Jürgen Klopp hält sich selbst für einen Idioten und Matthias Sammer fleht umsonst. Zudem hat Lucien Favre ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis und Marc-Oliver Kempfs Robben-Jagd verzögert sich. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Jürgen Klopp ist ein Idiot

Vorab: Das ist natürlich nicht unsere Meinung. So weit würden wir niemals gehen. Wir zitieren hier nur die Meinung eines Bundesliga-Trainers: die von Jürgen Klopp.

Der BVB-Coach ärgerte sich bei der Pressekonferenz nach dem 0:0 beim Hamburger SV nicht nur über das Ergebnis, sondern auch über Schiedsrichter Peter Gagelmann. Nach Klopps Ansicht hätte der Referee HSV-Profi Valon Behrami nach mehreren rüden Foulspielen vorzeitig unter die Dusche schicken müssen.

Eigentlich wollte sich Klopp gar nicht zu Behrami äußern. Ein Vorsatz, der nur wenige Augenblicke Bestand hatte. Ein Jürgen Klopp kann sich nun mal schwer auf die Zunge beißen. Und irgendwie mögen wir das ja auch an ihm.

Als sich Klopp dann genug über Behrami aufreget hatte, merkte HSV-Trainer Joe Zinnbauer richtigerweise an, dass die Journalisten daraus wieder eine Geschichte machen könnten. Und so kam es, dass sich Klopp selbst der Idiotie bezichtigte.

Dass Klopp aber kein Idiot, sondern ein echtes Rechengenie ist, bewies er zu Beginn der Pressekonferenz, als er scherzte, dass es in dieser Saison schwierig werde, noch Deutscher Meister zu werden. Denn auch Klopp weiß: Dortmund kann auch rechnerisch nicht mehr am FC Bayern München vorbeiziehen. Der Tabellenführer liegt 32 Punkte vor dem BVB – und es sind nur noch zehn Spiele zu absolvieren. Wer so etwas selbstständig ausrechnen kann, der kann einfach kein Idiot sein.

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2. Erkenntnis: Matthias Sammer fleht umsonst

"Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt" heißt es im Volksmund. Doch diese Leute haben gewiss nie Fußball gespielt. Denn wer die 30 Lenze überschritten hat, fühlt sich nach 90 Minuten Fußball oft wie nach zwei Monaten Mount-Everest-Besteigung.

Bei durchtrainierten Profi-Fußballern gilt das natürlich nicht in diesem extremen Ausmaß wie bei uns bierbäuchigen Hobby-Kickern. Doch auch jemand wie Bayern Münchens Xabi Alonso, mit 33 Jahren fast so etwas wie ein Fußball-Methusalem, braucht in einer Saison mal das eine oder andere Verschnaufpäuschen. Und wenn ihm Trainer Pep Guardiola das nicht geben will, sorgt ein Xabi Alonso halt selbst dafür. Im Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen Schachtjor Donezk (Mittwoch, 20:45 Uhr LIVE bei Sky, im ZDF und bei uns im Ticker) fehlt der Mittelfeldstratege wegen einer Gelb-Rot-Sperre. Aber weil Alonso eine Woche Pause nicht genügt, senste er beim 3:1-Erfolg in Hannover auch noch Gegenspieler Leonardo Bittencourt so von den Beinen, dass Schiedsrichter Tobias Welz keine andere Möglichkeit hatte, als ihm die fünfte Gelbe Karte der Saison unter die Nase zu halten. Einfach nur clever.

Gegen Donezk dürfte aber nicht nur Alonso in der Startelf fehlen, sondern auch Innenverteidiger Dante. Der hat sich seine Pause gegen die Ukrainer mit einer pomadigen Leistung gegen Hannover verdient, für die er von Guardiola mit einer Auswechslung nach 32 Minuten belohnt wurde.

Doch weil die Bayern überhaupt keine Lust auf Probleme irgendeiner Art haben, tun sie ihr Bestes, das Dante-Thema so gut es geht herunterzuspielen. Guardiola begründete den frühen Wechsel gar taktisch – ja nee, ist klar! Zudem sei der Brasilianer "einer der besten Profis, den ich in meiner Karriere getroffen habe". Gar mit flehendem Blick wandte sich Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer nach dem Spiel an die Journalisten: "Ich appelliere auch an Ihre Vernunft, kein populistisches Thema aufzumachen."

Wir sprechen gewiss auch im Namen unserer Kollegen, wenn wir sagen: Lieber Herr Sammer, der FC Bayern führt die Tabelle mit elf Punkten an, ist sowohl in DFB-Pokal als auch Champions League noch vertreten. Ansonsten ist auch alles tutto bene beim ehemaligen FC Hollywood - sprich andere Themen haben wir gerade nicht und deshalb wäre es beinahe ein Verbrechen, wenn wir daraus kein populistisches Thema machen würden ...

3. Erkenntnis: Lucien Favre hat ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis

Joa, das konnte man am Samstagabend getrost als Topspiel durchgehen lassen: Wir Fußballfans haben uns jedenfalls schon mal schlechter unterhalten gefühlt als beim 2:2 des 1. FSV Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach. Dabei sah es zunächst nach einer ziemlich klaren Kiste für die Gäste aus. Raffael zum Ersten, Raffael zum Zweiten – das Ding war praktisch durch.

Doch dann das tolle Comeback des FSV, gekrönt von den Toren von Johannes Geis und Shinji Okazaki. Kein Wunder, dass Gladbach-Trainer Lucien Favre im Anschluss not amused war. Und wenn der Schweizer not amused ist, dann ist es auch not amusing, ihn zu interviewen.

Diese leidvolle Erfahrung musste ZDF-Reporter Thomas Skulski machen, der Favre sowie Mainz-Trainer Martin Schmidt für das "Aktuelle Sportstudio" an die Mikrofone holte. Doch irgendwie verlief dieses Gespräch nicht so, wie es sich Skulski vorgestellt haben dürfte. Favre, der bei schlechter Laune noch größere Augen zu haben scheint als der böse Wolf beim Besuch des Rotkäppchens, redete sich prompt in Rage. Vor allem die Tatsache, dass die doofen Medien immer über strittige Elfmeterentscheidungen diskutieren müssen, missfiel dem Coach enorm. Schließlich gebe es zig andere Szenen, über die man lieber sprechen sollte.

Da wir nicht kritikresistent sein wollen, nehmen wir uns diese Worte zu Herzen. Allerdings, lieber Herr Favre, wären Ihre Worte deutlich wirksamer und auch glaubhafter gewesen, wenn Sie sich nicht wenige Augenblicke zuvor immer und immer wieder über eine strittige Entscheidung ausgelassen hätten: nämlich das angebliche Nicht-Foul, das vor dem Freistoßtor zum 1:2 passierte.

Favre verfolgt offensichtlich ein ähnliches Motto wie die Autoren der Lehren des Spieltags: "Was kümmert mich schon mein Geschwätz von vor zehn Sekunden …"

4. Erkenntnis: Bei Marc-Oliver Kempf verzögert sich die Robben-Jagd

Bayern Münchens Arjen Robben benötigte in der Bundesliga gerade einmal 126 Spiele, um 100 Siege einzufahren. Wir zitieren Karl-Heinz Rummenigge und sagen: Champs-Élysées! Diese Bilanz ist einzigartig – so wenige Partien brauchte noch kein Bundesliga-Profi für 100 Siege.

Ziemlich einzigartig ist leider auch die Bilanz von Marc-Oliver Kempf. Der spielte einst für Eintracht Frankfurt und schnürt seine Fußballschuhe mittlerweile für den SC Freiburg. Das leider mit wenig robbenesquem Erfolg.

In der Saison 2012/13 gab Kempf sein Bundesliga-Debüt für die Eintracht: Das ging mit 1:3 gegen den 1. FSV Mainz 05 in die Binsen. Genauso wie sein zweites und bis dato letztes Spiel für die Frankfurter gegen Fortuna Düsseldorf (0:4). Kann passieren.

In der Folgesaison der Wechsel nach Freiburg. Kempf spielte dreimal, dreimal verlor der SC. Auch das kann man noch als unglücklich durchgehen lassen.

Also, auf ein Neues 2014/15. Doch bedeutet neue Saison auch neues Glück? Hmmm, nö! In dieser Spielzeit absolvierte der Verteidiger bereits zwölf Partien – doch bei den vier Freiburger Saisonsiegen schaute Kempf stets verletzungsbedingt zu.

Mit anderen Worten: Der Verteidiger weist momentan eine Bundesliga-Bilanz von neun Niederlagen, acht Remis und null Siegen in 17 Spielen auf. Was soll man da anderes sagen als: Kempf weiter, Marc-Oliver. Vielleicht klappt’s ja schon kommende Woche mit dem ersten Sieg. Und dann musst du nur 99 der 107 darauf folgenden Partien gewinnen, um an Robben vorbeizuziehen.

Falls wir uns verrechnet haben sollten, bitten wir um Verzeihung. Wir sind nun mal nicht Jürgen Klopp.