Hertha BSC ist die Mannschaft der Stunde nach dem Bundesliga-Restart. Nur der FC Bayern hat mehr Punkte gesammelt als die Mannschaft von Bruno Labbadia. Die Zukunft sieht plötzlich wieder rosig aus.

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Noch vor wenigen Wochen waren die Worte Erfolg und Hertha BSC so weit voneinander entfernt, wie die pünktliche Fertigstellung des Berliner Flughafens BER.

Nach dem Wirbel um den Abgang von Jürgen Klinsmann sorgte Hertha-Stürmer Salomon Kalou mit seinem Live-Video aus der Kabine für den nächsten negativen Ausreißer beim Hauptstadt-Klub. Denn Kalous Video kam in der Debatte um den Restart der Bundesliga nach der Coronapause absolut zur Unzeit.

Wenige Wochen zuvor hatte die Hertha mit Bruno Labbadia bereits den vierten Trainer in der laufenden Saison installiert.

Nur der FC Bayern ist besser als Labbadias Hertha

Vier Spieltage nach dem Restart ist plötzlich Ruhe eingekehrt. Die Hertha rangiert auf Platz neun mit vier Zählern Rückstand auf die internationalen Geschäfte. Nur der FC Bayern hat in diesem Zeitraum eine bessere Punktausbeute vorzuweisen als die zehn Zähler des Labbadia-Teams.

Doch der neue Coach bleibt trotz der Erfolge bescheiden: "Ich bin sowas von demütig, was den Abstiegskampf betrifft, weil ich einfach so großen Respekt habe. Wenn da nur ein bisschen was schiefgegangen wäre und wir nicht so schnell die Mannschaft auf Kurs gebracht hätten, wissen wir, wo wir stehen würden."

Hertha winken weitere Windhorst-Millionen

So aber konnte Labbadia einen Umschwung bei der Hertha einläuten, der möglicherweise sogar langfristig anhält. Denn wie die "Bild" berichtet, soll Investor Lars Windhorst im kommenden Sommer eine weitere Finanzspritze in Höhe von 150 Millionen Euro planen, um im Gegenzug weitere Anteile an der KGaA zu erwerben.

Auf einem coronageplagten Transfermarkt könnte die Berliner Hertha durch Windhorsts Finanzspritze zum "Big Player" werden. Hertha-Sportdirektor Michael Preetz bremste allerdings am Donnerstag die aufkommende Euphorie im Umfeld bezüglich der frischen Windhorst-Millionen.

"Ich kann bestätigen, dass wir uns in Gesprächen mit Tennor und Lars Windhorst befinden. Aber darüber hinaus ist es nicht so, dass wir die Gespräche zum Abschluss gebracht, Vertragsentwürfe ausgetauscht oder unterschrieben haben", sagte er auf einer virtuellen Presserunde. Es empfehle sich, "über die Dinge dann zu sprechen, wenn man Vollzug melden kann“, so Preetz abschließend.

"Das hat die Wochen davor gefehlt"

Nach Monaten voller Tristesse und Chaos ist in Berlin unter Labbadias Wirken wieder ein Stück weit das Flair vom selbsternannten "Big City Club" zurückgekehrt, gerade einmal vier Spiele haben dafür ausgereich. Was wieder einmal zeigt, Fußball ist eben doch ein Ergebnissport.

Aber ohne Zweifel hat Labbadia dem Team wieder zu mehr Selbstvertrauen und Leichtigkeit im Spiel verholfen. "Man konnte nicht erwarten, dass wir zehn Punkte aus diesen Spielen holen. Die Mannschaft hat gefightet. Ich habe versucht, die Mannschaft positiv zu begleiten“, spielte Labbadia unlängst seinen Anteil am Erfolg der Berliner herunter.

Doch was vorher ein Haufen von Einzelkämpfern war, formte der ehemalige Stürmer zu einer Einheit. "Wir nehmen seine Ideen sehr gut an und sind ein Team geworden, das hat die Wochen davor gefehlt", erklärte Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt unlängst Labbadias Wirken auf das zuvor gebeutelte Team.

Piatek bislang nur Joker – zuletzt mit zwei Toren

Doch auch Herthas neuer Erfolgsgarant kann nur elf Spieler gleichzeitig auf dem Feld spielen lassen und so kommt 24-Millionen-Neuzugang Krzysztof Piatek bislang nur von der Bank. "Er ist einer, der super Anlagen hat und ein Stück weit Opfer der Situation geworden ist", meinte Labbadia nach dem Leipzig-Spiel zur Lage des polnischen Star-Neuzugangs. Dort hatte Piatek per Strafstoß der Hertha einen Zähler beschert. Auch gegen Augsburg traf der 24-Jährige, der erneut als Joker in die Partie kam.

Labbadia stellt Piatek nun sogar einen Umschwung in Aussicht: "Ich habe ihn aber auch gesagt, was ich von ihm sehen möchte. Das hat er in den letzten eineinhalb Wochen sehr gut umgesetzt. Deswegen ist Piatek immer eine Überlegung für die Startelf."

Vielleicht schon im Duell mit Borussia Dortmund am Samstagabend. Es wäre ein weiterer Schritt in Richtung Erfolgsstory für die Verbindung Piatek und Hertha BSC nach schwierigem Start.

"Der beste Trainer, weil Erfahrung unfassbar wichtig ist"

Nach turbulenten Wochen und Monaten steuert die Hertha auf ein Happy End zu, auch weil mit Labbadia ein Mann das Kommando übernommen hat, der in seiner Trainerlaufbahn schon so ziemlich alles erlebt hat – man erinnere sich nur an seine Zeit beim Hamburger SV.

Doch der 54-Jährige ist dankbar für seine bisherigen Trainer-Erlebnisse. "Ich glaube, ich bin heute der beste Trainer, der ich je war, weil die Erfahrung einfach unfassbar wichtig ist." Ohne diese Erlebnisse wäre Labbadia, laut eigener Aussage, wohl nicht in der Lage gewesen in Berlin den Umschwung einzuläuten.

So bleibt festzuhalten, der Erfolg bei Hertha BSC ist, im Moment, wieder zurück und auch der BER eröffnet noch in diesem Jahr, allerdings nicht pünktlich, doch das konnte nicht einmal Labbadia möglich machen.

Verwendete Quellen:

  • Berliner Zeitung: Hertha BSC hat plötzlich die besten Perspektiven
  • Sport1.de: Hertha nimmt Kurs auf Europa
  • TAG24.de: Nach Joker-Tor: Platzt jetzt der Knoten bei Herthas Piatek?
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