Der Titelkampf zwischen dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg ist geprägt durch fußballerische Schwierigkeiten. Im Abstiegskampf macht der 1. FC Nürnberg einen großen Schritt. Der SC Freiburg feiert seine Neuzugänge. Fünf Erkenntnisse zum elften Spieltag der Bundesliga.

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Abstiegskampf: 1. FC Nürnberg ist Gewinner des Spieltags

Der 1. FC Nürnberg fährt seinen zweiten Saisonsieg ein – und was für einen! Mit dem hochverdienten 2:1-Erfolg beim MSV Duisburg klettert der Club erstmals in dieser Spielzeit auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Gerade zu Beginn der Saison, als die Franken mehrfach hohe Niederlagen kassierten, rechneten viele damit, dass sie einfach wieder in die 2. Bundesliga durchgereicht werden.

Doch Nürnbergs Aufwand macht sich bezahlt. Sie wussten, was sie im Oberhaus erwarten würde und sie trotzten kritischen Stimmen, die ihre Herangehensweise als zu naiv betrachtet hatten. Der FCN blieb sich und seiner mitunter mutigen Spielweise mit höheren Pressingphasen treu.

Gerade offensiv hat das Team zugelegt, ist zielstrebiger und insgesamt gefährlicher geworden. In den letzten drei Bundesliga-Partien erreichte der Club jeweils einen Expected-Goals-Wert von über 1,0. Das gelang zuvor nur ein einziges Mal: In Freiburg. Mit dem Sieg in Duisburg konnte man den MSV auf sechs Punkte distanzieren und zog an RB Leipzig vorbei, die nun zwei Punkte hinter dem FCN stehen.

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Abstiegskampf: MSV Duisburg als großer Verlierer

Während bei der Konkurrenz in Nürnberg einiges in die richtige Richtung geht, stagniert der MSV Duisburg. Schon in der vergangenen Saison brauchte man einiges an Spielglück, um den Klassenerhalt zu schaffen. In der aktuellen Spielzeit fehlt dieses Glück komplett.

Duisburg ist vor allem fußballerisch nicht reif für die Bundesliga. Nur tief verteidigen und dann darauf hoffen, dass einige wenige Umschaltsituationen zum Erfolg führen, funktioniert nicht (mehr). Nun ist es für einen Club wie den MSV sicher schwer, sich unter der starken Konkurrenz in der Bundesliga zu etablieren.

Gleichwohl ist nicht davon auszugehen, dass der 1. FC Nürnberg hier signifikante Vorteile hätte. Gerade mit dem einen Jahr Bundesliga-Erfahrung mehr hätte man vom MSV durchaus erwarten können, dass nach der Hinrunde mehr als zwei Punkte auf dem eigenen Konto stehen. So aber muss sehr viel passieren, dass Duisburg in dieser Saison nicht zu den beiden Absteigern zählt.

SC Freiburg: Neuzugänge beleben das Team

Für den SC Freiburg ist es bisher eine enttäuschende Saison. Bis zum Spiel gegen RB Leipzig am Wochenende holte das Team von Theresa Merk nur zwölf Punkte aus zehn Spielen. Nachdem die Freiburgerinnen in der vergangenen Saison mit viel Offensivdrang überzeugten, fehlte in dieser Saison nicht nur die Offensivpower, sondern auch die defensive Balance.

Dementsprechend wurde der Sportclub auf dem Transfermarkt aktiv. Gleich vier Spielerinnen wurden geholt, zwei von ihnen standen gegen Leipzig direkt in der Startelf: Eileen Campbell (22) im Sturm und Annie Karich (19) in der Innenverteidigung. Beides Neuzugänge, die perfekt in das Schema des SC Freiburg passen.

Im Breisgau will man sich weiterhin als Sprungbrett für Spielerinnen etablieren, die sich in einem professionellen und ruhigen Umfeld auf ihren Schritt zu einem Top-Club vorbereiten wollen. Campbell, immerhin schon Nationalspielerin Österreichs, zeigte sofort, dass sie dem Team weiterhelfen kann. Sie machte viele Bälle fest, bewegte sich klug in der Offensive und sorgte für Stabilität.

Interessant: Merk stellte um und mit Karich und Minge zwei gelernte Mittelfeldspielerinnen in die Innenverteidigung und mit Steuerwald eine Innenverteidigerin auf die Sechs. Zumindest in Leipzig ging der Plan auf. Minge und Karich gewannen einige wichtige Duelle. Karich fing zudem vier Pässe ab, Steuerwald drei und Minge zwei.

Und noch ein dritter Neuzugang wusste zu überzeugen: Leela Egli wurde in der 61. Minute für Lisa Kolb eingewechselt und erzielte kurz vor dem Ende das 2:0. Die 16-Jährige gilt als großes Talent. Es ist ein kleines Statement für den SC, dass sie in der Lage waren sich eine solche Spielerin zu sichern. Für Freiburg ist der 2:0-Sieg nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Aber ein wichtiger.

FC Bayern: Schwieriger Start ins neue Jahr

Zu alter Stärke möchte auch der FC Bayern München finden. Mit dem 1:0-Sieg gegen die TSG Hoffenheim gelang den Münchnerinnen ein wichtiger Erfolg. Wirklich überzeugend war der Auftritt des Meisters aber erneut nicht.

Schon unter der Woche in Rom knüpften die Bayern da an, wo sie 2023 aufgehört hatten: Offensiv zu harmlos, defensiv mit der einen oder anderen unnötigen Einladung. Gegen Hoffenheim stand man in der Abwehr stabiler. Auch weil Neuzugang Linda Sembrand ihr Debüt feierte. Die 36-Jährige strahlte sofort eine Grundsicherheit aus, die auf die Mitspielerinnen abfärbte. Auch ihr Spiel mit dem Ball war eine deutliche Verbesserung zu der Leistung von Tuva Hansen in Rom.

Für die Bayern ist der Kaltstart ins neue Jahr ein schwieriger. Am Dienstagabend steht das Gruppenfinale in der Champions League gegen Paris Saint-Germain an. Das Spiel muss gewonnen werden, will man ins Viertelfinale einziehen. Nur muss dafür vor allem offensiv deutlich mehr kommen. Bayern ist einfach zu harmlos im Moment – und so könnte es dann auch schwer mit der Meisterschaft werden.

VfL Wolfsburg: So wird es schwer mit der Meisterschaft

Wobei: Diese These lässt sich auch für den VfL Wolfsburg aufstellen. Sie muss nur anders begründet werden. Bei der SGS Essen taten sich die Wölfinnen lange Zeit sehr schwer. Offensiv fehlte ihnen – analog zu den Bayern – das Mittel für Durchbrüche. Außerdem ließen sie immer wieder offensive Umschaltsituationen der SGS zu.

Auch wenn der VfL statistisch fast zu jedem Zeitpunkt die Oberhand hatte, so war es kaum überraschend, dass es nach 51 Minuten 1:0 für Essen stand. Lilli Purtscheller vollendete einen Konter. Wolfsburg aber zeigte abermals jene Qualität, die den Bayern momentan fehlt: Kaltschnäuzigkeit. In 13 Minuten brachte das Team von Tommy Stroot die drei Punkte mit drei Toren nach Hause.

Zwei Einzelaktionen von Ewa Pajor, die einmal den Ausgleich von Vivien Endemann vorbereitete und schließlich selbst das 3:1 erzielte, und ein wuchtiger Fernschuss von Marina Hegering ließen Wolfsburg abermals besser aussehen, als es die Leistung hergegeben hätte.

Der Titelkampf ist paradox. Zusammen würden der VfL Wolfsburg und der FC Bayern womöglich ein absolutes Spitzenteam abgeben. So aber fehlt beiden an entscheidenden Stellen etwas. Wolfsburg kann das aktuell noch etwas besser kaschieren. Denn sie treffen das Tor einfach zuverlässiger. Doch auch für den VfL gilt: So könnte es dann schwer mit der Meisterschaft werden.

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