90 Minuten ist die neue Saison erst alt und doch scheint es schon erste Tendenzen zu geben. Was man anhand des Auftakt-Spieltags erahnen kann - und was nicht. Eine Zusammenfassung.

Der FC Bayern gewinnt erwartungsgemäß das Auftaktspiel gegen Bayer Leverkusen, dennoch hat diese Partie auch aktuelle Schwächen der Münchner offenbart.

Kann Borussia Dortmund in dieser Saison möglicherweise daraus Kapital schlagen? Und welche Teams werden am Ende der Spielzeit in den unteren Regionen zu finden sein?

FC Bayern zeigt Schwächen

Der Meister siegte, natürlich. Aber er spielte nicht besonders meisterlich. Und wenn Leverkusen in der Sommerpause auch daran gedacht hätte, endlich etwas gegen seine Anfälligkeit bei gegnerischen Standards zu unternehmen und vorne eine Spur mehr Effizienz gezeigt hätte, wäre das Spiel garantiert nicht 3:1 für die Bayern ausgegangen.

Was sich Polizisten zu Leipzig-Star erlaubt haben, macht fassungslos.

Zwei Tore nach einem ruhenden Ball brachten die Münchener früh auf die Siegerstraße. Was sich aber danach in der Allianz Arena abspielte, gibt es nicht so oft: Leverkusen war die bessere Mannschaft, spielte flüssigeren Fußball, hatte mehr Torschüsse (19:13) und eine bessere Passquote (87:86 Prozent). Der Ballbesitzanteil war nahezu ausgeglichen (51 Prozent für die Bayern).

Besonders auffällig waren aber die großen Löcher, die die Bayern im Spiel gegen den Ball offenbarten.

Gerade im Gegenpressing starteten einige Spieler auf eigene Faust los, während die Abwehrkette tiefer positioniert blieb.

Konnte sich Leverkusen dann im Mittelfeld befreien, brannte es bei den Bayern vor dem Tor lichterloh.

Dortmunds Dominanz

Das Theater um Ousmane Dembélé hätte als Ausrede ganz wunderbar gepasst für den BVB. Aber wenn dann wie in Wolfsburg so ein Spiel dabei herauskommt, sind Ausreden gar nicht mehr nötig.

Dortmund spielte sein erstes Spiel wie eines mitten in der Saison: selbstverständlich, souverän, geradlinig und im vollen vertrauen in den Plan des Trainers.

Beim Ligastart zeigen sich Schwachstellen des neuen Systems.

Peter Bosz' Idee vom Überfallfußball und Gegenpressing funktionierte in Wolfsburg schon so erstaunlich gut, dass man insgeheim schon wieder Gedanken an ein echtes Fernduell mit den Bayern um den Titel verschwendet.

Und nicht mehr an 25 Punkte Rückstand auf einen bereits im Frühjahr feststehenden Meister aus München.

Nun ist es dafür vielleicht noch ein wenig zu früh, immerhin war Wolfsburg mal wieder komplett neben der Spur und ein leichtes Opfer für den BVB.

Trotzdem ist die Entwicklung vom ersten Pflichtspiel vor zwei Wochen im Supercup gegen die Bayern bis hin zum Wolfsburg-Spiel unglaublich rasant und offenbar auch gut verlaufen.

Und: Mit Christian Pulisic hat der BVB vielleicht sogar schon eine Art Dembélé-Ersatz in seinen Reihen. Der Amerikaner könnte nach einer guten letzten Saison nun den endgültigen Durchbruch schaffen.

Ist das ein neues Schalke?

Man traute seinen Augen und Ohren kaum: zufriedene Menschen in der Veltins Arena feierten ihre Mannschaft.

Die Partie gegen RB Leipzig gab jede Menge Pathos und Herzschmerz her, die Schalker Ultras taten mit ein paar Spruchbändern ihr übriges.

Bundesliga-Start - mit starkem Götze, lustigem Lothar und dem HSV.

Sportlich jedenfalls ließ Schalke endlich mal wieder einen handfesten, nachvollziehbaren und vor allen Dingen auch erfolgreichen Plan erkennen.

Die Mannschaft ließ dem Konterteam Leipzig den Ball und wollte selbst kontern.

Das klappte so gut, dass am Ende ein verdientes 2:0 stand und Domenico Tedesco jetzt schon wie ein neuer Messias dargestellt wird.

Der neue Trainer hat der Mannschaft zumindest einen neuen Geist eingehaucht und vielleicht kann er den schlummernden Riesen jetzt endlich auch mal aufrütteln.

Schalke hat genug Potenzial für die Spitze. Aber bisher ist eben auch erst ein Spiel gespielt.

Und was passiert eigentlich, wenn die Gegner gegen Schalke selbst nur kontern wollen?

Ob die Mannschaft wirklich auch Ballbesitzfußball spielen kann, wird sich erst zeigen müssen.

War das schon ein Fingerzeig?

Leipzig dürfte einen Vorgeschmack auf eine schwierigere zweite Saison bekommen haben.

Bereits in der letzten Rückrunde war zu sehen, dass sich die Gegner besser auf Leipzigs Fußball eingestellt haben.

Englische Beamte machen sich bei Twitter über den Arsenal-Star lustig.

Ralph Hasenhüttl braucht deshalb in dieser Saison auch einen Plan B oder Plan C.

Dass Augsburg gegen einen schwachen HSV trotzdem verliert, ist auch ein kleines Signal. Mit dem derzeitigen Kader dürften die Schwaben Abstiegskandidat Nummer eins sein.

Aber noch ist ja Zeit, um etwas nachzubessern. Auch Mainz' Heimniederlage gegen Aufsteiger Hannover lässt erahnen, dass es für die Rheinhessen in dieser Saison wieder schwer werden könnte.

Ein Rückfall in alte Zeiten

Die Partie zwischen Freiburg und Frankfurt entwickelte sich gewissermaßen zu einem Ländervergleich: Freiburg hatte zehn Spieler mit deutschem Pass in der Startelf. Frankfurt keinen einzigen.

Am Ende war von 14 eingesetzten Spieler lediglich Einwechselspieler Danny da Costa einer mit einem deutschen Pass.

Damit lebte die Eintracht die längst vergessen geglaubte Tradition der Nullerjahre weiter, als Cottbus und Köln die ersten Mannschaften der Liga ohne einen einzigen deutschen Startspieler waren.

In einer Zeit, wo doch angeblich reihenweise Talente aus den Nachwuchsleistungszentren der Liga ausgespuckt werden, war das schon eine verblüffende Erkenntnis.