Vier Siege, 17:3 Tore. Diese beeindruckende Bilanz legten die vier Klubs aus Deutschland um Titelverteidiger Bayern München am dritten Spieltag in der Champions League hin. Warum ist die Bundesliga gegenwärtig so gut?

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Die UEFA Champions League ist nicht nur der Wettbewerb, in dem sich die besten Mannschaften der Welt messen. Auch für die einzelnen Topligen in Europa ist das Kräftemessen in der Königsklasse ein relevanter Indikator, um zu erkennen, wo man im internationalen Vergleich steht.

In der Vorsaison krönte sich der FC Bayern im Finale in Lissabon gegen PSG, RB Leipzig stand im Halbfinale. Dass dies kein Zufall war, sondern eher ein Fingerzeig im Hinblick auf die Saison 2020/21, wird spätestens nach der Hinrunde der Gruppenphase klar. Das Zwischenfazit kann sich aus Sicht der Bundesliga nämlich absolut sehen lassen. Und die vier Siege am dritten Gruppenspieltag, bei denen die deutschen Teams insgesamt 17 Treffer erzielten, waren eine Ansage an die Konkurrenz.

Die Bundesliga steht sehr gut da

Auch bei genauerer Betrachtung erkennt man, wie gut die Bundesliga im internationalen Vergleich aufgestellt ist. Die vier Klubs aus der Premier League haben zusammen 31 Punkte sammeln können und damit die beste Ausbeute. Danach folgt aber bereits die Bundesliga mit 26 Punkten, noch vor La Liga (24) und der Serie A (17). Die deutschen Vertreter verloren nur zwei von zwölf Spielen, drei Teams stehen zur Halbzeit der Gruppenphase auf dem ersten Tabellenplatz in ihrer Gruppe.

Nun können der FC Bayern und Borussia Dortmund, auch wenn sie nicht wie Teile der Konkurrenz von einem milliardenschweren Eigentümer mit Finanzspritzen versorgt werden, finanziell im internationalen Vergleich zumindest mithalten, auf die positive Überraschung Borussia Mönchengladbach trifft dies jedoch nur bedingt zu. Die unglücklichen Remis gegen Inter und Real Madrid sind deswegen noch höher zu bewerten, der 6:0-Sieg bei Shakhtar in der Ukraine war zudem enorm beeindruckend. Zum Vergleich: Die vier Teilnehmer aus der Bundesliga gaben im Sommer 147,5 Millionen Euro aus, dem gegenüber stehen 581,8 Millionen Euro der Klubs aus der Premier League.

Darum ist die Bundesliga auf Augenhöhe

Die Gründe für das gute Abschneiden der Bundesliga im internationalen Vergleich sind vielschichtig. Es mag wie eine Floskel klingen, aber gute Arbeit und Kontinuität zahlen sich aus.

Bei Borussia Mönchengladbach arbeitete Max Eberl seit Jahren hervorragend, holt aus vergleichsweise geringen finanziellen Ressourcen das Optimum heraus. Dass er Marco Rose anstelle von Dieter Hecking als Cheftrainer engagierte, in einer Phase, in der es für die Fohlen nicht einmal schlecht lief, war ein genialer Schachzug. Eberl erkannte Optimierungspotenzial und handelte entsprechend. Der FC Bayern hat indes mit Hansi Flick als Nachfolger von Niko Kovac den passenden Mosaikstein gefunden, der mit einer neuen, offensiveren Ausrichtung aus einer sehr guten Mannschaft die beste in Europa formte.

Borussia Dortmund gelingt es hervorragend, junge Spieler auszubilden und den größten Talenten in ihrer jeweiligen Altersklasse eine Umgebung zu präsentieren, in der sie in Ruhe die ersten wichtigen Entwicklungsschritte gehen und zur Weltklasse reifen können. RB Leipzig vereint eine ähnliche Herangehensweise noch mit einem jungen und dynamischen Trainer, der viel von seiner Mannschaft verlangt und die individuelle Unterlegenheit im Vergleich mit Teams wie PSG, das zuletzt besiegt wurde, durch ein hohes Maß an taktischer Flexibilität kaschiert.

Gutes Scouting ist ein Schlüssel

Eine klare Identität zu haben, an der man sich bei der Kaderplanung orientiert, ist also von enormer Bedeutung. Um die passenden Spielertypen zu finden muss überdies das Scouting funktionieren. Mögliche Abgänge müssen schon weit im Voraus durchdacht und entsprechende Kandidaten für den Ersatz beobachtet werden. Eine hohe Trefferquote bei Spielertransfers ist entscheidend.

Selbst der FC Bayern ist darauf angewiesen, Topspieler zu verpflichten, bevor sie zu eben jenen werden. Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Serge Gnabry sind nur drei Beispiele dafür. Auch Borussia Dortmund mit Jadon Sancho oder Erling Haaland, RB Leipzig mit der Verbindung nach Salzburg oder Transfers wie Christopher Nkunku und nicht zuletzt Borussia Mönchengladbach, das einen Marcus Thuram von Guingamp, einem Absteiger aus der Ligue 1, verpflichten konnte, gehen mit gutem Beispiel voran.

Die Frage nach der Nachhaltigkeit

Doch wie nachhaltig ist das Bild, das sich derzeit abzeichnet? Das wird davon abhängig sein, ob die handelnden Personen die gute Arbeit auch weiterhin in dieser Form bestätigen können. Der FC Bayern hat herausragende Voraussetzungen, aber keine Garantie, auch in den kommenden Jahren permanent zur Créme de la Créme im europäischen Fußball zu gehören. Eine Prognose hinsichtlich der Nachhaltigkeit zu fällen, ist sehr kompliziert. Der BVB muss die richtigen Lösungen in der Hinterhand haben, falls Spieler wie Sancho oder Haaland von den finanziell besser aufgestellten Klubs weggekauft werden. RB Leipzig muss weiterhin eine gute Mischung aus klugen Transfers und Innovation finden und Teams wie Gladbach sind Jahr für Jahr darauf angewiesen, dass ein Rädchen in das andere greift. Eines ist aber klar: Verstecken muss sich die Bundesliga im internationalen Vergleich jedenfalls nicht.

Verwendete Quellen:

Mehrheit der deutschen Fußball-Fans stimmen gegen Löw

Die Mehrheit der deutschen Fußball-Fans sieht Joachim Löw nicht mehr als den richtigen Bundestrainer an. 76,5 Prozent der Befragten stimmten in einer repräsentativen Umfrage der App FanQ im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes (SID) mit "Nein". © ProSiebenSat.1