Thomas Müller ist ein Frauenversteher und Thomas Schaaf macht aus Eintracht Frankfurt ein zweites Werder Bremen. Zudem zeigt Stefan Kießling, dass er es auch phantomtorlos kann und beim Hamburger SV spielt der falsche Niederländer. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem jeweiligen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Thomas Müller ist ein echter Frauenversteher

Der Thomas Müller is so a netta Bua. Das sehen gefühlt 99 Prozent der deutschen Bevölkerung so. Und wie kann man diesen Burschen auch nicht mögen? Jemand, der daheim liebevoll seine Pferdchen streichelt und mit seinen Toren gehörig dazu beitrug, dass wir endlich wieder Weltmeister sind. Auf dem Boden geblieben, das ist er, der Thomas. Wir haben zwar mal etwas anderes behauptet, aber das ist uns heute doch schon längst wieder egal.

Doch beinahe hätte es sich Müller bei vielen weiblichen Fans verscherzt. Angesprochen auf seinen Kopfballtreffer zum 2:0-Endstand gegen den SC Freiburg, als er den Schuh eines Gegenspielers an den Kopf bekam, sagte Müller, dass er sich für ein Tor gerne ein Veilchen abhole und begründete dies wie folgt: "Wir sind eben nicht beim Frauenballett". Den Menschen aus der Presseabteilung des FC Bayern ist gewiss für einen Moment das Herz in die Hose gerutscht, der Schweiß innerhalb von Millisekunden auf der Stirn ausgebrochen. Vor ihrem geistigen Augen sahen sie schon Beschwerden von Frauen-Verbänden, der spontan gegründeten "Feministischen Anti-Thomas-Müller-Allianz" (kurz: Fatma) sowie Alice Schwarzer höchstpersönlich in ihre Post- und E-Mail-Fächer fliegen.

Gott sei Dank waren all diese Ängste unbegründet. Denn weil der Müller so a netta Bua ist, fügte er die folgenden Worte direkt an: "Ohne Frauenballett jetzt hier in den Dreck ziehen zu wollen ..." Gerade noch mal gerettet, Thomas. Uns war von vornherein klar: Wer zu Hause Pferdchen streichelt, der kann einfach kein schlechter Mensch sein.

2. Erkenntnis: Thomas Schaaf erweckt das Werder Bremen in Eintracht Frankfurt

Mittelmaß - das hört sich eigentlich ziemlich langweilig an. Irgendwie so hannoversechsundneunzigerisch. Dass Mittelmaß aber auch richtig spektakulär sein kann, zeigt momentan Eintracht Frankfurt - das mit 33:33 (!) Toren schön mittelmäßig Neunter ist. 4:4 gegen Hertha BSC, ein 0:3 und 2:4 noch aufgeholt, dabei zwei Tore kurz vor Schluss erzielt. Ja mei, da legst di nieder. Und solche Spektakel sind in Frankfurt kein Einzelfall. Am 9. Spieltag siegte der VfB Stuttgart in einem äußerst kuriosen Spiel mit 5:4 bei den Hessen. Und vor anderthalb Wochen zerpflückte die Eintracht daheim Werder Bremen mit 5:2.

Bei solchen sich stets wiederholenden Aufs und Abs würde jeder Trainer wohl einen Blutdruck in lebensbedrohlicher Höhe bekommen. Kaum auszumalen, wie es beispielsweise Emotionsvulkan Jürgen Klopp erginge, wenn er Trainer bei der Eintracht wäre. Und selbst jemanden wie Frankfurts Neu-Coach Thomas Schaaf, die fleischgewordene Gelassenheit, bringt diese Gefühlsachterbahn aus seiner hanseatischen Ruhe. "Das ist Wahnsinn. Wir haben schon einige Spiele in der Richtung gehabt, aber das ist mir ein bisschen zu viel Spektakel", meckerte Schaaf nach dem Spiel gegen Berlin, obwohl er solche Torreigen aus seiner Zeit als Werder-Coach kennen müsste. "Das Ergebnis ist mehr als verdient. Es macht unheimlich viel Spaß, mit diesem Team zu arbeiten, aber es kostet auch Nerven."

Noch rettet die Eintracht, dass der Ganz-vielleicht-auch-mal-eine-Überlegung-für-Jogi-Löw-wert-Bundesliga-Toptorjäger Alex Meier immer wieder für ein, zwei Törchen gut ist. In dieser Saison sind es bereits zwölf. Doch wenn mal plötzlich vorne der Wurm drin ist und hinten der Wurm drin bleibt, dann könnte es ratzfatz ab in düstere Tabellenregionen gehen. Aber auch das kennt Schaaf ja aus seiner Zeit als Werder-Coach.

3. Erkenntnis: Stefan Kießling kann's auch phantomtorlos

Das, was Frankfurt in dieser Spielzeit ist, war 1899 Hoffenheim in der vergangenen. In der Vorsaison fielen in Spielen mit Beteiligung der Kraichgauer 142 Tore - doch über keines wurde so viel diskutiert wie über das von Bayer Leverkusens Stefan Kießling. Wieso? Weil es keines war! Kießling köpfte ans Außennetz, von wo der Ball wegen eines Lochs dennoch ins Tor ging - und der Treffer zur Überraschung aller anerkannt wurde.

Seitdem ist nicht etwa der das Tor gebende Schiedsrichter Dr. Felix Brych, sondern Kießling so etwas wie der Staatsfeind Nummer eins in Hoffenheim. Quasi das, was 1899-Mäzen Dietmar Hopp bei Fans außerhalb des Kraichgaus ist.

Wenig liebevoll riefen daher viele Hoffenheim-Fans beim ersten Aufeinandertreffen der Leverkusener mehrfach das A-Wort, sobald der Bayer-Stürmer in der Nähe des Balles war. Doch weil Kießling längst schnuppe ist, was andere von ihm halten, netzte der Leverkusener erneut gegen Hoffenheim ein - und zeigte bei seinem 1:0-Siegtreffer, dass es auch völlig phantomtorlos geht. Allerdings macht das den "Kieß" in Hoffenheim jetzt auch nicht beliebter.

4. Erkenntnis: Beim Hamburger SV spielt der falsche Niederländer

Ruud van Nistelrooy ist zurück beim Hamburger SV! Doch falls Sie HSV-Fan sein sollten, brauchen Sie nicht gleich vor Freude feuchte Augen bekommen. Er absolviert dort lediglich ein Praktikum. Eigentlich schade, könnte der HSV doch einen wie Ruuuuuuuuuuud, wie der Niederländer während seiner aktiven Zeit bei den Hanseaten gerufen wurde, äußerst gut gebrauchen. Ganz einfach einen, der sich der Aufgabe eines Stürmers bewusst ist und ganz kess mal ein Tor macht. Auch Pierre-Michel Lasogga, der in der Vorsaison häufiger mal seinem Job als Stürmer gerecht wurde und ins gegnerische Gehäuse traf, hat sich an Hamburgs steifer Brise ordentlich verkühlt und seinen Torriecher gehörig verschnupft (nur zwei Saison-Treffer). Und da auch die anderen HSV-Profis keine Vorliebe fürs Erzielen von Toren entwickelt haben, haben die Hamburger die mit Abstand am wenigsten selbst erzielten Treffer (9) und stecken somit folgerichtig im Abstiegskampf.

Das Tor-Dilemma offenbarte sich auch bei der 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. Und das, obwohl Ruuuuuuuuuuud auf der Tribüne saß und beide Däumchen ganz fest drückte. Stattdessen spielte ein anderer Niederländer namens Rafael van der Vaart. Auch der war wie van Nistelrooy mal ein Star - die älteren unter Ihnen werden sich erinnern. Mittlerweile fällt van der Vaart eher mit seinem Privatleben sowie lustigen Interviews wie diesem auf.

Wir sind uns sicher: Viele HSV-Fans würden van der Vaart gegen van Nistelrooy eintauschen. Am liebsten mit dem van Nistelrooy von damals, zur Not aber auch mit dem von heute ...