Klimawandel, die neuen SPD-Vorsitzenden und Thomas Gottschalks Umgang mit dem Älterwerden waren die bestimmenden Themen bei "Maischberger. Die Woche". Dabei lagen die Gastgeberin und der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert im Clinch. Und TV-Legende Gottschalk gab ein pikantes Detail Preis.

Eine Kritik
von Thomas Fritz, Freier Autor

Alles andere war eigentlich nur Vorgeplänkel. Der entscheidende Moment bei "Maischberger. Die Woche" kam, als sich der Vorsitzende des SPD-Parteinachwuchses Kevin Kühnert nach rund einer halben Stunde von seinem Zuschauerplatz aufs Podium bewegte

Dort gab der "Königsmacher" der neuen SPD-Spitze seine Meinung zum Zustand der Partei, zu den designierten Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sowie zu Vize-Kanzler Olaf Scholz zu Protokoll.

Achja, über Greta Thunberg diskutierten die drei Experten, die ARD-Moderatorin Susan Link, der Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen und TV-Moderator und Buchautor Peter Hahne auch noch.

Am Ende der Sendung erzählte Thomas Gottschalk ("Wetten, dass!?") launisch und witzig vom Älterwerden und nahm auch sonst kein Blatt vor den Mund. Donald Trump - wenn er Deutsch verstehen würde - und Dieter Bohlen wären jedenfalls nicht amüsiert gewesen...

Norbert Walter-Borjans, Saskia Esken und die "kleinen Wichte"

Bevor Kevin Kühnert den Ist-Zustand der SPD erklären durfte, gaben die drei Experten ihre Meinung zum Besten. Moderatorin Susan Link nahm das neue Führungsduo gegen Vorwürfe in Schutz, sie hätten zu wenig Erfahrung für den Job. "Es wird immer so getan, als ob die beiden bisher nur Kreuzworträtsel gelöst hätten."

Peter Hahne rechnete nicht damit, dass Walter-Borjans und Esken den Hebel für die SPD herumreißen werden. Allerdings zeigte sich der als konservativ geltende Hahne von Juso-Chef Kühnerts jugendlichem Elan begeistert. "Als ich damit anfing Willy Brand zu interviewen", sagt er fast großväterlich, "haben Ihre Eltern noch nicht mal damit gerechnet, dass sie heiraten und ein Kind bekommen."

Schröder und Nahles nur "kleine Wichte" im Vergleich zu Kühnert

Journalist Markus Feldenkirchen nannte das SPD-Spitzentandem "gemessen an Olaf Scholz (…) natürlich kleine Lichter". Aber sie haben aus seiner Sicht einen Vorteil: "Sie stehen nicht für 20 Jahre Olaf-Scholz-SPD."

Im Gegensatz dazu fiel Feldenkirchens Urteil über Kevin Kühnert milder aus. Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles und Altkanzler Gerhard Schröder seien als Juso-Vorsitzende im Vergleich zu Kühnert "kleine Wichte" gewesen. Der 30-Jährige gilt als Königsmacher von "Nowabo" und Esken, denn er hatte offen für das linke und GroKo-kritische Paar geworben.

Bewahrheitet sich die Prognose von Markus Feldenkirchen, dann läuft die neue Spitze allerdings Gefahr "zu einer riesigen Enttäuschung zu werden". Der Grund: Die Entscheidungsgremien der SPD wie der Parteivorstand, die Bundestagsfraktion und die Ministerriege werden von Anhängern des unterlegenen Duos dominiert.

Kühnert: Olaf Scholz muss nicht den Platz verlassen

Der Juso-Chef als neuer starker Mann und Strippenzieher der SPD? Dieses Bild gefiel dem 30-Jährigen – zumindest offiziell – überhaupt nicht. Er habe die Wahl Walter-Borjans und Eskens nicht alleine geschafft, "sondern das hat über 120.000 Mitglieder gebraucht", sagte Kühnert. Er widersprach auch der Vermutung, es habe einen Deal gegeben nach dem Motto: Ich mache euch zu den Vorsitzenden, dafür will ich eure Unterstützung bei meiner Kandidatur als Partei-Vize.

Kühnert hob hervor, dass am Niedergang der SPD in den letzten 15 Jahren "eine gewisse Gruppe von Funktionären ihren Anteil hatte". Ein klarer Seitenhieb auf Vizekanzler Olaf Scholz, Ex-Parteichefin Andrea Nahles oder Arbeitsminister Hubertus Heil. Zu Scholz sagte Kühnert: Er habe sich ums Kapitänsamt beworben und verloren, "deshalb muss er aber nicht den Platz verlassen." Soll heißen: Scholz kann aus einer Sicht Vizekanzler bleiben, was Maischberger süffisant mit "großzügig" kommentierte.

In Sachen GroKo-Zukunft wollte sich Kühnert – zwei Tage vor Beginn des SPD-Parteitags – nicht festnageln lassen. Der Parteitag müsse über das weitere Vorgehen entscheiden. Der Juso-Boss wies aber darauf hin, dass sein jüngstes Zitat aus der Rheinischen Post ("Wer eine Koalition verlässt, gibt einen Teil der Kontrolle aus der Hand") in anderen Medien im falschen Kontext wiedergegeben worden sei. Kühnert sah darin keine Relativierung seiner GroKo-Kritik und bekannte sich klar zu seiner Ablehnung des Bündnisses.

Das Rededuell des Abends

Nicht nur innerhalb der SPD und der GroKo wird aktuell gestritten, auch Sandra Maischberger und Kevin Kühnert bekamen sich in die Wolle. "Jetzt tun Sie so, als ob sie nie gewollt hätten, dass die Große Koalition aufhört", wunderte sich Maischberger. "Nein, ich tue nicht so. Sie legen mir Sätze in den Mund, denen ich widerspreche, weil es falsch ist", entgegnete der Juso-Vorsitzende leicht erregt. "Wir sind zwei Tage vor einem wichtigen Parteitag. Wir können hier nicht so ein Heititei daraus machen. Es tut mir leid."

Greta Thunberg und ihre "Religion"

Peter Hahne, der gerade von eine USA-Reise zurückgekehrt ist, begann seinen Redebeitrag zum Klimaschutz mit einem Witz. Ob er auch darüber nachgedacht habe wie Greta Thunberg nach Europa zu segeln, fragte Maischberger. Hahne: "Da ich als Christ noch eine andere Möglichkeit habe, wäre ich lieber übers Wasser gegangen."

Als er dann seine ausführliche Meinung zu der Klimaaktivistin äußerte, fand das der versteinert blickende Markus Feldenkirchen nicht mehr witzig. "Wir erleben gerade eine Religion", meinte Hahne. "Eine Religion mit nichts anderem als fundamentalistischen Ansätzen, gegen die man gar nicht mehr so frei argumentieren kann, ohne bepöbelt zu werden." Das gelte natürlich nicht für diese Sendung, schränkte er ein.

Feldenkirchen sah Thunberg in einem anderen Licht. "Wir können heilfroh sein, dass es Greta gibt", sagte der Journalist. Sie habe in weiten Teilen ein Bewusstsein geschaffen, dass vorher nicht da war. "Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage", fügte er hinzu.

Thomas Gottschalk über das Älterwerden und Sex mit fast 70

Am Ende der unterhaltsamen Ausgabe von "Maischberger. Die Woche" gab der frühere "Wetten, dass!?"-Moderator Thomas Gottschalk ein seltenes Stelldichein im deutschen Fernsehen. Gottschalk schreibt in seinem Bestseller "Herbstbunt" übers Älterwerden und Jungbleiben. Über Alkohol- und Intervallfasten, seine Workouts und acht Pillen am Tag. Gottschalk (69), der locker als Mitte 50 durchgehen würde, investiert einiges für die Gesundheit. "Es geht mir besser als der Nato. Hirntot bin ich nicht", sagte die TV-Legende schlagfertig wie eh und je.

Durchaus beeindruckt zeigte er sich von Kevin Kühnert. "Ein junger Kerl, der weiß, was er will, der hat eine Vision." All das vermisst Gottschalk bei einigen älteren Kollegen in der Politik.

Was er alles für gutes Aussehen machen würde, wollte Maischberger dann wissen. Alles, was weh tut, lehnt Gottschalk ab, auch Spritzen jeder Form. "Am Ende ende ich wie Bohlen", lästerte er, "das kann nicht sein". Auch zu US-Präsident Donald Trump hatte der Freund von Trump-Kritiker Arnold Schwarzenegger einen frechen Spruch auf Lager. "Würde und Trump – das passt nicht zusammen."

Und Sex im Alter? "Ich hab' mal kurz Pause gemacht, dann habe ich gesagt: Ach komm." Ob das mit seiner neuen Lebensgefährtin Karina Mroß (57) zusammenhängt? Am Ende fragte Sandra Maischberger den fast 70-Jährigen, ob er Angst habe, dass da oben (im Kopf – Anm. d. Red.) irgendwann nicht mehr alles in Ordnung sei. "Es war ja nie alles in Ordnung", meinte Gottschalk gewohnt selbstironisch.

Das Interview machte der Gastgeberin sichtlich Spaß – und auch die Zuschauer freuten sich, dass der gebürtige Bayer in Sachen Schlagfertigkeit noch ganz der Alte ist.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Insgesamt war das ein kurzweiliger Mittwochs-Talk mit einem spannenden Themen-Mix und gut aufgelegten Gästen. Vom kurzzeitig genervten Juso-Chef Kevin Kühnert mal abgesehen. Aber der steht kurz vor dem SPD-Parteitag ja auch mächtig unter Strom.