Der Wechsel an der CDU-Spitze ist auch für die anderen Parteien im Bundestag richtungsentscheidend. Hier ein Überblick, was SPD, Grüne und Co. zu Annegret Kramp-Karrenbauers Vorsitz sagen.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Es ist mehr als nur eine Personalie: Für die CDU ist die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer eine Richtungsentscheidung. Das lässt auch die anderen Parteien nicht unberührt - ganz egal, ob sie künftig mit ihr zusammenarbeiten oder sich an ihr abarbeiten werden.

SPD

Die SPD ist gespalten: Das Regieren dürfte mit Kramp-Karrenbauer an der CDU-Spitze einfacher werden als mit Friedrich Merz. Es ist wahrscheinlicher, dass die große Koalition hält - zumindest bis zur Halbzeit-Bilanz, die sich die SPD für Ende 2019 vorgenommen hat. An der Basis hatten sich allerdings viele Merz gewünscht - um dann durch mehr Abgrenzung das eigene Profil in der großen Koalition zu schärfen. Merz wäre ein klar greifbarer Gegner gewesen, angreifbar beispielsweise durch seinen finanziellen Hintergrund und seinen Draht in die Wirtschaft. Er hätte der SPD bringen können, was viele zuletzt vermissten: Profil, Unterscheidbarkeit.

CSU

Man könnte annehmen, dass die CSU mit dem konservativen Friedrich Merz besser hätte leben können als mit der Merkel-Vertrauten Kramp-Karrenbauer. Aber der scheidende CSU-Chef Horst Seehofer sieht das nicht zwingend so. In der "Bild am Sonntag" sagte er, mit Kramp-Karrenbauer erwarte er einen Aufschwung für die Konservativen. "Ich bin mir sicher, dass die Union mit ihr wieder Wahlergebnisse über 40 Prozent erzielen kann." Kramp-Karrenbauer habe im Saarland gezeigt, dass sie trotz schwieriger Lage Wahlen gewinnen kann.

Schwarz-Grün realistische Machtperspektive

GRÜNE

Die Grünen streben angesichts ihres Höhenflugs nach politischer Gestaltungsmacht. Schwarz-Grün, was viele bei den Grünen als einzige realistische Machtperspektive sehen, ist mit Kramp-Karrenbauer eher vorstellbar als mit Merz, der den Grünen als neoliberaler Hardliner gilt und der Parteibasis schwierig als Partner zu verkaufen wäre. Von "AKK" erhoffen sich die Grünen, dass sie trotz konservativerer Einstellung mehr oder weniger an Merkels Kurs zur Modernisierung der Partei festhält. Ärgern werden sich die Gegner einer schwarz-grünen Zusammenarbeit: Sie hatten gehofft, dass sich beide Parteien mit Merz wieder stärker voneinander abgrenzen würden und Rot-Rot-Grün auch im Bund eine Chance bekäme.

FDP

Der FDP wird nachgesagt, sie hätte sich mit Merz schwerer getan als mit Kramp-Karrenbauer. Denn der wirtschaftserfahrene, liberal-konservative Merz hätte Wähler von der FDP zurückgeholt, die sich bei der Bayern- und der Hessenwahl zu den Liberalen aufgemacht haben. Allerdings hat die FDP viel weniger Stimmen ehemaliger Unionswähler für sich gewinnen können als AfD und vor allem Grüne, so dass das Merz-Argument nur zum Teil sticht.

"Fortsetzung des Merkelschen Kurses"

AFD

Die AfD betont zwar, sie hätte es mit jedem neuen CDU-Chef aufnehmen können, hat sich zuletzt jedoch darauf konzentriert, Merz als illoyalen Großkapitalisten darzustellen. Denn der hat auch in Kreisen potenzieller AfD-Wähler Anhänger. Nach der Wahl von Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin ist bei den Rechtspopulisten deshalb Erleichterung spürbar. "Für die AfD gab es, anders als kolportiert, keinen Angst-Kandidaten", sagte AfD-Chef Jörg Meuthen der dpa. Die Wahl von Kramp-Karrenbauer stehe "aber sicher in besonderem Maße für eine Fortsetzung des Merkelschen Kurses der vollständigen Sozialdemokratisierung der Union". Sie habe gezeigt, dass die AfD "die einzige wirklich konservative Partei Deutschlands" sei.

LINKE

Viele Linke hätte es gefreut, wenn die CDU mit Merz an der Spitze weiter nach rechts gerückt wäre, weil ihnen das klassische Rechts-Links-Schema der Politik Wählerstimmen bringt. Merz hätte leichter Angriffspunkte für linke Kritik geliefert als Kramp-Karrenbauer. Zugleich wäre mit einer konservativeren Merz-CDU auch Rot-Rot-Grün als Regierungsalternative wieder realistischer geworden. An den Perspektiven der Linken für die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland ändert sich nichts: Kramp-Karrenbauers CDU hat schon im Sommer eine Zusammenarbeit mit den Linken klar ausgeschlossen.

(dpa/af)