Ein 0:0 gegen RB Leipzig - auf dem Papier kein schlechtes Ergebnis. Doch einige Tage nach dem Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga wird den Bayern langsam eines dämmern: Gegen Leipzig wurde eine große Chance verpasst.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

Mehr aktuelle News zur Bundesliga finden Sie hier

Das Titelrennen in der Bundesliga ist so spannend wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Fünf Teams liegen derzeit innerhalb von sechs Punkten an der Tabellenspitze. Gewinnt Borussia Mönchengladbach sein Nachholspiel gegen den 1. FC Köln, sind gleich zwei Teams gerade einmal einen Zähler hinter den Bayern.

Dass die Münchner überhaupt wieder von der Tabellenspitze grüßen, liegt vor allem an der fehlenden Konstanz der Konkurrenz. Zuerst patzte Gladbach, dann Leipzig - zuletzt zum wiederholten Male Favres Dortmund. Die Bayern kamen bisher unbeschadet durch die Rückrunde, doch auch den Bayern fehlt in ihren Leistungen die Konstanz ‒ und im Topspiel gegen Leipzig auch der Killerinstinkt.

Nur ein konstant gutes Spiel in der Rückrunde

In dieser Rückrunde brachten die Münchner nur ein richtig konstantes Spiel über die Bühne. Der 5:0-Sieg gegen Schalke. Gegen Hertha war es eine völlig harmlose erste Hälfte. Gegen Mainz stellte der FCB nach früher 3:0-Führung nach 30 Minuten das Fußballspielen ein und geriet fast noch in Bedrängnis. Gegen Hoffenheim im Pokal wurde aus einer zwischenzeitlichen 4:1-Führung noch ein wackeliges 4:3. Und gegen Leipzig? War es auch nicht wirklich konstant.

Über 45 Minuten machte es die Flick-Elf am Sonntag richtig gut. Hervorragendes Pressing, ein klug verdichtetes Mittelfeld und schnelle Kombinationen am gegnerischen Strafraum - Bayern hätte durchaus führen können.

Doch nach der Pause befreite sich Leipzig durch einige Anpassungen von Trainer Nagelsmann und zwang dem Rekordmeister zunehmend das eigene Spiel auf. Trotzdem hätte Leon Goretzka in der 80. Minute für den K.o. sorgen können. Seine Riesenchance vereitelte jedoch Leipzigs Schlussmann Gulacsi.

Es war ein Moment, der noch entscheidend werden könnte im weiteren Saisonverlauf. Über Jahre war es eine Stärke der Bayern, in den wichtigen Spielen zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen. Ein Sieg über Leipzig hätte den Vorsprung in der Tabelle auf vier Punkte erhöht. Beinahe komfortabel wäre das gewesen. Zumal die Münchner in den kommenden vier Wochen vor allem Gegner aus der unteren Tabellenhälfte vor der Brust haben.

Gibt es einen Plan B unter Hansi Flick?

Es ist nun die Aufgabe von Hansi Flick, mehr Konstanz ins Münchner Spiel zu bringen. Im März beginnen die englischen Wochen in drei Wettbewerben. Flick ist dann gezwungen zu rotieren, was den Rhythmus nochmal erschweren kann.

Dass der Coach zum Beispiel nach dem Mainz-Spiel ("60 Minuten nicht Bayernlike") deutliche Worte fand, ist ein gutes Zeichen. Er muss die Mannschaft, die nach sieben Meisterschaften in Serie natürlich satter ist als die Konkurrenz, weiter antreiben, damit Leistungen wie in der ersten Halbzeit gegen Leipzig der Normalfall werden.

Gleichzeitig geht es darum, einen Plan B zu verfeinern. Vollgas-Pressing wie zu Beginn gegen Leipzig ist über 90 Minuten kaum durchzuhalten. Es ergibt Sinn, auch mal Tempo rauszunehmen. Doch in den vergangenen Wochen führte das meist dazu, dass der Gegner Überwasser bekam.

FC Bayern: Verletzungen und zu dünner Kader?

Helfen kann die Rückkehr von Kingsley Coman, der nach der Verletzung von Ivan Perisic gerade rechtzeitig wieder fit wurde. Der dünne Kader ist ein Dauerthema und seit der potenziell gefährlichste Joker, Thomas Müller, von Beginn an gefragt ist, fehlt ein wenig das Überraschungsmoment von der Bank. Auch hier hat Flick also noch Arbeit vor sich.

Trotz der beschriebenen Probleme: Die Meisterschaft führt auch im Jahr 2020 nur über den FC Bayern. Der Rekordmeister muss jedoch seinen Killerinstinkt wiederfinden, wenn er nicht auf die Wackler der Konkurrenz angewiesen bleiben will. Die direkten Duelle gegen Leverkusen, Mönchengladbach und Dortmund stehen nämlich noch aus. Dann gilt es.

Klinsmann: Rücktritt als Hertha-Coach nach nur 10 Wochen

Überraschend hat Jürgen Klinsmann seinen Rücktritt als Trainer von Hertha BSC erklärt. Der 55-Jährige teilte seine Entscheidung am Dienstag auf seiner Facebook-Seite mit, der Fußball-Bundesligist bestätigte mittlerweile Klinsmanns Schritt.