz sie gewinne, dann nur mit der AfD und Linkspartei gegen die eigene Koalition. "Das wird er auf keinen Fall tun". Scholz gebe die Abstimmung nicht frei, weil er sie verlieren würde, so seine Analyse.

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Auf die erste Frage, die Maischberger an diesem Abend stellte, reagierte Journalistin Gerster so: "Es gibt leichtere Einstiegsfragen" und lachte. Die Frage hatte gelautet: "Welche Nachricht würden Sie innenpolitisch gerne verkünden?" Gerster antwortete mit dem Schließen von Steuerschlupflöchern. Den Rest der Sendung moderierte Maischberger wenig auffällig. Hängen blieb noch folgende Frage an Armin Laschet: "Haben Sie sich manchmal gedacht, gut, dass ich jetzt nicht Kanzler bin?"

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

Die Runde hielt an diesem Abend fest: Ein Verbotsverfahren der AfD sollte genau geprüft werden, denn der NPD hatte es in der Vergangenheit sogar genutzt. Weiteres Ergebnis: Die Taurus-Debatte ist zu stark verkürzt auf ein einzelnes Waffensystem und legt Putin jedes Argument offen – von der Anzahl der Taurus-Marschflugkörper bis zu den eigenen Grenzen. Eigendorf sagte außerdem: "Ich sehe im Moment nicht, dass die Ukraine diesen Krieg, so wie sie jetzt ausgestattet ist, noch gewinnen kann." Man müsse ein Momentum schaffen, Russland an den Verhandlungstisch zu bekommen.

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