Tag sieben nach dem Flugzeugabsturz bei Germanwings in Frankreich. Die Suche nach der Absturzursache des Airbus A 320 geht weiter. Noch immer konnte der zweite Flugschreiber nicht geborgen werden. Derweil entbrennt eine Debatte über eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht bei Piloten. Die aktuellen Entwicklungen im Liveblog.

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Liveblog

+++ Staatsanwaltschaft Düsseldorf: Co-Pilot war vor mehreren Jahren selbstmordgefährdet und in Behandlung +++

+++ Die Ermittler haben weiterhin keinen Abschiedsbrief gefunden +++

+++ Es gab keine persönlichen und familiären Umstände, die Hinweise auf ein Motiv geben +++

+++ 100 Ermittler in der Sonderkommission "Alpen" mit dem Absturz beschäftigt +++

+++ Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Nummer: 0800 111 0 111 +++

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16:36 Uhr: Insgesamt 100 Ermittlern sind in der Düsseldorfer Sonderkommission "Alpen" mit dem Germanwings-Absturz beschäftigt. Rund die Hälfte von ihnen ist einer Mordkommission zugeteilt, die sich mit etwaigen Motiven des vermutlich vorsätzlich verursachten Absturzes beschäftigt.

16:30 Uhr: Germanwings' Mutterkonzern Lufthansa stellt die geplante Feier zu seinem 60. Jubiläum auf den Prüfstand. Ursprünglich wollte die Fluggesellschaft am 15. April auf ihre Unternehmensgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg zurückblicken.

16:01 Uhr: Laut dem deutschen Experten Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) müssen die Ermittler bei der Suche nach der zweiten Blackbox auf Akribie statt auf Funksignale setzen. "Die Geräte senden nur bei Kontakt mit Wasser", erklärt Friedemann. Die BFU ist mit sieben Personen an den Untersuchungen des Absturzes beteiligt. Der zweite Flugschreiber hat ungefähr die Größe eine Konservendose.

15:52 Uhr: Das schlechte Wetter behindert die Bergungsarbeiten in den französischen Alpen. Derzeit können keine Hubschrauber eingesetzt werden. Die Helfer müssen den Weg zur Unglücksstelle derzeit zu Fuß zurücklegen.

Lubitz war vor Jahren selbstmordgefährdet

15:27 Uhr: Die wichtigste Erkenntnis aus der Erklärung des Staatsanwalts ist wohl, dass bislang immer noch kein Motiv für die mögliche Tat des Co-Piloten vorliegt.

15:23 Uhr: Weiter heißt es: "Die entsprechenden ärztlichen Dokumentationen weisen bislang keine organische Erkrankung aus. Co-Pilot Andreas Lubitz war vor mehreren Jahren - vor Erlangung des Pilotenscheines - über einen längeren Zeitraum mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung. Im Folgezeitraum und bis zuletzt haben weitere Arztbesuche mit Krankschreibungen stattgefunden, ohne dass Suizidalität oder Fremdaggressivität attestiert worden ist."

15:21 Uhr: Inzwischen liegt die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Wortlaut vor. Darin heißt es: "Die zuvor in Presseerklärungen mitgeteilten Ergebnisse von Beweiserhebungen gelten uneingeschränkt fort. Insbesondere fehlt es weiterhin sowohl an der belegbaren Ankündigung einer solchen Tat als auch an einem aufgefundenen Tatbekenntnisses. Ebenso wenig sind im unmittelbaren persönlichen und familiären Umfeld oder am Arbeitsplatz besondere Umstände bekannt geworden, die tragfähige Hinweise über ein mögliches Motiv geben könnten."

15:18 Uhr: Der Co-Pilot war mit "vermerkter Suizidalität in psychischer Behandlung" bevor er seine Flugerlaubnis erlangt hat.

Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf

15:18 Uhr: "Es fehlt weiterhin an einem Tatbekenntnis", erklärt Kumpa.

15:17 Uhr: Jetzt geht's los. Staatsanwalt Kumpa teilt mit, die Staatsanwaltschaft wolle sich nicht zu Spekulationen über den Co-Piloten beteiligen.

15:01 Uhr: Jetzt hält Staatsanwalt Christoph Kumpa die fertige Pressemitteilung in der Hand. In fünfzehn Minuten will der Staatsanwalt die Mitteilung verlesen.

14:20 Uhr: Die Pressemitteilung ist offenbar noch nicht fertig geschrieben, dementsprechend wird es noch etwas dauern, bis Christoph Kumpa seine Stellungnahme verlesen kann.

14:16 Uhr: Derzeit klärt der Staatsanwalt Christoph Kumpa noch organisatorische Dinge mit den anwesenden Pressevertretern.

14:03 Uhr: Gleich wird ein Statement der Staatsanwaltschaft Düsseldorf erwartet.

13:02 Uhr: Der europäische Flugzeughersteller Airbus will seine Großraumjets A350 und A380 künftig mit auswerfbaren Flugdatenschreibern ausstatten. Die Entscheidung wurde Airbus zufolge nach den Flugzeugunglücken in Südostasien getroffen.

Die auswerfbaren Flugschreiber - also Geräte, die vor einem Aufprall des Flugzeugs automatisch herausgeschleudert werden - sollen vorerst nur in den beiden größten Airbus-Modellen eingesetzt werden. Konkrete Details sind zwar noch nicht bekannt. Voraussichtlich sollen die Geräte aber in die Außenhaut des Rumpfes integriert werden. Diese und weitere Verbesserungen sollen Airbus zufolge im Katastrophenfall die Suche nach den Flugschreibern erleichtern.

Nach Gesprächen mit seinen Kunden und den Luftfahrtbehörden habe man zudem entschieden, die Funktionsdauer des Unterwassersenders (Underwater Locator Beacon/ULB) von 30 auf 90 Tage zu verlängen. So lange soll der ULB künftig Signale senden können. Zudem soll es eine verbesserte Datenübertragung an den Boden geben, falls ein Flugzeug seine geplante Route überraschend verlässt. Die automatischen Notfallsender (Emergency Locator Transmitter/ELT), die bei einem Aufprall am Boden Alarm schlagen, sollen zudem über eine Art Voraktivierung warnen können, sobald bestimmte Kriterien auf einen Kontrollverlust der Cockpit-Besatzung hinweisen.

12:46 Uhr: Mit einem Trauermarsch soll am Karsamstag (4. April) im westfälischen Haltern der Opfer der Flugzeug-Katastrophe in den südfranzösischen Alpen gedacht werden. Eine Privatperson habe die Veranstaltung mit vorerst geschätzten 2.000 bis 2.500 Teilnehmern angemeldet, sagt eine Polizeisprecherin in Recklinghausen am Montag. Die Polizei stehe mit anderen Behörden in Kontakt, um die Details abzusprechen, etwa die genaue Route oder die Zahl der nötigen Ordner.

Betreuungszentrum so lange wie nötig offen

12:16 Uhr: Die Fluggesellschaft Germanwings will ihr Betreuungszentrum für Angehörige der Opfer des Airbus-Absturzes in den französischen Alpen so lange wie nötig offen halten. Das sagt Germanwings-Geschäftsführer Oliver Wagner nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers in Marseille. In einem Hotel der Mittelmeer-Metropole kümmern sich seit Samstag 90 Mitarbeiter um die Angehörigen, die zur Absturzstelle reisen wollen. Sie nehmen die Trauernden in Empfang und begleiten sie auch zum Unglücksort. Zum Team gehören demnach mindestens zehn Psychologen.

12:00 Uhr: Am Wochenende sorgte ein Kommentar in der "Emma" zum Flugzeugunglück für Aufregung. In der Frauenzeitschrift fordert die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch eine Frauenquote fürs Cockpit. "Die Selbstmordquote, so hörte ich bei meinem Radio- und TV-Marathon seit der Katastrophe in den französischen Alpen, ist bei Männern viermal so hoch wie bei Frauen. Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren." Auf den Text, den die Autorin selbst als Glosse bezeichnet, folgte ein Shitstorm auf Twitter. Nun verteidigt die Autorin auf Twitter ihren Ansatz:

Klinikum übergibt Krankenakte an Staatsanwaltschaft

11:39 Uhr: Das Uniklinikum Düsseldorf hat der Staatsanwaltschaft seine Krankenakten des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine übermittelt. Das erklärt eine Klinik-Sprecherin. Der 27-Jährige, der nach bisherigen Erkenntnissen den Airbus mit 150 Menschen an Bord absichtlich abstürzen ließ, war vor einigen Wochen als Patient an das Uniklinikum gekommen. Dabei ging es den Angaben zufolge um "diagnostische Abklärungen", die aber nicht näher erläutert wurden. Auch blieb unklar, in welcher der vielen Abteilungen der Copilot untersucht wurde. Zwischen Februar 2015 und dem 10. März war der Mann mindestens drei Male vorstellig geworden. Das Klinikum hatte Berichte dementiert, wonach "Andreas L. wegen Depressionen in unserem Haus in Behandlung gewesen sei". Die Übergabe der Akten war ursprünglich für Freitag angekündigt worden.

11:33 Uhr: Europe 1 hat ein Bild von der extra angelegten Zufahrtsstraße veröffentlicht. Der Zugang soll vor allem ermöglichen, schwereres Bergungsgerät in die Region zu bringen. Bisher wurden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unwegsame Gebiet gebracht.

10:51 Uhr: Laut "Bild.de" hat Germanwings-Geschäftsführer Oliver Wagner Details über das Betreuungszentrum bekanntgegeben. Es wird demnach für zirka 90 Angehörige eingerichtet. Insgesamt 32 Helfer des internationalen Rettungsdienstes "Kenyon" sollen die Angehörigen der Opfer betreuen. Wagner sprach von der "größten Krise" des Unternehmens. "Das ist der traurigste Tag in meinem Leben. Die Familien fragen mich immer wieder: 'Warum musste das geschehen?' Ich kann ihnen darauf leider keine Antwort geben", zitiert "bild.de" Wagner

10:10 Uhr: In der Germanwings-Tragödie deutet der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach an, dass der Arzt des Amok-Piloten Andreas Lubitz seine Dienstpflicht verletzt haben könnte, weil er die Firma Germanwings nicht über die Erkrankung seines Patienten informiert hat. In der "Bild"-Zeitung vom Montag sagt Lauterbach, wenn Leib und Leben anderer Personen gefährdet seien, "ist der Arzt verpflichtet, den Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters zu informieren". Lauterbach, der selbst Arzt und Medizinprofessor ist, bekräftigt: "Dies gilt ganz besonders im Fall psychischer Erkrankungen und einer möglichen Selbstmordgefahr."

Auch Australien verschärft Cockpit-Regeln

10:03 Uhr: Australien verschärft nach der Germanwings-Katastrophe wie viele Fluggesellschaften seine Cockpit-Regeln. Ab sofort müssten stets zwei Personen im Cockpit anwesend sein, sagt Verkehrsminister Warren Truss. Die Regel gelte für in- und ausländische Fluglinien bei allen Maschinen mit mehr als 50 Plätzen. Ein Mitglied des Kabinenpersonals müsse im Cockpit sein, wenn einer der Piloten seinen Sitz verlasse.

09:36 Uhr: Nach einer nächtlichen Unterbrechung wurden die Arbeiten am Absturzort am Montagmorgen fortgesetzt. Gleichzeitig soll ein Weg ins Absturzgebiet in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes geschaffen werden. Der Zugang könnte Montagabend fertig sein und soll vor allem ermöglichen, schwereres Bergungsgerät in die Region zu bringen. Bisher werden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unwegsame Gebiet gebracht. Die Bergung der Toten habe absoluten Vorrang, sagte Staatsanwalt Brice Robin der Deutschen Presse-Agentur.

09:29 Uhr: Das Pressebriefing von Germanwings in Marseille wird nicht live übertragen. Das sagt ein Pressesprecher von Germanwings unserem Portal auf Nachfrage.

09:11 Uhr: Laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sei erst am Vormittag abzuschätzen, ob neue Informationen veröffentlicht werden könnten. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft lediglich erklärt, es seien in der Wohnung des Copiloten "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen" gefunden worden.

09:05 Uhr: Lufthansa-Manager Kay Kratky verwies auf eine mögliche Beschädigung des Geräts: Das Flugzeug sei mit Tempo 800 und damit mit unvorstellbarer Wucht an dem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellt, sagte Kratky in der ARD-Talkshow "Günther Jauch". "Es könnte sein, dass die Belastung hier zu groß war und er keine Signale sendet."

8:45 Uhr: Um 9:30 Uhr will Germanwings auf einer Pressekonferenz in Marseille über das neue Betreuungszentrum für die Angehörigen der Opfer informieren.

8:30 Uhr: Die Suche nach den 150 Opfern des Absturzes von Germanwings-Flug 4U9525 hat weiterhin höchste Priorität. Bislang haben die Ermittler DNA von gut der Hälfte der Opfer identifiziert.

8:00 Uhr: Nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass Co-Pilot Andreas Lubitz eine Krankheit vor seinem Arbeitgeber geheim gehalten haben soll, entbrennt nun die Diskussion um die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht bei Piloten. "Piloten müssen zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden. Diese Ärzte müssen gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein", meint CDU-Verkehrsminister Dirk Fischer in der "Rheinischen Post". Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) schlägt eine Expertenkommission vor, die die Frage klären solle, wie mit ärztlichen Diagnosen bei Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen wie Piloten umzugehen sei.

(AFP/dpa)

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