Im französischen Badeort Biarritz steht der G7-Gipfel in den Startlöchern. Gastgeber Emmanuel Macron hat sich und seinen Kollegen eine anspruchsvolle Agenda auferlegt. Diese Themen sollen auf dem Gipfel diskutiert werden.

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Beim G7-Gipfel im französischen Badeort Biarritz, der am Samstag startet, hat sich Gastgeber Frankreich den Kampf gegen Ungleichheiten in der Welt auf die Fahnen geschrieben - vor allem zwischen Männern und Frauen. Präsident Emmanuel Macron strebt dazu eine "Partnerschaft von Biarritz" an, um in den beteiligten Ländern entsprechende Gesetze zur Gleichberechtigung zu verankern.

Macron schlägt neues Vorgehen bei den G7 vor - Trump sucht bilaterale Gespräche

Nach dem Rückschlag beim Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) im Vorjahr in Kanada hat sich Macron auch eine tiefgreifende Erneuerung der Top-Runde vorgenommen: Er suche konkrete Beschlüsse statt einer langen gemeinsamen Abschlusserklärung, die am Ende ohnehin keiner lese, verlautete in Paris.

Der Wert der Gipfel liegt aber auch in den informellen Beratungen der Staats- und Regierungschefs, die mit Donald Trump allerdings vor allem von Differenzen mit dem US-Präsidenten dominiert werden. Dieser plant allerdings diverse bilaterale Gespräche - unter anderem auch mit Kanzlerin Angela Merkel.

Neben dem Treffen mit Merkel wolle sich Trump auch mit dem Gastgeber, Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, und dem britischen Regierungschef Boris Johnson zusammensetzen, hieß es am Donnerstag aus US-Regierungskreisen. Außerdem seien bilaterale Treffen vorgesehen mit Japans Regierungschef Shinzo Abe, Kanadas Premierminister Justin Trudeau und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, der als Gast an dem Gipfel teilnehmen wird.

Die Themen des G7-Gipfels in Biarritz

Handel

Der Handelskrieg der USA mit China belastet die Weltwirtschaft, was die anderen G7-Partner zunehmend besorgt. US-Präsident Trump hat seine Strafzölle auf Waren aus China jüngst noch ausgeweitet und den Streit damit eskaliert. Ein Ausweg aus der vertrackten Situation ist nicht in Sicht. Auch den Europäern droht Trump mit Zöllen - etwa auf Autos.

Experten befürchten, dass die seitens der USA angezettelten Handelskonflikte demnächst die US-Konjunktur eintrüben könnten. Im August hatte es auf dem US-Anleihenmarkt erste Warnsignale gegeben, die Investoren eine bevorstehende Rezession befürchten ließen. Das Wachstum der US-Wirtschaft verlangsamte sich zuletzt. Das sieht Präsident Trump allerdings etwas anders: Die USA sind nach seiner Ansicht "sehr weit von einer Rezession entfernt". Amerikas Wirtschaft sei weltweit die Nummer eins.

Brexit

Es ist der erste Auftritt des neuen britischen Premierministers Boris Johnson im Kreis der G7. Mit Spannung wird erwartet, ob Trump ihn bei seinem harten EU-Austrittskurs unterstützt. Johnson droht mit einem chaotischen Brexit, sollte es keine Änderungen an dem von seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen geben. Im Vorfeld des Gipfels war Johnson mit seinem Vorschlag, den Backstop - eine Sicherung zur Verhinderung einer harten Grenze zwischen Nordirland und Irland - völlig aus dem Austrittsabkommen zu streichen, bei Macron und Merkel auf erheblichen Widerstand gestoßen. Beide Politiker machten deutlich: An einem Aufschnüren der bereits getroffenen Vereinbarungen mit dem Vereinigten Königreich habe die EU keinerlei Interesse.

Amazonas

Die verheerenden Waldbrände im Amazonas will Macron als "Notfall" direkt zum ersten Tagesordnungspunkt an diesem Samstag machen: "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb Macron wegen der Bedeutung der Wälder für den Klimaschutz. Doch wehrt sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gegen eine Einmischung oder Ratschläge aus dem Ausland und antwortet harsch: "Der Vorschlag des französischen Präsidenten, die Probleme des Amazonas auf dem G7-Gipfel zu diskutieren, ohne die Länder der Region zu beteiligen, lässt aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen."

Klimaschutz

Seit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist der Kampf gegen die Erderwärmung ein ständiges Streitthema mit Trump. Aber auch die Anstrengungen der anderen G7-Partner reichen nicht aus, um den Anstieg der globalen Temperatur bei weniger als zwei Grad und möglichst sogar bei 1,5 Grad zu stoppen.

Iran

Die USA wollen den Iran mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem Kurswechsel in der als aggressiv erachteten Außenpolitik zwingen. Die Wiedereinführung von Sanktionen hat bislang aber nur die Spannungen in der Region weiter angeheizt. Können die europäischen G7-Staaten in Biarritz vermitteln?

Terrormiliz IS

Das Pentagon warnt, dass die Terrormiliz IS nicht besiegt ist. Der US-Präsident fordert von Verbündeten mehr Soldaten in Syrien - die US-Truppen will er weitgehend abziehen. Das Magazin "Foreign Policy" berichtete im Juli, Frankreich und Großbritannien würden zusätzliche Truppen entsenden. Deutschland lehnte ab. (mgb/dpa)

Nicht die feine englische Art

Zu Gast bei Macron präsentierte sich der britische Premierminister in Scherzlaune und stellte seinen Fuß auf einen Beistelltisch.
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