Schmähplakate einiger Fans des FC Bayern gegen den Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim Dietmar Hopp hatten am Samstag fast zu einem Spielabbruch geführt. Aber warum ist der Hass auf Hopp offenbar so groß, dass dafür sogar ein 6:0-Sieg gefährdet wird?

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Vergangen Samstag hatten einige Fans des FC Bayern im Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim fast einen Spielabbruch provoziert. Der Grund: ein Schmähplakat gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp.

Das Plakat war nicht das erste seiner Art in deutschen Fankurven und sorgte in diesem Fall doch für bislang einzigartigen Schulterschluss der beiden Mannschaften auf dem Feld. Man wolle Hass im Stadion nicht länger tolerieren, so die gemeinsame Botschaft, die ihre Durchsetzungskraft auch in Bezug auf andere Themen in den Stadien erst noch beweisen muss.

Aber nicht nur dieser noch nie dagewesene Vorgang des Fast-Spielabbruchs aufgrund eines Plakats lässt manche Fußballfans etwas ratlos zurück. Viele fragen sich auch, woher dieser Hass auf Dietmar Hopp eigentlich kommt. Was hat der SAP-Milliardär getan, was ihn in den Augen vieler Ultras zur Persona non grata macht? Und warum entlädt sich der Hass gerade in den letzten Tagen vermehrt?

Dietmar Hopp selbst scheint die Welt nicht mehr zu verstehen: "Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen", sagte der 79-Jährige bei Sport1. "Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten."

Hopp als Gesicht der Kommerzialisierung

Dass viele Fans nicht besonders gut auf Hopp zu sprechen sind, nimmt seinen Anfang bereits 2008, als Hopp viel Geld in die Hand nimmt und aus dem Provinzverein TSG 1899 Hoffenheim einen Bundesligisten und Europapokalteilnehmer macht – und sich selbst damit für einige Fangruppen zum ultimativen Feindbild einer voranschreitenden Kommerzialisierung im deutschen Fußball. Und das lange vor Red Bull.

Auch, dass für Hopp seit 2015 eine Ausnahme der 50+1-Regel gilt, stößt vielen Fans sauer auf. Zwar gilt diese Ausnahme auch für die Werksklubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg, doch Hopp ist die erste Privatperson, für die der DFB die Regel außer Kraft setzen ließ.

Dass die TSG nun schon seit über zehn Jahren ein gewachsener Teil der Bundesliga ist und wohl auch ohne Hopp überlebensfähig wäre, wird dabei häufig einfach ignoriert.

Vor allem die Fans von Borussia Dortmund fallen immer wieder mit Aktionen gegen Hopp auf, schon 2008 zeigen sie Hopps Konterfei in einem Fadenkreuz. Eine Aktion, die erst vor Kurzem wiederholt wurde.

Hopp geht gegen Schmähungen vor

Weil Hopp die Schmähungen jedoch nicht still hinnahm, sondern unter anderem Hausverbote für BVB-Fans aussprach, immer wieder Strafanzeige stellte und die Auswärtskurve der BVB-Fans bei beleidigenden Gesängen mit Hochfrequenztönen beschallen ließ, loderte der Hass immer wieder von Neuem auf.

Im aktuellsten Fall handelt es sich im Übrigen nicht um ein isoliertes Plakat der Bayern-Fans, sondern um eine koordinierte Aktion mehrerer Ultra-Gruppen. Auch bei der Partie zwischen dem SC Freiburg und Borussia Dortmund und bei Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg wurde gegen Hopp demonstriert.

Hass gilt auch dem DFB

Der Auslöser war die Entscheidung des DFBs am 20. Februar 2020, die Fans des BVB für zwei Spielzeiten von den Auswärtsspielen bei der TSG 1899 Hoffenheim auszuschließen. "Für zahlreiche Fanszenen war nun, in Form der ausgesprochenen Kollektivstrafe gegen die gesamte Dortmunder Anhängerschaft, eine Grenze überschritten worden, dessen logische Konsequenz in den vielerorts gezeigten Solidaritätsbekundungen lag", begründen die Bayern-Fans auf der Seite "südkurve-muenchen.org" die Plakate gegen Hopp.

Der DFB hatte 2017 verkündet, keine Kollektivstrafen mehr aussprechen zu wollen, hatte sich jedoch das Recht dazu weiter vorbehalten. Nun wird sich zeigen, wie und ob die Bayernfans nach dem Eklat von Hoffenheim sanktioniert werden. Und ob nun auch künftig bei Schmähungen aller Art genauso hart durchgegriffen wird.

Hopps Anwalt Christoph Schickhardt fordert in jedem Fall ein hartes Durchgreifen gegen die Übeltäter. "Das Verbandsrecht kann ein Stadionverbot aussprechen, ein bundesweites Stadionverbot. Das ist ein sehr scharfes Schwert", erklärte Schickhardt im Südwestdeutschen Rundfunk SWR. Das Muster aller Lösungen sei jedoch die Selbstreinigung: "Die Fans müssen diese Leute ausschließen. Die Fans sind die Lösung."

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