• Die Frage ist auch in dieser Woche noch aktuell: "Ist eine diplomatische Lösung noch in Sicht?".
  • Darüber diskutierte Sandra Maischberger am Mittwochabend (24.) mit ihren Studiogästen.
  • Während die Medienvertreter sich über Energielieferungen aus Katar streiten, hat Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) einen eindringlichen Appell an die Bundesregierung.
Eine Kritik

Auch in dieser Woche bestimmt der Krieg in der Ukraine die Nachrichten: Russland will Zahlungen für Gasexporte künftig nur noch in Rubel erlauben, die Nato plant eine weitere Verstärkung an der Ostflanke. US-Außenminister Antony Blinken hat Russland erstmals offiziell Kriegsverbrechen in der Ukraine vorgeworfen. Gleichzeitig soll die Ukraine 2.000 Panzerfäuste aus Beständen der Bundeswehr erhalten.

Das sind die Themen bei "Maischberger"

Der Krieg in der Ukraine läuft bereits seit vier Wochen, die Fronten bleiben verhärtet. "Ist eine diplomatische Lösung überhaupt noch eine Option?" wollte Sandra Maischberger von ihren Gästen wissen. Angesichts des offenbar stoppenden Vormarsches von Russland fragte sie auch: "Welche Strategie verfolgt Putin?" und "Was können wir mittels Sanktionen noch tun?"

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Das sind die Gäste

Gerhart Baum (FDP): Der ehemalige Bundesinnenminister war sich sicher: "Wir sind nicht entschieden genug, alles einzusetzen, was wir können." Die Weltordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde, werde zum ersten Mal elementar herausgefordert. Die Bilder aus der Ukraine erinnerten Baum an seine eigene Biographie: "Das sind auch meine Kriegsbilder", sagte er mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg. Ziel Putins sei es, die Bevölkerung zu terrorisieren.

Wolfang Richter: "Putin wandelt auf den Spuren der Zaren, er hat ein imperiales Motiv", analysierter der Sicherheitsexperte und Oberst a.D. Putin scheine Entscheidungen nur noch im engsten Kreis zu treffen. Zwar glaubte Richter nicht, dass man an der Schwelle zur nuklearen Eskalation steht, warnte aber dennoch: "Wenn man grenznahe Operationen führt, kann es schon mal passieren, dass ein Flugzeug die Grenze kurzfristig überschreitet oder eine Rakete fehlgeleitet wird". Man müsse aufpassen, dass ein solcher unbeabsichtigter Zwischenfall nicht eskaliere.

Nina Chruschtschowa: "Momentan glaube ich nicht, dass irgendeine Stimme des Westens Putin erreichen kann", sagte die russisch-amerikanische Politologin. Sie attestierte Putin eine gewisse "Paranoia" und "Größenwahnsinn". "Russland ist auf einem düsteren und gefährlichen Pfad in seiner Geschichte", so die Urenkelin des Stalin-Nachfolgers Nikita Nina Chruschtschow. Ein Ziel Putins sei es, es der USA mal so richtig zu zeigen. "Er wird den Weg bis zum Ende gehen, um zu zeigen, dass Russland immer noch groß ist", wähnte sie.

Georg Restle: Der ARD-Moderator und Redaktionsleiter von "Monitor" sagte: "Putin hat den Krieg politisch schon verloren." Die Einigkeit, die zwischen dem Westen und Osten des Landes, russisch- und ukrainisch-sprachigen Menschen entstanden sei, werde den Krieg überdauern. Restle sagte aber auch: "Wir haben die Wahl zwischen einer militärischen Lösung oder einer Pax-Putin nach Putins Diktat." Solange Putin regiere, werde Osteuropa keinen Frieden finden.

Alev Doğan: "Bei Waffenlieferungen gehe ich mit, aber nicht bei einer Flugverbotszone. Das wäre ein Fehler", sagte die Chefreporterin von "The Pioneer". Wirtschaftsminister Robert Habeck sei als Bittsteller nach Katar gegangen, aber "einen Tod muss man sterben", so die Journalistin. Deutschland müsse sich entscheiden: "Wollen wir nur rhetorisch, emotional Solidarität zeigen oder auch mit realen Taten?", fragte sie.

Eva Quadbeck: Die Journalistin des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) forderte: "Ich erwarte mehr Kreativität von der Nato, was man machen kann, ohne in den Krieg einzugreifen." Am Ende entscheide sowieso Putin, wann für ihn die rote Linie überschritten sei. Gleichzeitig vermisse sie in Deutschland konkrete politische Umsetzung. "Scholz Zeitenwende ist noch nicht ausbuchstabiert, die Bundesregierung ist noch in einem Lernprozess", so Quadbeck.

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Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

Der ehemalige Bundesinnenminister und Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges Gerhart Baum hat soeben noch einmal die Bilder seiner Kindheit in Erinnerung gerufen, als er mit besonderem Nachdruck mahnt: "Wir müssen uns darauf einstellen – ganz gleich, was jetzt passiert –, dass nichts mehr so ist, wie es vorher war".

Wir lebten nach Putins Angriff heute in einer anderen Welt. "Wir werden uns einstellen müssen auf ein anderes Leben, wo wir uns mehr einbringen und opfern müssen als bisher", machte er klar und adressierte an die Politik: "Ich vermisse, dass die Regierung uns das ganz klar sagt."

Das ist das Rede-Duell des Abends

Das Rede-Duell des Abends dreht sich mal wieder um das Thema Energieabhängigkeit von Russland. Mit Blick auf den Besuch von Wirtschaftsminister Robert Habeck in Katar sagte Journalist Restle: "Katar ist eine schlechte Lösung. Die Alternative können nur erneuerbare Energien sein." Man dürfte nicht von einem Problem in das nächste reinkommen.

Journalistin Quadbeck erinnerte ihn: "Die Europäer haben nicht alle gute Lösungen, sie machen gerade durchweg bittere Kompromisse" und nannte Atomstrom in Frankreich und Belgien. Man müsse nun schauen, ob ein Partner verlässlich sei. "Bei Putin haben wir uns da gründlich vertan", gab sie zu. Als sie erklären will, wie Katar in Abstufung zum Iran als Partner dasteht, unterbricht Restle sie: "So klang das bei Russland auch vor drei bis vier Jahren!" Dogan schlichtete: "Das Stichwort ist am Ende Diversifizierung", sagte sie.

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Maischberger weiß: Prognosen kann sie von ihren Studiogästen derzeit kaum erwarten. Deshalb klopft sie noch einmal ab: Wer steht wo in Sachen Waffenlieferungen und Flugverbotszone und was steckt wohl hinter Putins Strategie? Das klingt zunächst redundant, unterstreicht die verfahrene Lage aber noch einmal anschaulich. Das Rede-Duell in puncto Energielieferungen hätte Maischberger indes gerne weiter vertiefen dürfen.

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

Eine diplomatische Lösung hält die Runde für unwahrscheinlich, für die Alternative der militärischen Lösung will sich aber auch niemand aussprechen. Stattdessen erneute Appelle an die Politik, endlich zu handeln. Aus der Position des Studios heraus dürfte das einfacher sein, als aus dem Bundestag. Ein Gast mit aktueller politischer Verantwortung hätte der Runde sicherlich gut getan.


Verwendete Quellen:
  • ARD: Sendung "Maischberger" vom 23.03.2022