Nachdem er zuvor mit einem amerikanischen Alleingang gedroht hatte, hat US-Präsident Donald Trump nun zugesichert, weiter zur Nato zu stehen. Die Vereinigten Staaten blieben dem Bündnis sehr stark verpflichtet, sagte Trump in Brüssel.

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US-Präsident Donald Trump sieht nach dem Streit beim Nato-Gipfel einen "enormen Fortschritt" bei den Verteidigungsausgaben der Verbündeten der westlichen Militärallianz. "Ich glaube an die Nato", sagte der US-Präsident am Donnerstagmittag bei einer Pressekonferenz nach einer Krisensitzung beim Nato-Gipfel in Brüssel. Und weiter: "Ich kann Ihnen sagen, dass die Nato jetzt wirklich eine fein abgestimmte Maschine ist. Die Leute zahlen Geld, das sie vorher nie gezahlt haben. Und sie sind glücklich, das zu tun."

Zuvor hatte er durch scharfe Verbalattacken den Streit um die nach seiner Ansicht zu niedrigen Ausgaben der Nato-Partner der USA eskalieren lassen, so dass noch eine Sondersitzung der Allianz anberaumt wurde.

Wenn die Bündnispartner nicht sofort zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgäben, würden die Amerikaner "ihr eigenes Ding machen", hatte Trump am Donnerstag beim Gipfeltreffen in Brüssel angedroht, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.

Trump: "Große Achtung vor Deutschland"

Auch gegenüber Deutschland hatte Trump bei der Pressekonferenz plötzlich lobende Worte parat: "Ich habe große Achtung vor Deutschland."

Noch am Donnerstagmorgen hatte Trump im Streit um die Finanzierung der Nato verbal nachgelegt: Wieder war Deutschland, insbesondere Kanzlerin Angela Merkel, das Ziel seiner scharfen Kritik.

"Präsidenten haben jahrelang erfolglos versucht, Deutschland und andere reiche Nato-Staaten dazu zu bewegen, mehr für ihren eigenen Schutz vor Russland zu zahlen", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

"Sie bezahlen nur einen Bruchteil ihrer Kosten." Die USA hingegen zahlten zweistellige Milliardenbeträge zu viel, um Europa zu subventionieren.

"Und als wäre das nicht genug, hat Deutschland gerade angefangen, Russland, dem Land, vor dem sie beschützt werden wollen, Milliarden Dollar für ihren Energiebedarf zu zahlen, der aus einer Pipeline aus Russland kommt", fügte er in einem weiteren Tweet hinzu.

"Nicht akzeptabel! Alle Nato-Staaten müssen ihre Zwei-Prozent-Verpflichtung erfüllen, und sie müssen letztlich auf vier Prozent gehen."

US-Präsident attackierte Deutschland bereits vor Nato-Gipfel

Mit der neuen Twitter-Serie nahm Trump seine Verbalattacken gegen Deutschland wieder auf. Trump hatte schon am Mittwochmorgen seine Kritik an zu niedrigen Militärausgaben in Deutschland mit Attacken gegen das deutsch-russische Pipelineprojekt Nord Stream 2 verbunden.

Deutschland sei ein "Gefangener" Russlands. Kanzlerin Angela Merkel wies die Vorwürfe ungewohnt deutlich zurück.

Verschärfung der Rhetorik folgt auf Signale der Entspannung

Die erneute Verschärfung von Trumps Rhetorik erfolgte, nachdem der US-Präsident nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Nato-Gipfel bereits Signale der Entspannung gesendet zu haben schien.

Er hatte das Verhältnis zu Deutschland hervorragend genannt und Merkel auch persönlich gelobt. (mgb/dar/dpa/afp)

Merkel kontert Trumps Kritik mit Verweis auf DDR-Vergangenheit

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, dass Deutschland sich mit seiner Energiepolitik zur Geisel Russlands gemacht habe. Sie habe selbst erlebt, wie ein Teil Deutschlands von der Sowjetunion kontrolliert wurde, sagte sie kurz vor Beginn des Nato-Gipfels in Brüssel.
Teaserbild: © AFP PHOTO / Brendan SMIALOWSKI