Thomas Tuchel setzt in den wichtigen Spielen nicht auf Thomas Müller. Weder in den Champions-League-Spielen gegen Manchester City noch gegen Bundesliga-Schlusslicht Hertha BSC stand er in der Startelf. Ob er sich bald nach einem anderen Verein umschaut?

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Er war nicht so gesprächig wie sonst. "Da sind wir wieder! Wir holen uns das Ding! Könnt ihr schreiben", sagte Thomas Müller nach dem 2:0 gegen Hertha BSC. Mehr sagen wollte er nicht. Gespräche um seine persönliche Situation vermeidet er.

Kein Wunder: Müller spielt unter Thomas Tuchel nur noch eine Nebenrolle. Im Heimspiel gegen Berlin, in dem es immerhin um die Tabellenführung ging, wurde er erst in der 61. Minute eingewechselt.

Die Erklärung von Tuchel: "Thomas ist super wichtig. Aber er hat ein bisschen Rückenprobleme. Ich wollte mir auch die Möglichkeit offenhalten, die letzten 30 Minuten mit Thomas zu Ende zu spielen. Falls wir jemanden brauchen, der Erfahrung hat, einen Riecher hat und der das Selbstvertrauen nicht verliert, weil es noch 0:0 steht."

Thomas Tuchel spielt Personalie Müller herunter: "Kein Problem zu händeln"

Dass Unzufriedenheit entstehen könnte, wenn Müller lediglich Einwechselspieler ist, befürchtet Tuchel offenbar nicht: "Thomas ist überhaupt kein Problem zu händeln. Er ist top-top-top-professionell, super emotional. Der hat 90 Minuten darauf gebrannt, reinzukommen."

Auffällig ist allerdings, dass Tuchel in den wichtigen Spielen oftmals nicht auf Müller setzt. In den beiden Champions-League-Viertelfinalspielen gegen Manchester City wurde Müller ebenfalls erst in der Schlussphase eingewechselt. Die damalige Begründung von Tuchel: "Wir erwarten kein typisches Thomas-Müller-Spiel. Sprich die letzten 30 Meter, wo er absolute Weltklasse ist."

Felix Magath wundert sich über Erklärung von Tuchel

Diese Begründung kann man verstehen oder nicht. Dass Tuchel allerdings auch gegen Tabellenschlusslicht Hertha BSC nicht auf Müller setzt, sorgt für Verwunderung. Schließlich war zu erwarten, dass der FC Bayern das Spiel dominieren und sich viel in den letzten 30 Metern aufhalten würde.

Der frühere Bayern-Trainer Felix Magath sagte bei "Sky90": "Wenn Manchester City nicht zugeschnitten war auf Thomas Müller und Hertha BSC das auch nicht ist, wird es so langsam schwer. Ich weiß nicht, welche Spiele dann auf Thomas Müller zugeschnitten sind."

Auch Lothar Matthäus kann nicht verstehen, dass Tuchel nicht die Führungsqualitäten von Müller nutzt: "Thomas Müller will von Anfang an spielen. Ich glaube, dass ihn die Mannschaft mehr braucht als in den letzten Jahren. Denn in den letzten Jahren war Manuel Neuer (als Führungsspieler, Anm. d. Red.) auf dem Platz. Thomas Müller ist ganz wichtig für die Mannschaft."

Passt Thomas Müller nicht in das Spielsystem von Tuchel?

Der Grund dafür, dass Tuchel trotzdem nicht dauerhaft auf Müller setzt, könnte im Spielsystem liegen. Der 33-Jährige lässt sich nicht in ein bestimmtes Schema pressen. Er ist weder ein klassischer Stürmer, noch ein typischer Flügelspieler oder Spielmacher. Müller braucht Freiheiten auf dem Platz, um seine Spielintelligenz und seinen Torriecher zur Geltung zu bringen.

Tuchel weiß, welche große Bedeutung Müller als Identifikationsfigur hat. Daher unterstreicht er immer wieder den hohen Stellenwert dieses Spielers. Sogar in taktische Überlegungen scheint er Müller mit einzubeziehen.

Denn eines dürfte Tuchel bewusst sein: Kein Trainer, der beim FC Bayern nicht auf Müller gesetzt hat, war dauerhaft erfolgreich. Niko Kovac brachte im Oktober 2019 sogar den verhängnisvollen Satz: "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er auch seine Minuten bekommen." Wenige Wochen später wurde Kovac freigestellt.

Matthäus hält einen Abschied von Müller für möglich

Nun allerdings befindet sich Müller im Herbst seiner Karriere. Sein Vertrag in München endet im Sommer 2024. Tuchel kündigte an, dass die Kaderplanung in dieser Woche in Angriff genommen werden soll. Welche Rolle Müller dabei spielen wird?

Matthäus wäre überrascht, "wenn Müller plötzlich wieder zum Stammspieler wird." In seiner Sky-Kolumne spekuliert er sogar über einen Abschied von Müller: "Dann ist wohl der Punkt erreicht, an dem er sich den Transfermarkt mindestens ganz genau anschaut, um nicht zu sagen geht. Denn das macht er nicht mit. Den Fans wird es nicht schmecken, denn er ist die Identifikationsfigur schlechthin des FC Bayern."

Aber eben eine Identifikationsfigur, die momentan nur noch eine Nebenrolle spielt.

Verwendete Quellen:

  • sport.sky.de: Matthäus: Das macht Müller nicht mit
  • Sky 90 (30.04.2023)
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