Wer Deutscher Meister wird, lässt sich noch nicht sicher sagen, aber drei Gründe sprechen für Borussia Dortmund.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Christopher Giogios dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Das wichtigste sportliche Argument für den BVB lässt sich aus der Tabelle ablesen. Die Bayern spielen, so merkwürdig das für einen Tabellenführer klingt, eine historisch schlechte Saison. Einen derart niedrigen Punktestand nach dem 32. Spieltag hatten die Münchener zuletzt in der Saison 2010/11. Der Meister damals: Borussia Dortmund.

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Die Borussia hingegen absolviert trotz haarsträubender Rückschläge insgesamt eine gute und vor allem deutlich konstantere Rückrunde.

Jeder Spieler will den Dortmunder Traum wahrmachen

Ein guter Marker für die Form einer Mannschaft ist der individuelle Blick auf die Gewinner und Verlierer einer Halbserie. Bei den Schwarzgelben ist die Liste der Rückrunden-Gewinner lang: Donyell Malen etwa, den nicht wenige Fans in der Winterpause am liebsten verschenkt hätten, spielt sich momentan in einen Rausch. Auch ein Karim Adeyemi, zu Saisonbeginn noch mit einigen Startschwierigkeiten, legte beim 6:0 gegen den VfL Wolfsburg zwei Tore und eine Vorlage auf - um dann zu Tode betrübt vom Platz zu trotten, weil er beim Stand von 5:0 einen Elfmeter vergab. Diese Einstellung verkörpert, was Trainer Edin Terzic und auch die Fans von den Spielern erwarten.

Selbst die vermeintlichen Verlierer der Rückrunde nehmen ihre Rolle zu einhundert Prozent an. Allen voran ist Mats Hummels zu nennen, der inzwischen weitgehend von Niklas Süle und Nico Schlotterbeck aus der Startelf verdrängt worden ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass Hummels als Motivator und Vorzeigeprofi bei den BVB-Fans wieder enormes Ansehen gewonnen hat. Man spürt: Jeder Spieler trägt aktuell seinen Teil dazu bei, um den Dortmunder Traum wahrzumachen.

Der Zeitpunkt: Die Liga braucht einen Meister aus Dortmund

Sicher: die Meisterschaft gewinnt der BVB in erster Linie für sich selbst. Klar ist aber auch: Die ganze Liga, die Nachbarn aus Gelsenkirchen einmal ausgenommen, lechzt danach, dass die Bayern-Dominanz des letzten Jahrzehnts wenigstens für eine Saison gebrochen wird. Durch die Verpflichtung von Thomas Tuchel kann man bereits erahnen, was der Bundesliga in den nächsten Jahren blühen wird. Ähnlich wie nach den Dortmunder Titeln 2011 und 2012 wird der FC Bayern nach einer unbefriedigenden Saison im Sommer garantiert wieder aufrüsten. So offen das Meisterschaftsfenster jetzt ist, so schnell wird es sich wohl auch wieder schließen. Der BVB hat nun eine Chance, die so schnell nicht wieder kommen wird.

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Emotional: Die Dortmunder Euphoriewelle

Der entscheidende Vorteil für Schwarzgelb: der BVB reitet momentan auf einer Welle der Euphorie in Richtung Saisonfinale. Man hat das Gefühl, dass Mannschaft und Anhänger erst am 29. Spieltag, als man kurzzeitig die Tabellenführung übernahm, so richtig realisierten: Moment mal - wir können ja wirklich Meister werden!

Seitdem kann man in und um den Verein eine freudige Anspannung wahrnehmen, die seit 2012 nicht mehr zu verspüren war. Endlich schwappen wieder lautstarke Gesänge über den "Deutschen Meister BVB" und ausgezogene bayrische Lederhosen durch das Westfalenstadion. Derweil machen die Münchener den Eindruck, als ob man sich in einer bereits verkorksten Saison in Richtung Ziellinie schleppt. Frei nach Jürgen Klopp: Die Lust am Gewinnen muss größer sein als die Angst vor dem Verlieren.

Einer verkörpert die Dortmunder Gefühlslage ganz exemplarisch: Edin Terzic. Terzic, den man nach dem Unentschieden beim VfL Bochum und haarsträubenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichters am liebsten in den Arm nehmen wollte, als er verbittert zu Protokoll gab, dass er möglicherweise nur diese eine Chance haben werde, in seiner Karriere die Meisterschale zu gewinnen. Wer, wenn nicht ein echter Borusse wie Terzic hätte es verdient, den BVB wieder an die Spitze zu führen?

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