• Armin Laschets Zeit in Nordrhein-Westfalen geht zu Ende. Mit Hendrik Wüst steht sein Nachfolger schon bereit.
  • Wüst soll Laschet in gleich drei Ämtern beerben: als Ministerpräsident von NRW, als Vorsitzender der NRW-CDU und als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2022.
  • Wer ist der Mann, dessen Karriere vor einigen Jahren schon einmal zu Ende schien?
Ein Porträt

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Am Tag nach der für seine Partei desaströsen Bundestagswahl hat Armin Laschets designierter Nachfolger in Nordrhein-Westfalen durchblicken lassen, welche Union er sich wünscht: Hendrik Wüst - 46 Jahre alt, katholisch, verheiratet, Vater einer wenige Monate alten Tochter - twitterte eine Grafik, auf der zu erkennen war, dass die Union Wähler an SPD und Grüne verloren hatte. Er schrieb: "Bei diesen Wählerwanderungen sollte niemand auf die Idee kommen, die Union nach rechts rücken zu wollen."

Hendrik Wüst hat nur wenige Monate bis zur Landtagswahl

Wüst positioniert sich als Mann der Mitte. Er hat, im Gegensatz zum eher liberalen Armin Laschet, einen konservativ-wirtschaftsliberalen Hintergrund. Das hielt wiederum Laschet nicht davon ab, von "Kontinuität" zu sprechen, als er Wüst als seinen Nachfolger präsentierte.

Wüst folgt Laschet auf insgesamt drei Positionen: Als Landeschef der Partei soll er am 23. Oktober bestätigt werden. Nur weniger Tage später, am 27. Oktober, soll dann seine Wahl zum Ministerpräsidenten im Landtag erfolgen. Dann könnte er als Spitzenkandidat der NRW-CDU in die Landtagswahl am 22. Mai 2022 gehen.

Rasanter Aufstieg in jungen Jahren

Wüst hat einen rasanten Aufstieg in der NRW-CDU hingelegt: Schon als Jugendlicher engagiert er sich im Ortsverein der Jungen Union in seiner Geburtsstadt Rhede im Münsterland. Er tritt 1992 in die CDU ein und ist von 1994 bis 2009 als Stadtverordneter im Rat der Stadt Rhede tätig. Ab 2000 leitet er als Landesvorsitzender die Junge Union NRW, den mit 35.000 Mitgliedern damals stärksten Nachwuchsverband.

Im Jahr 2005 gelingt ihm der Einzug in den Landtag Nordrhein-Westfalens. Nur ein Jahr später wird er mit einer neuen Position belohnt. NRW-CDU-Chef Jürgen Rüttgers befördert den damals 30-Jährigen zum Generalsekretär. Die Wahl fiel damals unter anderem auf ihn, weil er als Landtags-Neuling mit Debattenbeiträgen im Parlament aufgefallen war und dabei stets kompromisslos Partei für den Rüttgers-Kurs ergriffen hatte.

Als Generalsekretär fällt er mit schneidiger Rhetorik auf

Als Generalsekretär muss Wüst eine Koalition mit der FDP koordinieren – mit dem damals erst 27-jährigen Generalsekretär der Liberalen, Christian Lindner. Dieser ist nun Parteichef und wird womöglich als Teil der ersten Ampel-Koalition im Bund weiter Karriere machen. Für Wüst ging es zunächst ähnlich steil bergauf.

Der junge Generalsekretär ist Hoffnungsträger des konservativen Flügels der CDU und drängt durch seine mitunter schneidige Rhetorik in den Vordergrund. Im Jahr 2007 verfasst er unter anderem gemeinsam mit Markus Söder ein Positionspapier unter dem Titel "Moderner bürgerlicher Konservativismus", das in der FAZ dokumentiert wird und eine konservativere Ausrichtung der CDU fordert.

Jäher Fall in der Rent-a-Rüttgers-Affäre

Aber schon bald stockt die Karriere. Ende des Jahres 2009 sieht sich Wüst mit Vorwürfen konfrontiert, er habe unzulässige Zuschüsse zu seiner privaten Krankenversicherung erhalten. Ein Fehler, den er durch Rückzahlung des Geldes und einem schnellen Fax an die Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU), aus dem der Tagesspiegel zitiert, ausbügelt: "Ich bedauere dies sehr und habe diesen Fehler korrigiert."

Im Jahr 2010 endet der rasante Aufstieg Wüsts dann endgültig. Laut einem Bericht des Spiegels konnten Unternehmer für Geld ein vertrauliches Gespräch mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers buchen. Der Hörfunk des WDR berichtet wenig später, dass diese Praxis schon seit Herbst 2004 bestand und Firmen gegen Zahlung von 14.000 Euro auf einem CDU-Kongress mit Rüttgers reden konnten.

Armin Laschet sorgt für Hendrik Wüsts Comeback

Die sogenannte Rent-a-Rüttgers-Affäre war ein wesentlicher Grund für den Wahlsieg der SPD-Kandidatin Hannelore Kraft wenige Wochen später. Daran hatte auch der Rücktritt Wüsts zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl nichts mehr ändern können. Der damals unter scharfem Beschuss stehende Generalsekretär hatte damit die politische Verantwortung für die Affäre um die bezahlten Sponsoren-Gespräche übernommen.

Nach seinem Rücktritt vermeidet Wüst die lauten Töne, arbeitet unter anderem als Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes NRW. Er bleibt Abgeordneter im Landtag, ist von 2010 bis 2017 als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion tätig und wird 2013 Chef der Mittelstandsvereinigung der NRW-CDU. Im Sommer 2017 schließlich dann das Comeback: Armin Laschet macht Wüst zum Verkehrsminister im Stau-Land Nummer eins.

Hendrik Wüst: "Müssen uns trauen, den Zeitgeist zu prägen"

Wüst nutzt die Chance und holt viele Fördermittel für Straßen und Schienen ins Land, erhöht die Mittel für den Bahnverkehr, kümmert sich um neue Radwege, zeigt sich selbst im Liegefahrrad und besetzt damit ein traditionell grünes Thema. Auch bei Spatenstichen für neue Brücken oder Straßen ist Wüst immer in vorderster Reihe zu sehen. Bei seiner Bewerbungsrede zur Wiederwahl als Landeschef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU sagt er laut dpa: "Wir müssen uns wieder zutrauen, dem Zeitgeist nicht nur hinterherzulaufen, sondern ihn auch zu prägen."

Den ICE bezeichnet er als "richtig geiles Gerät", verschiedene CDU-Gruppen in NRW organisiert er laut Focus über WhatsApp. Der 46-Jährige soll einen modernen Aufbruch verkörpern, ohne dabei die Traditionalisten in der CDU zu verprellen und damit die Wiederwahl der schwarz-gelben Koalition in NRW sichern.

"Ein Mann des Ausgleichs"

Das will Wüst als Teamplayer schaffen: "Die CDU-NRW ist ein starkes Team, und sie bleibt ein starkes Team", sagt er bei seiner Vorstellung als Laschet-Nachfolger. Er will auch die innerparteilichen Konkurrenten um Ina Scharrenbach (Bauministerin) und Herbert Reul (Innenminister) einbinden. Diese wollten auch Ministerpräsident werden, besaßen aber kein Landtagsmandat, was laut NRW-Verfassung erforderlich ist.

Doch die Koalition aus CDU und FDP verfügt nur über die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme (100 von 199 Stimmen). Wüst ist somit auf die Unterstützung aller angewiesen, um Ministerpräsident zu werden. Gut, dass er innerhalb der NRW-CDU nicht nur vom wirtschaftsnahen Parteiflügel unterstützt wird. So sagt der Landesvorsitzende des Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, Wüst sei "ein Mann des Ausgleiches." Ähnlich hatte man auch über Armin Laschet gesprochen.

Verwendete Quellen:

  • bundesrat.de: Zur Person Hendrik Wüst
  • dpa
  • faz.net: Moderner bürgerlicher Konservativismus – Warum die Union wieder mehr an ihre Wurzeln denken muss
  • focus.de: Beim Marktplatz-Plausch wird klar, wie wenig Laschets Nachfolger mit ihm gemein hat
  • land.nrw: Landesverfassung
  • spiegel.de: NRW-CDU verkauft Gesprächstermine mit Rüttgers
  • sueddeutsche.de: "Richtig geiles Gerät": NRW-Verkehrsminister tauft neuen ICE
  • tagesspiegel.de: CDU-Politiker in NRW bedauert Fehler
  • twitter.de: Hendrik Wüst
  • vm.nrw.de: Minister Hendrik Wüst
  • wdr1.wdr.de: Für Geld mit Rüttgers reden
  • welt.de: Rüttgers holt Chef der Jungen Union
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