Donald Trump überzieht die Welt mit Zöllen und versetzt den Welthandel in Aufruhr. Das dürften auch die Verbraucher zu spüren bekommen. Doch wie stark und wann – das ist noch nicht klar.
"Ein Anschlag" auf die globale Handelsordnung sei die Zoll-Offensive
Donald Trump hat mit seinen Ankündigungen zu neuen Zöllen quasi der Weltwirtschaft den Krieg erklärt. Ab Samstag sollen alle Importe in die USA pauschal mit Zöllen von zehn Prozent belegt werden. Dazu sollen noch deutlich höhere Strafabgaben für viele verschiedene Länder rund um den Globus kommen. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA sind demnach Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.
Wie so oft bei Donald Trump sind viele Details noch unklar. So rätseln man etwa noch, wie die Berechnung der jeweiligen Zölle zustande gekommen ist. "Wir tappen noch im Dunkeln", sagt etwa Rolf Langhammer, Ökonom am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Dennoch sorgt Washington mit seinen Ankündigungen für Wirbel bei Wirtschaftsexperten auf der ganzen Welt. Doch auch Verbraucher dürften die Auswirkungen zu spüren bekommen. Nur wie genau – das ist noch nicht klar.
Warum Trumps Zölle auch Verbraucher in der EU treffen
Die von Trump angekündigten Zölle beziehen sich auf Importe in die USA. Heißt: Wenn ein Unternehmen ein Produkt aus dem Ausland nach Amerika holt, zahlt es die entsprechende Gebühr. Viele Unternehmen werden diese Zusatzkosten nicht einfach wortlos hinnehmen – sondern sie vielmehr an ihre Kunden weitergeben. Dadurch steigen die Preise in den USA und die Inflation zieht an.
Für Kunden in Europa hat das erstmal keinerlei Auswirkungen. Die Betonung liegt aber auf "erstmal". Denn das Ziel von Trump ist es, Unternehmen in den USA den Anreiz zu nehmen, Produkte aus dem Ausland zu importieren.
Das würde wiederum die Firmen in den anderen Ländern – nämlich in Form von niedrigeren Verkaufszahlen – schwer treffen. Eine Exportnation wie Deutschland ist beispielsweise stark auf Absätze in den USA angewiesen. Deswegen dürften sich die Regierungen der betroffenen Länder das kaum kampflos gefallen lassen – und das würden die Verbraucher auch in Europa zu spüren bekommen.
Denn hier gilt dasselbe Prinzip: Importiert etwa ein deutsches Unternehmen Güter aus den USA, werden diese durch mögliche Gegenzölle teurer für den Endkunden.
Höchstwahrscheinlich geht das aber nicht in allen Branchen. In hart umkämpften Märkten, wo sich die Preise von Hersteller zu Hersteller nur wenig unterscheiden, würden zu drastische Preissteigerungen dem eigenen Geschäft schaden.
Dort könnten Unternehmen deshalb darauf setzen, stattdessen ihre eigene Marge zu verringern. Heißt: Die Differenz zwischen ihren eigenen Kosten und dem Verkaufspreis zu verkleinern.
Die Kunden würden dadurch weniger stark belastet, das Unternehmen dafür umso mehr – was etwa zu Jobverlusten führen könnte.
Wie wichtig sind die USA für Deutschlands Handel?
Die Vereinigten Staaten zählen zu den wichtigsten Handelspartnern der Bundesrepublik. Laut dem Statistischen Bundesamt exportiert Deutschland schon seit 2015 in kein anderes Land so viel wie in die USA. 2024 war die Summe der Ex- und Importe zwischen Deutschland und den USA mit rund 253 Milliarden Euro so hoch wie mit niemandem sonst.
Waren im Wert von rund 161 Milliarden Euro machten sich damals auf den Weg in die USA. Aus Amerika importierte Deutschland für rund 91 Milliarden Euro .
Was heißt das für Verbraucher?
Das lässt sich noch nicht genau sagen. Denn: Die EU hat zwar bereits Gegenmaßnahmen auf die US-Zölle angekündigt – wie diese im Detail aussehen, ist aber noch völlig unklar.
Laut dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) könnten Verbraucher in Deutschland sogar möglicherweise erst mal profitieren. Das IfW hat berechnet, wie sich die Zölle auf die Verbraucherpreise auswirken könnten.
In Deutschland könnten diese demnach um 1,42 Prozent sinken. Denn wenn die Nachfrage nach deutschen Produkten in den USA durch die Zölle sinkt, dürften die Hersteller mit Preissenkungen im Inland reagieren.
Global gesehen würden die Preise den Berechnungen zufolge hingegen um 0,85 Prozent steigen. Vor allem in den USA dürfte man Trumps Zoll-Offensive deutlich zu spüren bekommen. Hier kommt das Institut auf eine Steigerung der Verbraucherpreise um 9,1 Prozent.
Das IfW verweist aber darauf, dass diese Zahlen eher als Orientierung zu verstehen sind. Unter anderem, weil mögliche Gegenmaßnahmen der EU bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden.
Bis diese konkret feststehen, könnte es laut Bernd Lange auch noch eine Weile dauern. Lange ist Vorsitzender des Handelsausschusses des EU-Parlaments. Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte er, dass man in zwei Schritten auf Trumps Zölle reagieren werde.
Zunächst werde die EU Mitte April Gegenzölle auf Stahl und Aluminium erlassen. Zudem werde man Trumps Ankündigungen genau analysieren und dann weitere Gegenmaßnahmen vorbereiten. Dieser Prozess werde laut Lange etwa "einen Monat dauern". Denn darüber werde in "einem demokratischen Prozess" entschieden. "Hier in Europa entscheidet das nicht einer alleine".
Zum einen werde man sich genau anschauen "welche Produkte wie stark tangiert worden sind" und die Gegenzölle "nicht mehr als wir wirklich geschädigt werden" ansetzen. Hintergrund dafür dürfte sein, dass die EU eine weitere Eskalation des Handelskrieges vermeiden möchte. Sollte sie bei den Gegenmaßnahmen überreagieren, könnten die USA nachziehen – was eine Gefährliche Spirale für die Weltwirtschaft bedeuten würde.
Außerdem wolle man "Produkte bezollen, für die es innerhalb der Europäischen Union für die Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch die Industrie, Alternativen gibt".
Die Maßnahmen der EU könnten sich laut Lange auch nicht nur auf Gegenzölle beschränken. Man könne etwa auch "amerikanische Firmen, von der öffentlichen Beschaffung ausschließen" und "Abgaben auf digitale Konzerne" erheben. Treffen könnte es demnach etwa den Facebook-Mutterkonzern "Meta" zu dem unter anderem Whatsapp und Instagram gehören. Aber auch den Bezahldienst "Paypal".
Also erstmal keine konkreten Auswirkungen?
Im Ladenregal werden die Preise für Produkte zumindest nicht direkt einen Preissprung machen. Doch wer sein Geld an der Börse investiert hat, dürfte direkt Auswirkungen spüren. Die Aktienkurse rutschten am Donnerstag deutlich nach unten. Der Dax verlor etwa 2,3 Prozent und fiel auf 21.873 Punkte.
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank um 2,44 Prozent auf 26.824 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor ebenfalls über 2 Prozent.
Auch der beliebte ETF-Fond MSCI-World, den inzwischen viele Menschen als Anlage benutzen, rutschte ab. Das dürfte auch an den von Trump angekündigten Zöllen liegen. Die Aussicht, dass die EU US-Tech-Konzerne für ihre Gegenmaßnahmen ins Visier nehmen könnte, dürfte ebenfalls dazu beigetragen haben. Dass diese innerhalb des Fonds überrepräsentiert sind, ist bereits lange einer der größten Kritikpunkte am MSCI-World.
Zumindest die Verbraucherzentrale rät Investoren des Fonds trotzdem: Ruhe bewahren und langen Atem beweisen. Ein Ratschlag, der für die Börse wohl eben so gilt, wie für die Welt – die sich auf einen langen Handelskrieg einstellen muss. (Mit Material der dpa)
Verwendete Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur
- Destatis.de: Vereinigte Staaten im Jahr 2024 nach neun Jahren wieder wichtigster Handelspartner Deutschlands
- Handelsblatt.de: Ökonomen berechnen die wirtschaftlichen Folgen der Trump-Zölle
- Verbraucherzentrale.de: MSCI World im Minus – Was sollten Anleger:innen jetzt tun?
- Deutschlandfunk.de: Reaktion auf US-Zölle: EU-Politiker Lange (SPD) erwägt Abgaben für Techunternehmen