Starker Offensivfußball, viele Tore: Die deutsche U-21-Nationalmannschaft sorgt bei der Europameisterschaft für Begeisterung. Vor dem Halbfinale gegen Rumänien stellen wir drei Schlüsselspieler vor.

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Der deutsche Fußball soll in der Krise stecken? Von wegen! Die deutsche U-21-Nationalmannschaft könnte im Halbfinale gegen Rumänen (Donnerstag, 18:00 Uhr, live im ZDF) den Einzug in das Finale perfekt machen. Bereits vor zwei Jahren gewann Deutschland die U-21-Europameisterschaft – altersbedingt allerdings mit einer nahezu komplett anderen Mannschaft.

Wir stellen drei Schlüsselspieler der deutschen U 21 vor, die schon bald zu den ganz großen Fußball-Stars gehören könnten.

Luca Waldschmidt: Ausnahme-Stürmer und Spätstarter

Seit vielen Jahren mangelt es dem deutschen Fußball an echten Mittelstürmern. Dank Luca Waldschmidt könnte diese Durststrecke nun beendet sein. Drei Spiele, fünf Tore – der 23-Jährige führt die Torschützenliste der U 21-Europameisterschaft an. Der Torjäger des SC Freiburg blüht im Kreise der deutschen Mannschaft regelrecht auf. "Alle 23 Spieler sind eine echte Einheit", sagt er auf "Dfb.de".

In der Bundesliga musste Waldschmidt lange auf seinen Durchbruch warten. Bei Eintracht Frankfurt ausgebildet, kam er dort nicht über die Rolle des Reservisten hinaus. 2016 wechselte er zum Hamburger SV. Das Highlight: Am letzten Spieltag der Saison 2016 / 2017 sicherte er dem HSV als Einwechselspieler mit einem Kopfballtor in der 88. Minute den Klassenerhalt.

Stammspieler wurde er in Hamburg trotzdem nicht. "Ich hatte immer das Gefühl, nur eine Chance zu haben – entweder ich funktioniere oder ich bin wieder draußen", sagt er. Nach dem Abstieg des HSV im Sommer 2018 wechselte er für eine Ablöse von 5 Millionen Euro zum SC Freiburg.

Dann plötzlich der Durchbruch: Mit neun Toren und drei Vorlagen spielte er die beste Saison seiner Karriere. "Hier herrscht Ruhe im Verein", sagt er. "Die Erwartungshaltung ist nicht allzu groß. Zudem haben wir in Christian Streich einen Trainer, der aus der Jugend kommt. Daher weiß er genau, wie man mit jungen Spielern umgeht und sie weiterentwickelt."

U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz sagt über das Freiburger Umfeld: "Dort haben sie Luca entwickelt. Er ist zum Führungsspieler geworden." Davon profitiert nun die U-21-Nationalmannschaft.

Marco Richter: Überraschungsspieler mit Bolzplatz-Mentalität

Noch vor wenigen Monaten war Marco Richter höchstens Insidern ein Begriff. Der heute 21-Jährige kam beim FC Augsburg nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Erst zum Ende der vergangenen Saison platzte der sprichwörtliche Knoten: In den letzten sechs Saisonspielen, als Augsburg in Abstiegsnot steckte, war Richter mit vier Toren und drei Vorlagen einer der Heilsbringer.

Diese Form hat er direkt auf die U-21-Europameisterschaft übertragen. Drei Tore und zwei Vorlagen hat er bereits auf dem Konto. Richter führt das auf die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft zurück. "Wir alle haben einfach Spaß beim Zocken", sagt er auf dfb.de. "Wir wollen zusammen eine geile EM abliefern und konzentrieren uns immer wieder aufs nächste Spiel. Wir verstehen uns untereinander richtig gut und wissen, wie der andere tickt. Wir finden die richtige Mischung aus Spaß, Lockerheit und fokussiertem Arbeiten."

Der Offensivspieler war bis zu seinem 15. Lebensjahr für den Nachwuchs des FC Bayern München aktiv, wechselte dann in die Jugendabteilung des FC Augsburg und wurde dort Profi. U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz bezeichnet Richter als einen Spieler mit "Bolzplatz-Mentalität", der Freiheiten auf dem Platz braucht. Wenn er diese bekommt, liefert er ab.

Alexander Nübel: Der sichere Rückhalt

Mit starken Reflexen verhinderte der Torwart im letzten Gruppenspiel gegen Österreich die erste Niederlage des Turniers. Die Fans wählten den 22-Jährigen daraufhin zum "Spieler des Spiels".

Nübel ist bereits seit September Stammtorwart der U 21-Nationalmannschaft. Richtig bekannt wurde er allerdings erst, als er dauerhaft das Tor des Bundesligisten FC Schalke 04 hütete. Ende Oktober und Anfang November, als Stammtorwart und Kapitän Ralf Fährmann verletzungsbedingt fehlte, hatte er bereits sechs Pflichtspiele bei den Profis und hinterließ einen glänzenden Eindruck.

Zur Rückrunde verdrängte er Fährmann endgültig und wurde zur Nummer 1 zwischen den Pfosten. Der Torwart war einer der wenigen Lichtblicke der insgesamt kriselnden Schalker.

"Ich habe mich sowohl beim DFB als auch im Verein weiterentwickelt", sagt Nübel auf "Dfb.de" über die zurückliegende Saison. "Seitdem ich die Nummer eins auf Schalke bin, hat sich mein Bekanntheitsgrad verändert. Mehr aber auch nicht. Ich habe auch davor schon gute Leistungen bei der U 21 gebracht und versuche immer, die Mannschaft mit zu führen."

Nationaltrainer Stefan Kuntz sagte im Gespräch mit unserer Redaktion über Nübel: "Am Anfang unterschätzt man ihn ein wenig, weil er noch sehr jung aussieht. Aber durch seine Einsätze bei Schalke und bei uns hat er viel Erfahrung gesammelt – sowohl im Abstiegskampf wie auch bei internationalen Spielen. Das hat ihn reifen lassen. Er steht nicht ohne Grund von den Nachwuchstorhütern am meisten im Blickpunkt."

Der Vertrag von Nübel bei Schalke endet in einem Jahr. Der Verein würde das Arbeitsverhältnis gerne verlängern. Das Problem ist nur: Auch andere Vereine haben ihre Fühler nach dem Torwart-Juwel ausgestreckt. Laut "Sport Bild" sind unter anderem der FC Bayern München, RB Leipzig und der spanische Spitzenverein Atletico Madrid interessiert. Ihm stehen also alle Optionen offen.

Verwendete Quellen:

  • DFB.de: Richter und Waldschmidt: "Wir wollen eine geile EM abliefern"
  • transfermarkt.de: Luca Waldschmidt
  • DFB.de: Nübel ist "Spieler des Österreich-Spiels"
  • DFB.de: Nübel: "Rechenspiele sind gefährlich"
  • Sport Bild (26/2019): Nübel hat Schalke in der Hand
  • Persönliches Interview mit Stefan Kuntz

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