• 22:08 Uhr: ➤ Wagner-Chef ruft zum Kampf gegen Moskaus Militärführung
  • 21:35 Uhr: Vom Kriegsdienst freikaufen: Selenskyj schimpft auf Korruption
  • 16:41 Uhr: Kiew gibt Westen Schuld an geringem Tempo der ukrainischen Offensive
  • 14:13 Uhr: Geheimdienst: Russland richtet vor der Krim angeblich Kampfdelfine ab
  • 13:05 Uhr: Zwei Tote durch russischen Beschuss im Flutgebiet in Cherson gemeldet
  • 11:21 Uhr: Ukraine meldet Abschuss von 13 russischen Marschflugkörpern
  • 9:55 Uhr: Rheinmetall liefert weitere 20 Schützenpanzer an die Ukraine
  • 9:01 Uhr: Modi und Biden pochen auf "territoriale Integrität" der Ukraine

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➤ Wagner-Chef ruft zum Kampf gegen Moskaus Militärführung

  • 22:08 Uhr

Der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, hat Moskaus Militärführung einen Angriff auf seine Söldner-Einheiten vorgeworfen und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Wagner-Lager im Hinterland mit Artillerie, Hubschraubern und Raketen angreifen lassen, sagte Prigoschin in einer am Freitag von seinem Pressedienst auf Telegram verbreiteten Sprachnachricht. Er habe 25.000 Männer unter Befehl, die nun aufklären würden, warum solch eine Willkür im Land herrsche. "Wer versucht, uns Widerstand zu leisten, den werden wir als Bedrohung betrachten und sofort töten", drohte Prigoschin. Das russische Verteidigungsministerium bestritt einen Angriff.

Prigoschins Angaben nach ist Schoigu extra an die nahe der ukrainischen Grenze gelegene Millionenstadt Rostow-am-Don gekommen, um die Operation zur Vernichtung Wagners zu leiten. "Um 21.00 Uhr ist er geflohen - feige wie ein Weib - um nicht zu erklären, warum er Hubschrauber hat abheben und Raketenschläge durchführen lassen, um unsere Jungs zu töten. Dieses Biest wird aufgehalten", so Prigoschin. Er sprach von einer "großen Anzahl" an Toten, nannte aber keine genaue Zahl der angeblich bei dem Schlag getöteten Söldner.

Das Verteidigungsministerium hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. Alle Anschuldigungen seien falsch und eine "Provokation", hieß es in einer am Abend verbreiteten Erklärung des Ministeriums. Zwischen Prigoschin und der Moskauer Militärführung herrscht seit Monaten ein sich stetig zuspitzender Konkurrenzkampf.

Der russische Geheimdienst FSB ermittelt inzwischen gegen Söldnerchef Jewgeni Prigoschin wegen versuchten Militärputsches. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Präsident Wladimir Putin sei über den Fall informiert. (dpa)

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Die Lage im Überblick

Seit 24. Februar 2022 führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat in Zweifel gezogen und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine anerkannt.

Die ukrainische Armee wehrt sich seitdem nach Kräften gegen die Invasoren. Auf beiden Seiten gibt es Berichten zufolge Tausende Tote. Wie viele Soldaten und Zivilisten bereits starben, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Fakt ist: Die humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich mit jedem Tag zu.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat inzwischen mehr als 5,9 Millionen ukrainische Flüchtlinge in Europa registriert (Stand: 6. Juni). Die Flüchtenden sind vor allem Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land in den meisten Fällen nicht verlassen dürfen.

Die EU und die USA reagierten mit Sanktionen. Außerdem liefern sie der Ukraine Waffen, auch Deutschland unterstützt das Land mit Waffenlieferungen. Auch Gepard-Panzer hat die Ukraine aus Deutschland erhalten. (dpa)

Die weiteren Nachrichten zum Krieg in der Ukraine vom 23. Juni

Vom Kriegsdienst freikaufen: Selenskyj schimpft auf Korruption

  • 21:35 Uhr

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Londoner Konferenz für den Wiederaufbau seines Landes im Nachgang als Erfolg bezeichnet. Es gebe langfristige Hilfsprogramme von westlichen Staaten und die Ukraine werde zunehmend als künftiges EU-Land wahrgenommen, lobte er am Freitag in seiner täglichen Videoansprache. Zudem sei es auch gelungen, neben staatlichen Akteuren Konzerne zu beteiligen. "Etwa 500 globale, starke Unternehmen sind an Investitionen in der Ukraine interessiert", sagte Selenskyj.

Kritik übte der ukrainische Staatschef nach einem Bericht über einen Korruptionsskandal beim eigenen Militär. Nachdem die "Ukrajinska Prawda" über einen ranghohen Kreiswehrersatzbeamten berichtete, der sich in Spanien Immobilien gekauft haben soll – mutmaßlich mit Bestechungsgeldern – hatte Selenskyj am Freitag dessen Entlassung angeordnet. In seiner Videobotschaft nahm er den Skandal nochmals auf und forderte eine grundsätzliche Überprüfung des Systems der Rekrutierung in der Ukraine.

Wegen des russischen Angriffskriegs sind alle Ukrainer zwischen 18 und 60 Jahren grundsätzlich wehrpflichtig. Viele Männer kaufen sich aber von dieser Pflicht bei Militärärzten und den Kreiswehrersatzämtern mit falschen Bescheinigungen frei. (dpa)

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Kiew gibt Westen Schuld an geringem Tempo der ukrainischen Offensive

  • 16:12 Uhr

Die politische Führung in Kiew hat die bisher geringen Fortschritte der ukrainischen Gegenoffensive mit dem Zögern des Westens bei Waffenlieferungen erklärt. "Die bei der Überzeugung der Partner verlorene Zeit, die notwendigen Waffen zu liefern, spiegelt sich im konkreten Ausbau russischer Befestigungen wider", schrieb der Berater im Präsidentenbüro, Mychajlo Podoljak, am Freitag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Russen hätten sich tiefer eingegraben und ein System von Minenfeldern angelegt.

Ein Durchbrechen der russischen Frontlinien erfordere nun einen "klugen und überlegten Ansatz". "Das Leben des Soldaten ist der höchste Wert für die Ukraine", unterstrich Podoljak. Der reale Krieg sei kein Blockbuster aus Hollywood. Die Militärführung würde sich daher bei ihrem Vorgehen nicht auf die "Fans auf den Tribünen" stützen, sondern auf die "Militärwissenschaft und den Verstand".

Vor etwa drei Wochen begann die ukrainische Armee ihre lang erwartete Offensive gegen die vor knapp 16 Monaten einmarschierten russischen Truppen. In dieser Zeit sind Kiewer Angaben nach in der Südostukraine acht Dörfer und rund 113 Quadratkilometer befreit worden. Medienberichten zufolge erlitten beide Seiten hohe Verluste an Menschen und Material. Kiew strebt eine Rückeroberung aller seiner Gebiete in den Grenzen von 1991 an. (dpa)

Karte mit militärischer Lage in der Ukraine. © AFP

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Geheimdienst: Russland richtet vor der Krim angeblich Kampfdelfine ab

  • 14:13 Uhr

Russland richtet auf der annektierten Halbinsel Krim nach britischen Angaben Delfine ab, die im Kampf gegen die Ukraine eingesetzt werden könnten. Bildmaterial zeige, dass sich im Hafen des Schwarzmeerflottenstützpunkts Sewastopol die Anzahl schwimmender Säugetiere - vermutlich Tümmler - seit vergangenem Jahr fast verdoppelt habe, erklärte das britische Verteidigungsministerium Freitag. Die Tiere seien "wahrscheinlich dafür gedacht, feindliche Taucher abzuwehren".

Dem Bericht zufolge hat die russische Marine seit vergangenem Jahr massiv in die Sicherheit des Stützpunkts auf der bereits 2014 von Russland annektierten Halbinsel investiert und die Hafeneinfahrt der Stadt mit "mindestens vier Schichten Netzen und schwimmende Absperrungen" gesichert.

Bereits zuvor habe die russische Marine Belugawale und Robben für verschiedene Missionen in arktischen Gewässern eingesetzt, hieß es weiter. So tauchte etwa ein Wal, der 2019 in Norwegen gesichtet worden war, im vergangenen Monat vor der schwedischen Küste wieder auf. Es gab Spekulationen, ob das Tier von Russland zu Überwachungszwecken eingesetzt werde. Die Norweger tauften den Wal "Hvaldimir" - "Hval" heißt auf Norwegisch "Wal", die Endung "imir" ist eine Anspielung auf dessen mutmaßliche Verbindung zu Russland.

Auf der Krim befand sich seit 1965 ein Trainingszentrum für Meeressäuger. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 wurde das Zentrum geschlossen und die Delfine an den Iran verkauft, wie russische Medien berichteten. Die ukrainische Marine hatte das Zentrum 2012 wiedereröffnet - nach der Annexion der Halbinsel fiel es unter die Kontrolle Moskaus.

Sowohl die Sowjetunion als auch die USA setzten während des Kalten Krieges Delfine ein. Die Meeressäuger wurden darauf abgerichtet, U-Boote und Minen aufzuspüren und verdächtige Objekte oder Personen in der Nähe von Häfen und Schiffen zu erkennen. (dpa)

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Zwei Tote durch russischen Beschuss im Flutgebiet in Cherson gemeldet

  • 13:05 Uhr

In der südukrainischen Stadt Cherson sind laut dortigen Behörden mindestens zwei Mitarbeiter eines städtischen Transportunternehmens durch russischen Beschuss getötet worden. Vier weitere Menschen seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, wie die Militärverwaltung am Freitag auf Telegram berichtete. Die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets Cherson kämpft unter andauernden russischen Angriffen seit Wochen mit den Flutfolgen nach der Zerstörung des nahe gelegenen Kachowka-Staudamms.

Der Damm in der von russischen Truppen besetzten und unmittelbar an der Front gelegenen Stadt Nowa Kachowka war am 6. Juni zerstört worden. Daraufhin strömten riesige Wassermassen aus dem angrenzenden Stausee aus. Viele Orte wurden überschwemmt. Die Ukraine, die sich seit 16 Monaten gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt, ist überzeugt, dass Russland das Bauwerk absichtlich gesprengt hat. Auch viele internationale Experten halten das für wahrscheinlich. Moskau dementiert den Vorwurf.

Die russischen Besatzer sprachen zuletzt von 46 Toten auf der Südseite des Flusses Dnipro. Da es kaum unabhängige Informationen aus dem okkupierten Gebiet gibt, werden dort allerdings deutlich mehr Opfer befürchtet. Auf der ukrainisch kontrollierten Seite starben offiziellen Angaben zufolge bislang mindestens 21 Menschen, 5 davon durch russischen Beschuss.

Alleine am Donnerstag schlugen laut Militärverwaltungs-Chef Olexander Prokudin 26 Mal russische Geschosse in der Stadt ein. Sieben Menschen seien dabei verletzt worden. (dpa)

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Ukraine meldet Abschuss von 13 russischen Marschflugkörpern

  • 11:21 Uhr

Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge bei russischen Angriffen in der Nacht 13 Marschflugkörper über dem Westen des Landes abgefangen. "13 Marschflugkörper des Besetzers wurden am 23. Juni zerstört (...). Die Attacke richtete sich gegen einen Militärflugplatz in der Region Chmelnyzkyj", teilte die ukrainische Luftwaffe am Freitag in einem Onlinedienst mit.

"Die Abschüsse erfolgten gegen Mitternacht von vier Bombern vom Typ TU-95MS vom Kaspischen Meer aus", hieß es weiter. Der Bürgermeister von Chmelnyzkyj berichtete von mehreren Explosionen in der Stadt und lobte das ukrainische Luftabwehr-System. Ukrainischen Streitkräfte zufolge wurde zudem eine russische Aufklärungsdrohne abgeschossen.

Kiew hatte seine Luftabwehr mit westlicher Hilfe aufgestockt, nachdem Russland das Land verstärkt mit Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen hatte. (afp)

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Rheinmetall liefert weitere 20 Schützenpanzer an die Ukraine

  • 9:55 Uhr

Der Rüstungskonzern Rheinmetall liefert weitere Schützenpanzer an die Ukraine. Im Auftrag der Bundesregierung sollten insgesamt 20 Schützenpanzer des Typs Marder auf den Weg gebracht werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Auslieferung soll noch in diesem Sommer erfolgen. Das Auftragsvolumen liege im unteren zweistelligen Millionenbereich.

Unternehmensangaben zufolge hatte der Düsseldorfer Rüstungskonzern bereits im März die ersten von der Regierung beauftragten 20 Schützenpanzer für die Ukraine auf den Weg gebracht. Weitere 20 Schützenpanzer erhielt die Ukraine direkt aus Beständen der Bundeswehr.

Über die bisher beauftragten Marder hinaus kann der Konzern demnach weitere 60 Marder verfügbar machen. Bei den Fahrzeugen handle es sich um überholte Marder aus ehemaligen Beständen der Bundeswehr.

In einem Ringtausch-Verfahren erhält zudem Griechenland insgesamt 40 Marder-Schützenpanzer von dem Düsseldorfer Konzern. Auch diese sollen im Sommer ausgeliefert werden. Bei den Ringtausch-Verfahren geben Nato-Partner Panzer sowjetischer Bauart an die Ukraine ab, Deutschland sorgt im Gegenzug für modernen Ersatz. (afp)

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Modi und Biden pochen auf "territoriale Integrität" der Ukraine

  • 9:01 Uhr

US-Präsident Joe Biden und der indische Premierminister Narendra Modi haben bei einem Treffen in Washington auf die territoriale Integrität der Ukraine gedrungen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten Biden und der zu einem Staatsbesuch in die USA gereiste Modi am Donnerstag mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, es müssten "internationales Recht, die Prinzipien der UN-Charta und territoriale Integrität und Souveränität" respektiert werden.

Modi, der sich Bemühungen westlicher Staaten für eine internationale Isolierung Russlands widersetzt hat, beteuerte zudem bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Biden im Weißen Haus, er wolle sich für einen "Frieden" in der Ukraine einsetzen. "Seit Beginn der Ereignisse in der Ukraine hat Indien einen Schwerpunkt auf die Lösung von Streitigkeiten, auf Dialog und Diplomatie gesetzt", sagte Modi. "Wir sind absolut bereit, auf jede uns mögliche Weise einen Beitrag zu leisten, den Frieden wieder herzustellen."

Indien lehnt es bislang ab, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine klar zu verurteilen. Das Land kauft vielmehr in großem Umfang russisches Erdöl und verhilft Russland damit zu wichtigen Finanzmitteln. (afp)

Mit Material von dpa und AFP

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