Dreieinhalb Jahre Haft. So lautet das Urteil im Prozess gegen Uli Hoeneß, der sich wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor dem Landgericht München verantworten musste. Ist das Urteil angemessen oder nicht? Die Verteidigung kündigte bereits an, in Revision gehen zu wollen. Die Politiker hingegen halten das Urteil übereinstimmend für richtig - Hoeneß' Fans haben Mitleid. Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

"Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt." Claudia Roth, Bundestags-Vizepräsidentin, bezeichnet den Richterspruch als "wichtig". Das Urteil gegen Uli Hoeneß zeige die Bedeutung von Steuern für das Gemeinwesen. Es sei "eben kein Kavalierdelikt, wenn jemand wie Hoeneß dem Staat notwendige Mittel durch Steuerbetrug entzieht." Zugute gehalten wurden Hoeneß seine privaten Spenden. Doch auch das würde ihn nicht von der Pflicht entbinden, "Steuern gemäß dem eigenen Einkommen zu entrichten", so Roth weiter.

Dem pflichtet Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag von Schleswig-Holstein bei. Er hält das Urteil sogar für milde. "Uli Hoeneß kann sich freuen, dass das Strafmaß im unteren Drittel der Möglichkeiten geblieben ist. Das führe ich darauf zurück, dass er mit seinem überschießenden Geständnis dokumentiert hat, dass er wirklich reinen Tisch machen will."

Bei den Politikern sorgte das Urteil allgemein für Aufsehen. Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert sieht im Urteil keinen Promi-Bonus. "Wer Steuern hinterzieht, schadet der Gemeinschaft. Dafür habe ich kein Verständnis."

"Vor dem Gesetz sind alle gleich"

Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) hält das Urteil im Steuerprozess ebenfalls für richtig. "Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden". Künast betont außerdem: "Vor dem Gesetz sind alle gleich. Das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt."

Ralf Stegner, stellvertretender SPD-Chef, hält den Richterspruch für gerecht: "Es geht um erhebliche Kriminalität gegen das Gemeinwesen und die Tat ist nicht strittig."

Dessen Parteikollege Joachim Poß sieht in dem "Urteil nach Augenmaß" die Höhe des Schadens ausgedrückt, die Hoeneß angerichtet habe. Er ist aber auch der Ansicht, dass dem Bayern-Präsidenten "auch manches zugerechnet worden ist, was er geleistet hat." Außerdem müsse sich Hoeneß nun bei seinen Fans entschuldigen, sagte Poß.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Michael Meister ist sich sicher, dass der Richterspruch eine positive Auswirkung auf die Steuermoral hat. "Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen", sagte Meister der "Rheinischen Post".

Zukünftig komme es darauf an, dass der Staat nicht länger auf Steuer-CDs und Selbstanzeigen angewiesen ist. "Dafür muss Minister Schäuble endlich mehr tun, statt als Ausrede auf die internationale Ebene zu verweisen", fordert Simone Peter, die Bundesvorsitzende des Bündnis 90/Die Grünen bei "derwesten.de".

Das Urteil begrüßt hat auch der Fraktionsvorsitzende vom Bündnis im Bundestag, Anton Hofreiter: "Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist. Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus für Hoeneß." Laut Hofreiter müsse Hoeneß nun als Bayern-Präsident zurücktreten.

Uli Hoeneß soll Präsidentschaft niederlegen

So sieht das auch Peter Danckert, der ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags: "Ich denke, dass Hoeneß aus diesem Urteil Konsequenzen ziehen muss und seine Präsidentschaft beim FC Bayern niederlegen muss."

Thomas Eigenthaler, der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft sieht in dem Urteil zweierlei: "Man kann an dem Urteil Folgendes ablesen: 1. Die Selbstanzeige ist unwirksam. 2. Das Gericht hat Milderungsgründe gegenüber dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft anerkannt."

Via Twitter meldet sich nach dem Urteil als erster Fußball-Profi Christoph Metzelder zu Wort: "Jetzt, da Justitia gesprochen hat, könnte die Häme aufhören!"

Im Umkreis der Fußball-Bundesliga ist der Tenor ein anderer: "Ich bin einfach nur traurig und Uli tut mir unendlich leid", so die Reaktion von Heribert Bruchhagen, Vorstandsmitglied der DFL und des DFB.

Gleiches empfindet auch Boris Becker, der sich ebenfalls bei Twitter zu Wort meldete: "Ich bin einfach nur traurig für den Mensch Uli!"

Hans Sarpei erkennt im Urteil eine zweiseitige Medaille: "Ein schlechtes Urteil für Uli Hoeneß, ein gutes für viele Millionen ehrliche Steuerzahler in Deutschland."

Auch die Fans von Uli Hoeneß stehen nach wie vor hinter ihm. Münchner vor dem Justizgebäude halten das Urteil für "unverschämt". Sie haben Mitleid mit dem verurteilten Bayern-Präsidenten.

Der FC Bayern München hingegen möchte sich zum Urteil nicht äußern. Im Laufe des Tages wird lediglich eine kurze schriftliche Erklärung des Aufsichtsrates erwartet.