• Im Pokalfinale gegen RB Leipzig hat Borussia Dortmunds Marco Reus seine bestechende Form im Saisonfinale bestätigt und sportlich seine Ansprüche auf eine EM-Teilnahme untermauert.
  • Das ist auch dem Bundestrainer nicht verborgen geblieben. Joachim Löw äußerte sich nach dem Pokaltriumph des BVB zu Reus' Chancen, in den Kader aufzurücken.
  • Es wäre die Krönung einer Saison, die für Reus schleppend und mit viel Kritik an seiner Person begann.
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Im Sommer 2021 geht Marco Reus in sein zehntes Jahr bei den Profis von Borussia Dortmund. Der 31-Jährige könnte dann von der EM zurückkehren. "Marco hat wieder seinen Rhythmus gefunden", lobte Bundestrainer Joachim Löw den einstigen Pechvogel nach Dortmunds 4:1-Sieg über RB Leipzig im Finale des DFB-Pokals. Er habe Reus auf dem Zettel, fügte Löw auf entsprechende Nachfrage hinzu.

Schon Ende März twitterte Sport1-Chefreporter Patrick Berger Löws Aussage, er habe mit Reus' Trainer (Edin Terzic) und Reus selbst telefoniert. "Marco war immer wieder verletzt." Aber: "Er ist ein überragender Fußballer, der jeder Mannschaft helfen kann - wenn er denn fit ist."

Marco Reus verpasste wegen Verletzungen mehrere große Turniere

Reus verpasste wegen Verletzungen jeweils kurzfristig die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 und musste wegen einer Blessur auch seine Teilnahme an der EM 2016 absagen. Sechs Tage vor der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Aufgebots unterstrich Reus im Berliner Olympiastadion seine Topform und seinen Wert für jede Mannschaft. Das 2:0 durch Erling Haaland und das 3:0 durch Jadon Sancho bereitete der Fußballer des Jahres 2019 vor.

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Schon fünf Tage zuvor hatte Reus im Duell der Borussia mit Leipzig der Partie seinen Stempel aufgedrückt - und beim 3:2 den Torreigen eröffnet.

Die siebte Minute im Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig: Nach einem scharfen Pass von BVB-Urgestein Lukasz Piszczek von der rechten Außenbahn in Richtung Strafraumkante lässt Reus den Ball mit einer Körpertäuschung direkt zum hinter ihm stehenden Thorgan Hazard durchrollen und sprintet im Anschluss selbst in den Strafraum.

Der Rest ist pure Qualität: Hackenpass Hazard auf den eingelaufenen Reus, dieser lässt die beste Defensive der Liga in Gestalt von Willi Orban, Dayot Upamecano und Lukas Klostermann links liegen und befördert den Ball mit Wucht über Rasenball-Schlussmann Péter Gulásci ins Tor.

Man möchte sagen: Ein Treffer, der an den jungen, dynamischen Reus vergangener Jahre erinnert. Zutreffender ist aber: Ein Treffer, der Reus im Jahre 2021 widerspiegelt.

Marco Reus
Nach zuletzt hervorragenden Leistungen rückt Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus auch wieder ins Blickfeld der Nationalmannschaft.

"Wenn Marco großes Vertrauen spürt, wird er immer besser. Was er in den letzten Monaten gezeigt hat, war großartig", schwärmte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach den 90 Minuten im Pokalendspiel.

Schwierige Saison 2020/21 endet für Reus in einem furiosen Endspurt

Es war freilich keine leichte Saison für den 31-Jährigen. Nachdem die vergangene Spielzeit für ihn (mal wieder) mit einer monatelangen Verletzungspause zu Ende ging, startete die Saison schleppend – für Reus, aber auch für den BVB im Allgemeinen.

Die Vermutung ist naheliegend: Der Erfolg der Mannschaft war und ist auch von der Leistung ihres Kapitäns abhängig. Bis zum Trainerwechsel kam Reus unter Lucien Favre gerade mal auf drei Treffer und eine Torvorlage – in 18 wettbewerbsübergreifenden Begegnungen.

Als Terzic das Ruder übernahm, wendete sich nicht über Nacht alles zum Guten. Allerdings war Reus anzumerken, dass er die Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung - aber auch der der Mannschaft - in Entschlossenheit und den Willen zur Verbesserung ummünzte.

Diesen Eindruck belegen die Zahlen: sieben Treffer und 13 Assists verzeichnet Reus seit dem Trainerwechsel. Was die Statistiken verschweigen: Dem Kapitän gelingt es wieder, in den wichtigen Spielen vorwegzugehen.

Nicht nur der sehenswerte Treffer gegen Leipzig oder die Vorlagen aus dem Pokalfinale, sondern auch zwei wichtige Assists im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Sevilla sowie ein Treffer im Viertelfinal-Hinspiel gegen Manchester City sprechen eine klare Sprache. Der BVB kann sich wieder auf seinen Routinier verlassen.

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Marco Reus, links, legt im Endspiel des DFB-Pokals gegen RB Leipzig gleich zwei Tore auf, so auch das 2:0 durch Erling Haaland, ganz rechts. Ex-Borusse Kevin Kampl, Zweiter von links, kommt sich angesichts der schwarz-gelben Bedrängnis etwas hilflos vor.

Pokalsieg und CL-Qualifikation: Es winkt ein versöhnlicher Saisonabschluss

Folgerichtig verstummte auch die teilweise massive Kritik an Reus, die auch im BVB-Lager deutlich zu vernehmen war. Doch gerade das macht ihn als Kapitän für Borussia Dortmund auch so wichtig: Wenn es schlecht läuft, wird er nicht müde, sich gemeinsam mit Terzic vor die junge Mannschaft zu stellen und Verantwortung zu übernehmen.

Die Saisonziele für Reus und seinen BVB sind klar: Im Anschluss an den Pokaltriumph soll in der Bundesliga in noch zwei ausstehenden Partien die erneute Qualfikation für die Champions League gelingen. Nach dem 3:2 über Leipzig halten Reus und seine Kollegen alle Trümpfe in der Hand. Mit den in der Rückrunde außergewöhnlich starken Mainzern und Bayer Leverkusen warten indes noch zwei schwere Aufgaben.

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Und dann lockt den Mannschaftskäpitän der Borussia die EM. Reus' bisher letzter Auftritt für die Nationalmannschaft datiert vom 13. Oktober 2019. Damals gewann die deutsche Elf ihr EM-Qualifikationsspiel in Estland mit 3:0.

Für den 44-fachen Nationalspieler wäre es eine schöne Geschichte. Nur zu gut erinnern sich alle Fußballfans an seine tragische Verletzung kurz vor der WM 2014. Ohne Reus, der sich in der Blüte seines Schaffens befand, errang Deutschland damals in Rio de Janeiro den Titel.

EM 2021: Diskussion um Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels

Der Rückkehr von erfahrenen Spielern der Generation um Mats Hummels, Thomas Müller und eben Reus erteilt der Bundestrainer, je näher das Turnier rückt, immer weniger eine Absage. Auch sportlich würde eine Teilnahme von Reus Sinn ergeben.

Im Laufe seiner Karriere hat er sowohl im offensiven Mittelfeld als auch im Sturm schon auf ziemlich jeder Position gewinnbringend Fußball gespielt. Diesen Mix aus Erfahrung und Variabilität könnte eine offensiv manchmal ideenlose Nationalmannschaft gut gebrauchen.

Doch erst einmal warten noch zwei Endspiele auf Reus und seinen BVB. Der Pokalsieg ist in neun Jahren bei der Borussia erst Reus' zweiter Titel. Aber vielleicht hat er im Sommer ja sogar die Gelegenheit, einen weiteren Pokal zu holen - mit dem Bundesadler auf der stolz geschwellten Brust.

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