2015 sorgte das Zika-Virus für Schlagzeilen: In Brasilien kam es zu einem akuten Anstieg von Missbildungen bei Neugeborenen. Die Sorge vor einer weltweiten Ausbreitung des Erregers war groß - doch seit 2017 ist es ruhig um das Zika-Virus geworden. Verschwunden ist es allerdings nicht.

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Bevor die Corona-Pandemie das weltweite Leben zum Stillstand brachte, sorgte ein anderes Virus für Schlagzeilen: das Zika-Virus (ZIKV). 2015 wurde in Brasilien ein dramatischer Anstieg von Missbildungen und Mikrozephalie-Fällen bei Neugeborenen festgestellt. Die Köpfe der Säuglinge waren ungewöhnlich klein, ihr Gehirn nicht normal entwickelt.

5.640 solcher Fälle wurden innerhalb von nur vier Monaten registriert, einige der Kinder starben. Die Weltgesundheitsorganisation rief den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die Sorge vor einer weltweiten Ausbreitung des Erregers war groß. Doch seit 2017 ist es ruhig um das Zika-Virus geworden – verschwunden ist es allerdings nicht.

Was ist das Zika-Virus?

Das Zika-Virus gehört zur Familie der Flavi-Viren, zu der auch andere für den Menschen potenziell gefährliche Viren wie das Gelbfieber- oder Dengue-Fieber-Virus zählen. Beim Versuch, mehr über das Dengue-Fieber-Virus zu erfahren, stießen Forscher 1946 im Blut von Rhesus-Affen erstmals auf das Zika-Virus. Die Affen stammten aus dem Zika-Wald in Uganda, der dem Erreger seinen Namen gab.

Erste Ansteckungen von Menschen wurden bereits 1952 in Uganda und Tansania nachgewiesen, doch für rund sieben Jahrzehnte verhielt sich das Zika-Virus relativ unauffällig. Zwar kam es in Afrika und Asien sporadisch zu Ansteckungen, meist verliefen diese jedoch äußerst mild.

Erst im Jahr 2007 kam es auf Inseln im Westpazifik zu einem großen Ausbruch. 75 Prozent der Inselbevölkerung erkrankten teilweise schwer an einer Zika-Virus-Infektion, viele von ihnen litten am Guillain-Barré-Syndrom, einer seltenen Nervenkrankheit. Danach folgte eine pandemische Ausbreitung des Virus auf den amerikanischen Kontinent und in die Karibik.

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Warum es plötzlich zu größeren Ausbrüchen mit teils schwerwiegenden Komplikationen kam, nachdem das Zika-Virus für Jahrzehnte kaum Probleme verursacht hatte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Forschende vermuten, dass das Virus durch Reisen und Handel in neue Regionen verbreitet wurde, wo es auf eine unvorbereitete Bevölkerung traf. In den ursprünglichen Regionen, so die Vermutung, könnten die Menschen durch vorherigen Kontakt zum Virus eine Immunität aufgebaut haben, sodass schwere Verläufe ausblieben.

Übertragen wird das Virus vor allem durch den Stich infizierter Mücken. Als Hauptüberträger gilt die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die in den Tropen und Teilen der Subtropen weit verbreitet ist. Auch eine sexuelle Übertragung des Zika-Virus ist möglich. Das Virus ist in Körperflüssigkeiten von Infizierten nachweisbar, im Sperma noch Wochen nach einer Infektion. In wenigen Einzelfällen gab es auch Ansteckungen über kontaminierte Blutprodukte.

Warum ist das Zika-Virus so gefährlich?

Die meisten Zika-Infektionen verlaufen ohne Symptome. Bei rund 20 Prozent der Infizierten treten nach einer Inkubationszeit von 3 bis 14 Tagen milde Symptome wie Fieber, Hautausschlag, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Bindehautentzündung auf, die sich kaum von den Symptomen anderer tropischer Infektionskrankheiten unterscheiden. Komplikationen sind äußerst selten – doch wenn sie auftreten, sind sie meist schwerwiegend und können tödlich verlaufen.

Wie auch andere Virus-Infektionen kann das Zika-Virus das Guillain-Barré-Syndrom auslösen. Bei der seltenen neurologischen Erkrankung werden die Nervenfasern durch eine überschießende Immunreaktion vom eigenen Körper angegriffen. Die Folge sind Lähmungen, die meist in den Beinen beginnen und sich auf die Arme und das Gesicht ausweiten können. Bei manchen Patienten und Patientinnen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, was ohne medizinische Maßnahmen zum Tode führt.

Infizieren sich Schwangere, kann das schwerwiegende Folgen für den Fötus haben. Über die Plazenta kann das Zika-Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden. Laut Studien führt das in 5 bis 14 Prozent der Fälle zu Missbildungen beim Kind, in vier bis sechs Prozent der Fälle tritt eine Mikrozephalie auf.

Was ist Mikrozephalie?

  • Eine Mikrozephalie ist eine Fehlbildung des Kopfes, der im Vergleich zum restlichen Körper zu klein ist. Verursacht wird sie meist durch eine Unterentwicklung des Gehirns (Mikroenzephalie). Sie kommt im Durchschnitt bei 1,6 von 1.000 Geburten vor.

Doch auch wenn kein Geburtsfehler diagnostiziert wurden, ist die neurologische Entwicklung bei neun Prozent der betroffenen Kinder gestört. Ob sich bei den Kindern Missbildungen oder Mikroenzephalie entwickeln, hängt auch von Zeitpunkt und der Dauer der Infektion während der Schwangerschaft ab. Besonders hoch ist demnach das Risiko, wenn die Infektion während des ersten Trimesters auftritt.

Ist das Zika-Virus heute noch eine Gefahr?

Seit 2017 sind die Fälle von Zika-Virus-Infektionen weltweit stark zurückgegangen. Nach Angaben der WHO finden Übertragung auf den Menschen zwar auch heute noch in mehreren Ländern des amerikanischen Kontinents und anderen endemischen Regionen statt, allerdings auf niedrigem Niveau - und häufig bleiben sie unentdeckt.

Nach Angaben des US-amerikanischen Center of Disease Control and Prevention (CDC) gibt es derzeit keine aktiven Ausbrüche von Zika-Virus weltweit. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft erneut zu Ausbrüchen kommen könnte.

Eine Impfung gegen das Zika-Virus gibt es nicht. Auch eine spezifische Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich, es können lediglich Symptome mit fiebersenkenden oder schmerzstillenden Medikamenten gelindert werden.

Wie groß ist das Risiko einer Zika-Virus-Infektion in Deutschland?

Seit dem großen Ausbruch in Brasilien 2015 sind Zika-Virus-Infektionen in Deutschland meldepflichtig. 2016 wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts insgesamt 222 Fälle in Deutschland durch Reiserückkehrer dokumentiert. Danach gingen die Zahlen stetig zurück, vor Ausbruch der Corona-Pandemie 2019 wurden insgesamt nur zehn Fälle gemeldet.

Da die meisten Zika-Virus-Infektionen symptomlos verlaufen oder nur milde Symptome hervorrufen, geht das RKI jedoch von einer starken Untererfassung der importierten Infektionen aus.

Das Risiko für eine Ansteckung in Deutschland gilt als sehr gering, da die Gelbfiebermücke in Deutschland nicht vorkommt. Jedoch könnten auch andere Mücken der Gattung Aedes Zika-Viren übertragen, darunter die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus, die bereits in Deutschland entdeckt wurde. Durch den Klimawandel könnte ihre Zahl weiter steigen.

Ob die Tigermücke unter den in Deutschland derzeit herrschenden Bedingungen das Zika-Virus übertragen kann, ist laut RKI nicht abschließend geklärt. Es könne allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass es bei einer großen Anzahl importierter Fälle auch zu Übertragungen innerhalb Deutschlands kommen könnte.

Stechen die Mücken einen Infizierten Reiserückkehrer, können sie den Erreger beim nächsten Stich auf andere Menschen übertragen – und so das Virus weiter verbreiten. Bislang wurden allerdings keine Ansteckungen innerhalb Deutschland festgestellt.

Was sollte man bei Reisen in Zika-Gebiete beachten?

Das Risiko, sich mit ZIKV zu infizieren, ist vor allem in den Ländern hoch, in denen es in der Vergangenheit bereits zu Ausbrüchen kam. Die USA zählen dazu, insbesondere Florida, sowie Mittel- und Südamerika, Indien, Südost-Asien, Inselstaaten im pazifischen Raum und einige Länder in Afrika, darunter Kenia und Uganda.

Vor einem Besuchen in tropische Länder sollten sich Reisende reisemedizinisch beraten lassen – speziell bei Vorerkrankungen. Schwangeren wird von unnötigen Reisen in Zika-Gebiete grundsätzlich abgeraten. Da Zika-Viren von Mücken übertragen werden, gilt es sich konsequent vor Mückenstichen zu schützen, zum Beispiel durch entsprechende Mückenschutzmittel auf Haut und Kleidung sowie ein Moskitonetz über dem Bett.

Doch auch die beste Reisevorbereitung garantiert keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung. Daher empfiehlt die WHO Frauen, bis zwei Monate nach der Rückkehr aus einem Zika-Gebiet mit Kondomen zu verhüten. Bei Männern werden mindestens drei Monate empfohlen – auch dann, wenn keine Symptome vorliegen. Wer einen Kinderwunsch hat, sollte nach einer Reise in ein Zika-Gebiet mindestens drei Monate warten, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin rät grundsätzlich dazu, sich tropenmedizinisch untersuchen zu lassen, wenn Symptomen wie Fieber unmittelbar nach einer Tropenreise auftreten. Mittels eines Blutbildes können Zika-Virus-Infektionen und andere Tropenkrankheiten sicher nachgewiesen werden.

Verwendete Quellen

  • Musso et al., "Zika Virus Infections – After the Pandemic” Zika Virus Infection — After the Pandemic | NEJM
  • Petersen et al., 2016: "Zika Virus”
  • RKI.de: "FAQs zu Zikavirus-Infektionen"
  • WHO: "Zika virus – Keyfacts"
  • CDC.org: Übersichtsseite des Centers for Disease Control and Prevention
  • CDC.gov: "Zika Travel Information: World Map”
  • Bernhard-Nocht-Institut "Empfehlungen zur Diagnostik der Zika Virus-Infektion"
  • Deutsche Apothekerzeitung: Was ist eigentlich eine Mikrozephalie?
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