Hoffenheim schlägt die Bayern überraschend deutlich. Das ist eine gute Nachricht für die Liga. Auf den FC Bayern wartet auf dem Weg zu weiteren großen Zielen noch viel Arbeit.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer

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Seit dem 7. Dezember 2019 hatte der FC Bayern in der Bundesliga nicht mehr verloren. Die TSG Hoffenheim beendete am Sonntag diese Serie. Und wie. Der 4:1-Sieg der Kraichgauer gegen den FC Bayern ist ein deutliches Signal an den Rest der Liga, dass der amtierende Champions-League-Sieger zu schlagen ist.

In München gibt es derweil erhöhten Gesprächsbedarf. Flick und Co. müssen an einigen Stellschrauben drehen, damit sich eine solche Pleite nicht wiederholt.

Bis zum frühen Sonntagnachmittag hätte die Saison des FC Bayern nicht besser laufen können. Der 8:0-Sieg gegen Schalke zum Auftakt und der späte Sieg im UEFA Supercup gegen Sevilla deuteten an, dass es auch in der Saison 20/21 einfach so weitergehen könnte wie in der Triple-Saison zuvor. Dazu patzte am Samstag die Konkurrenz. RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach gewannen ihre Spiele nicht und Dauerkonkurrent Dortmund blamierte sich sogar mit einer 0:2-Niederlage gegen Augsburg.

Hoeneß' glänzender Plan geht auf

Nutzen konnten das die Bayern nicht. Im Gegenteil. Hoffenheim hatte einen klaren Plan in der Tasche, um dem etwas müde wirkenden Rekordmeister richtig weh zu tun. Das Team des ehemaligen Münchner Nachwuchstrainers Sebastian Hoeneß bot dabei Anschauungsunterricht für die gesamte Liga. Mit gezielten langen Bällen auf den Flügel und schnellen Nachrückbewegungen hebelten die Hoffenheimer das gefürchtete Münchner Pressing immer wieder aus und setzten die FCB-Defensive so ständig unter Druck.

Bayern spielte zwar nicht schlecht, kam aber nie in seinen gewohnten Rhythmus aus hohen Ballgewinnen und schnellen Kombinationen am gegnerischen Strafraum. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmten immer wieder nicht. Dazu fehlte Präzision und Konzentration im Spiel mit dem Ball. Hoffenheim spielte stark und ließ am Ende sogar noch eine Reihe von hochkarätigen Torchancen liegen.

Bayern braucht noch Verstärkungen

Während Hoeneß' Plan gegen seinen Ex-Club durchaus als Blaupause für Bayerns zukünftige Gegner dienen könnte, müssen sich die Verantwortlichen beim Rekordmeister in den kommenden Tagen tief in die Augen schauen und einige schwierige Entscheidungen treffen. Natürlich könnte man diese empfindliche Niederlage nach Monaten des Erfolges als Ausrutscher abtun. Klug wäre das nicht. Denn schon vor dem Saisonstart gab es einige offene Fragen, die bis heute nicht beantwortet sind.

Bayerns Kader wirkt im Anbetracht der anstehenden Aufgaben mit drei Wettbewerben und der kräftezehrenden Klub-WM im Dezember recht dünn. Seit Hansi Flick zum letzten Mal öffentlich mit Nachdruck Verstärkungen gefordert hat, kam kein Spieler hinzu. Dafür ging mit Thiago ein Schlüsselspieler, der nicht ein zu eins im Kader zu ersetzen ist.

Aktuell liegt viel Last auf Leistungsträgern wie Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Robert Lewandowski oder Thomas Müller. Vom Ziel, jede Position annähernd gleichwertig doppelt besetzt zu haben, ist der FC Bayern aktuell ein gutes Stück entfernt. Bleibt der Kader so, wie er aktuell ist, gibt es kaum Rotationsmöglichkeiten ohne erheblichen Qualitätsverlust.

Voller Terminkalender ein Faktor für Bayern

Robert Lewandowski, der gegen Hoffenheim zunächst auf der Bank begann, sprach schon nach den 120 Minuten im Supercup am Donnerstag augenzwinkernd davon, dass die Mannschaft eigentlich fünf Tage Regeneration in der Eistonne gebrauchen könnte. Zumindest phasenweise war ihr das gegen Hoffenheim auch anzumerken.

Als Mannschaft, aber auch im Anbetracht der Schwierigkeiten mancher Einzelspieler. David Alaba erwischte einen schwachen Tag mit zahlreichen Fehlpässen. Auch Corentin Tolisso und Alphonso Davies überzeugten nicht.

Die Münchner Verantwortlichen um Hasan Salihamidzic haben noch wenige Tage Zeit die Mannschaft zu verstärken. Flick fordert das seit Wochen. Seine Argumente sind durch das 1:4 nochmal deutlich stärker geworden.

Findet Flick einen Plan B?

Doch auch Flick und sein Trainerteam haben Aufgaben zu lösen. Er braucht einen Plan B für das Spiel seiner Mannschaft. So erfolgreich das Hochgeschwindigkeitspressing der vergangenen Monate war, es ist über eine volle Saison nur schwer durchzuhalten. Das war auch gegen Hoffenheim zu sehen.

Fehlen nur ein paar Prozent Intensität und Präzision entstehen sofort Lücken zwischen den Mannschaftsteilen, die am Ende das gesamte Gebilde ins Wanken bringen können. Bayern braucht Phasen mit mehr Ballbesitz und Ruhe im Spiel. Es ist ein schwieriger Balanceakt: Intensität rauszunehmen und gleichzeitig die Mannschaft ihrer Stärken nicht zu berauben.

Viel Arbeit also für Flick und Co., die mit dem nationalen Supercup am Mittwoch, dem anstehenden Duell gegen Hertha in der Liga und der sich nähernden Transferdeadline nur sehr wenig Zeit für dringend notwendige Korrekturen haben.

Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors / der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.
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