Spürhunde suchen im Mannschaftsbus nach Bomben, der Flug verspätet sich um eine Stunde, der Trainer meckert, und Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic fliegen erst gar nicht mit: Die Werbe-Tour des FC Bayern München durch die USA klingt nach Tortur. Der Vereinsboss aber verteidigt sie gegen jede Kritik.

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Als Karl-Heinz Rummenigge noch für den FC Bayern München stürmte, war der noch kein Rekordmeister, hatte kaum Geld und flog am Ende der Saison nach Singapur, um Werbung für sich zu machen.

Als Breitner Hoeneß das Trikot vor die Füße warf

Im Sommer 1983 war das, und Rummenigge war neben seinem kongenialen Partner Paul Breitner die Attraktion der Mannschaft. Breitner, genervt vom stundenlangen Flug und der Schwüle in Asien, warf noch während des ersten Spiels dem damaligen Manager Uli Hoeneß sein Trikot vor die Füße und spielte nie mehr für den FC Bayern. Rummenigge schloss sich dem Streik nicht an.

Heute ist er Vorstandschef des FC Bayern und hat Verständnis für die kritischen Worte von Trainer Niko Kovac, was eine sportlich beschwerliche Reise wie jene zur Audi Summer Tour in den USA betrifft.

Rummenigge verteidigte die Reise der Bayern in die Vereinigten Staaten jedoch erneut. "Alle Trainer, die in den letzten Jahren bei uns gearbeitet haben, haben da mitgespielt. Es ist wichtig, dass man die Reise ganz einfach so akzeptiert, wie sie ist. Das ist, ich kann mich da nur wiederholen, alternativlos", stellte Rummenigge vor Medien am Montag vor dem Abflug in die USA klar.

Dieser verzögerte sich allerdings um eine Stunde. Zuvor hatten gar Spürhunde auf dem Vereinsgelände den Mannschaftsbus auf eine mögliche Bombe durchsucht. Sie wurden nicht fündig.

Die Reise selbst, die Präsident Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic aus Termingründen nicht mit antraten, bietet genügend Zündstoff. 2016, als Carlo Ancelotti beim FC Bayern Pep Guardiola als Cheftrainer beerbte und mit der Mannschaft gen Übersee abhob, hatte Rummenigge noch verkündet: "Grundsätzlich steht beim FC Bayern nicht die Vermarktung im Mittelpunkt, sondern der Fußball."

Rummenigge: "Wir müssen das machen"

Drei Jahre später weist Rummenigge vor allem auf die Verpflichtungen des Vereins gegenüber seinen Geldgebern hin: "Wir müssen das machen, wir müssen zusehen, dass wir unsere Sponsoringaktivitäten, unsere Merchandisingaktivitäten auf diese Art und Weise auch in die Welt hineinbringen."

Kovac missfallen die "erschwerten Bedingungen" in der Vorbereitung. "Man muss zwölf Stunden nach Los Angeles fliegen, man hat neun Stunden Zeitunterschied. Man muss sich akklimatisieren und versuchen, das alles zu drehen", schilderte Kovac die Problematik, Sport und Business zu verbinden.

"Ein Trainer muss da mitspielen", betonte Rummenigge. "Ich kann mir vorstellen, das ist alles für einen Trainer nicht so einfach, zwölf Stunden Flug, es gibt eine Zeitdifferenz, aber auf der anderen Seite kommen wir wieder, haben dann noch über drei Wochen Zeit, uns auf die Bundesliga vorzubereiten, es gibt noch ein Trainingslager am Tegernsee, dementsprechend sehe ich da kein großes Problem."

Mit Material der dpa
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