Sportlich durchwachsene Leistungen, die Hoeneß-Rückkehr, die Rummenigge-Boateng-Saga und ein Trainer in der Kritik: Es ist gerade ein bisschen zu viel los beim FC Bayern München. Das alles erinnert in Ansätzen an die längst vergessene Zeit des FC Hollywood.

Es sind unruhige Zeiten an der Säbener Straße. Sportlich läuft es nicht so richtig rund. Spieler wie Funktionäre reagieren dünnhäutig auf Kritik oder lassen ihre Unzufriedenheit in aller Öffentlichkeit aneinander aus. Und wegen der erneuten Wahl von Uli Hoeneß zum Präsidenten inklusive der wiedereröffneten "Abteilung Attacke" sind derzeit ohnehin alle Augen auf den FC Bayern München gerichtet.

Da hilft es auch nicht wirklich weiter, wenn dann Verwaltungsratsmitglied Edmund Stoiber in eine Stammtisch-Sendung eingeladen wird und dort Edmund-Stoiber-Sätze sagt wie diese: "Es sieht jeder: Wenn man drei Jahre mit so einem dominanten Trainer mit vielen Vorgaben arbeitet, und jetzt kommt ein anderer weltberühmter Trainer, der den Spielern mehr Verantwortung gibt. Es gibt mehr Freiheiten für die Spieler. Das 4-3-3-System wurde jahrelang nicht gespielt."

Und weiter: "Viele sehen jetzt erst den enormen Wert von Pep Guardiola. Trotzdem: Carlo Ancelotti wird seinen Weg gehen. Er hat eine andere Spielphilosophie. Er ist nicht der akten- und videoorientierte Trainer wie Pep Guardiola. Aber: Wir rotieren außergewöhnlich viel. Andere Trainer haben eine Kerntruppe."

Wohlwollend könnte man die Worte Stoibers so deuten, dass die Bayern unter Ancelotti noch in der Findungsphase sind. Das stimmt, man kann es leicht an den Ergebnissen und der Tabelle ablesen. Die Bayern stecken in einer Phase der Erneuerung, und ob es da ein besonders richtungsweisendes Zeichen ist, den Vertrag mit dem 33-jährigen Franck Ribéry und wohl bald auch den des bald 33-jährigen Arjen Robben nochmals zu verlängern, sei dahingestellt.

Probleme auf und neben dem Platz

Auch die offen ausgetragene Fehde zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und dem Spieler Jérôme Boateng trägt dazu bei, dass sich einige Beobachter an jene Zeiten Ende der 90er-Jahre erinnert fühlen, als der Boulevard den Begriff des FC Hollywood salonfähig gemacht hat.

Was die Auftritte der Mannschaft auf dem Platz angeht, muss der Trainer einige unschöne Dinge moderieren. Die vermehrt auftretende Kritik, dass die Mannschaft inhaltlich zu lasch und körperlich nicht intensiv genug trainiere, konnte bisher nicht entkräftet werden. Immer wieder zeigen die Bayern selbst bei Führungen während der Partien lange ausgedehnte Schwächephasen, sie verteidigen nicht sauber, die einzelnen Mannschaftsteile und Einzelspieler funktionieren nicht immer im Kollektiv.

"Man hat das selten gesehen, dass man so viel Platz hat in München", sagte Leverkusens Jonathan Tah nach dem Spiel am Samstag, das die Bayern knapp mit 2:1 gewannen. Ancelottis Mittelfeldformation mit Philipp Lahm, Xabi Alonso und Thiago war der Schnelligkeit der Leverkusener Angriffe nicht nur beim Gegentor nicht immer gewachsen.

Für Ancelottis bisweilen abwartenden Stil bei gegnerischem Ballbesitz sind das die falschen Spieler und die Alternativen für den Ancelotti-Fußball - Javi Martínez oder Arturo Vidal - müssen derzeit anderweitig eingesetzt werden oder sind verletzt. Dazu kommen die Formkrisen von Thomas Müller, Renato Sanches oder Douglas Costa. Und dann hat selbst der beste Kader der Liga auf einmal veritable Probleme.

Zé Roberto: Ancelotti ein Fehler

Auch mit Pep Guardiola war bei den Bayern nicht alles gut. Der Ex-Trainer selbst sorgte mit seiner Sturheit für genügend Randgeschichten, es sei nur an den Dauerstreit mit dem ehemaligen Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erinnert. Aber bei Guardiola stimmten bis in den Frühling hinein stets die Ergebnisse.

Das ist bei Ancelotti noch nicht der Fall, weshalb sich jetzt auch Außenstehende bemüßigt fühlen, den Italiener beziehungsweise dessen Anstellung in München zu kritisieren. "Bayern hat bei der Verpflichtung Carlo Ancelottis einen Fehler gemacht. Aber es ist schwierig, einen Trainer auf dem Niveau Pep Guardiolas zu finden oder jemanden, der wenigstens in der Philosophie ähnlich ist", sagte Ex-Spieler Zé Roberto bei "Sport 1".

So oder ähnlich wird das in den nächsten Wochen weitergehen, mit mehr oder minder gehaltvollen Aussagen von Ex-Spielern, Ex-Funktionären oder Prominenten. Beim FC Bayern sind diese nervösen Zuckungen gleich immer doppelt so ausgeprägt wie an anderen Standorten. Und am Ende zählt für die Bayern im Zweifel eh nur eines: die Champions League.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir im Juni etwas Großes zu feiern haben!", hat Uli Hoeneß am Sonntag verkündet. Am 3. Juni steigt das Finale der Königsklasse in Cardiff.