Kaum hat man sich an den Tabellenstand nach dem fünften Spieltag gewöhnt, schon geht es weiter: mit einem Superhelden, einem sehnsuchtsvollen Hamburger SV und ganz vielen Oktoberfestvergleichen - die etwas andere Vorschau auf den sechsten Spieltag der Bundesliga.

HSV sehnt sich nach einem Tor

Der Hamburger SV sehnt sich nach seinem ersten Saisontor - und wie er sich sehnt! Wie sich der Wiesngänger am nächsten Morgen nach einer Kopfschmerztablette verzehrt; wie der Frühschichtler in der Früh um fünf sein warmes Bett vermisst; wie sich Mario Gomez nur eine einzige, klitzekleine verletzungsfreie Saison ohne Buhrufe wünscht; wie Holger Badstuber manchmal gerne mit Thomas Müller Knie tauschen würde; wie Kevin Großkreutz Julian Draxler bei der Weltmeisterfeier nach dem Döner-Song am liebsten kurz gewürgt hätte; wie ... ach, wir glauben, Sie haben es verstanden. Der Hamburger SV würden eben gerne treffen.

Am sechsten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt stehen die Chancen vielleicht gar nicht so schlecht. Schließlich zieht die Eintracht in der aktuellen Saison fragwürdige Elfmeterpfiffe an, wie, ja äh, wie der HSV die Torausschüsse. Ja, so kann man das wohl sagen.

Keller kann sich unkündbar machen

Jens Keller hält sich schon länger im Trainerstuhl des FC Schalke 04, als wir uns beim Oktoberfest auf der Bierbank halten können. Zugegeben, das mag erst einmal nach einer kurzen Zeit klingen. Aber wir sind auch nach der dritten Maß noch ziemlich standfest, also quasi die Jens Kellers der Wiesn.

Jedenfalls hatten wir den Schalker Trainer schon öfter abgeschrieben, als Italiener auf der Wiesn von bayerischen Mädchen abgewiesen werden. Und nun kann sich Keller endgültig unkündbar machen. Denn am Wochenende ist Derby gegen Borussia Dortmund. Wenn man als Trainer gegen den Erzfeind gewinnt, hat man erstens schon mindestens wieder drei Niederlagen und zwei Unentschieden gut und zweitens hat der S04 eine ganz besondere Chance: Die "Knappen" können die Statistik gegen Dortmund ausgleichen. Denn sollte die Keller-Elf gewinnen, hätten beide Mannschaften jeweils 30-mal gewonnen, 25-mal unentschieden gespielt und 30-mal verloren. (Wobei uns der Kollege, heimlich Schalke-Fan, gerade erklärt hat, dass die Statistik damals in der Gauliga noch ganz anders ausgesehen habe.)

Jedenfalls hätte Keller dann zweimal als S04-Trainer gegen den BVB gewonnen und das kann Pep Guardiola zum Beispiel nicht von sich behaupten.

Dutt verlangt "mentale Knochenarbeit"

Angesichts der eher problematischen Tabellenlage muss Werder Bremens Trainer Robin Dutt vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg zu ganz ausgefuchsten Motivationssprüchen greifen. Da ist es nicht mehr getan mit Standardsprüchen wie "Gras fressen!" oder "Durch die Wand hauen", da müssen schon Ansagen mit krassen Stilmitteln her. Und deshalb bedient sich Dutt eines Wortspiels, an das wir uns noch bestens aus dem Deutsch-Leistungskurs erinnern: dem Oxymoron. Sie wissen schon: schwarzer Schimmel, nüchterner Wiesn-Gast, zufriedener Sammer, unspektakulärer Ibrahimovic.

Denn Dutt fodert "mentale Knochenarbeit". Und während seine Spieler noch überlegen, ob ihr Trainer damit meint, sie sollen laufen bis zum Umfallen oder doch eher auf konzentriertes Ballgeschiebe setzen, ist das Spiel gegen den VfL Wolfsburg vorbei. Bei den Spielern haben die Automatismen eingesetzt, die Angst war weg und Bremen gewinnt. Also so stellt sich zumindest Dutt das wohl vor.

The Super-Mahn(er) is back

Manche mögen Batman, andere schwören auf Superman oder sogar Aquaman. Unser liebster Superheld ist jedoch der Super-Mahn(er). Er ist der Schrecken, der die Pressekonferenzen durchflattert. Er ist das Muttermal, auf dem fast perfekten Bayern-Hintern. Er ist Matthias Sammer. Nach einer kurzen Zeit der Zufriedenheit, in der wir kurz dachten, unserem Superhelden sei die Lust am Mahnen vergangen, ist er wieder da! "Wir müssen höllisch aufpassen!", warnt Sammer vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln und fordert eine "Top-Leistung", denn "eine normale Leistung wird nicht ausreichen".

Recht hat er! Bayern-Fans in aller Welt können wieder aufatmen. Sammer wird auf immer und ewig den Schlendrian beim FCB vertreiben. Wenn es einer schaffen kann, dann er: der Super-Mahn(er).

Die Spiele in der Übersicht

Freitag, 20:30 Uhr FSV Mainz 05Hoffenheim
Samstag, 15:30 UhrSchalkeDortmund
FreiburgLeverkusen
StuttgartHannover
KölnBayern
PaderbornGladbach
Samstag, 18:30 UhrWolfsburgBremen
Sonntag, 15:30 UhrAugsburgHertha BSC
Sonntag, 17:30 UhrHamburgFrankfurt