• Die Ukraine und auch Russland liefern Deutschland Lebens- und Futtermittel, wie Sonnenblumenöl oder Weizen.
  • Durch den Ukraine-Krieg könnte es in den nächsten Wochen zu kurzfristiger Knappheit einzelner Lebensmittelgruppen kommen.
  • Die Lebensmittelversorgung in Deutschland ist aber nicht gefährdet, denn Sonnenblumenöl kann beispielsweise leicht ersetzt werden und seinen Weizenbedarf deckt Deutschland durch Eigenproduktion.
  • Experten appellieren deshalb, Hamsterkäufe zu unterlassen.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen der Autorin bzw. der zu Wort kommenden Expertin einfließen. Hier finden Sie Informationen über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Der Krieg in der Ukraine und die weit reichenden Folgen führen bereits jetzt zu steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen. Die Angst vor möglicher Lebensmittelknappheit durch eingebrochene Exporte und mögliche Ernteausfälle der kriegsbeteiligten Länder beschäftigt viele Menschen und lässt sie Hamsterkäufe tätigen. Vor allem Sonnenblumenöl und Weizenmehl werden momentan häufig gehortet. Verbände und Verbraucherzentralen kritisieren dieses Verhalten, da Hamsterkäufe nicht nur unsolidarisch, sondern auch unnötig seien und kein Anlass zur Sorge besteht.

Mehr Verbraucherthemen finden Sie hier

"Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden in Deutschland auch in Zukunft ausreichend Lebensmittel zur Verfügung haben. Es kann sein, dass das ein oder andere Produkt oder eine Lebensmittelgruppe kurzfristig nicht erhältlich ist, aber das Lebensmittelangebot wird dennoch ausreichen und es wird immer Alternativen geben," sagt Daniela Krehl, Fachberaterin am Referat Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V..

Zusätzliche Vorräte an Lebensmitteln in Deutschland anzulegen, ist als nicht nötig. Auch Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sagte Mitte März gegenüber der Presse, dass die Versorgung in Deutschland mit Lebensmitteln sichergestellt sei. Wer anderes behaupte, handele gegen die Fakten und politisch verantwortungslos.

Ukraine und Russland sind wichtige Rohstofflieferanten

Die Ukraine und auch Russland sind die größten Produzenten und Exportländer von Sonnenblumenöl weltweit. Auch Deutschland deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe. Noch lässt sich nicht abschätzen, welche konkreten Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf bestimmte Lebensmittelgruppen haben wird, dennoch sind einige Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels bittet Kunden weiter bedacht einzukaufen. Sprecher Christian Böttcher sagte Mitte März gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass sich Kunden "untereinander solidarisch verhalten und Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen einkaufen" sollten. "Auf diese Größenordnung sind die Produktionsmengen und die Lieferlogistik der gesamten Lebensmittelkette ausgerichtet." Gleichzeitig seien aber weitere Preissteigerungen möglich.

Unnötige Hamsterkäufe führen zu leeren Regalen

Expertinnen und Experten warnen vor Panikmache und weisen auf die Verschärfung der Situation durch Hamsterkäufe hin. Momentan führt keine Lebensmittelknappheit, sondern die getätigten Hamsterkäufe zu leeren Öl- oder Mehl-Regalen. Würde dagegen jeder nur das einkaufen, was er auch tatsächlich verbraucht, reichen die Vorräte für alle, denn die Lager der Händler sind voll.

"Dass in unsicheren Zeiten Angst aufkommen kann und man irrational handelt, ist nachvollziehbar. Gerade Menschen, die bereits einen Krieg und Lebensmittelknappheit miterlebt haben, wollen sich durch das Anlegen von Vorräten eine Art eigene Sicherheit schaffen. Dennoch sollte man sich nicht verleiten lassen, denn Hamstern führt auch zu Lebensmittelverschwendung. Gerade Öle sind nur etwa ein Jahr haltbar und müssen im schlimmsten Fall weggeschmissen werden", sagt die Expertin.

Sollte es in den nächsten Monaten tatsächlich zu Knappheit von Sonnenblumenöl kommen, können Verbraucherinnen und Verbraucher dieses leicht ersetzen. "Aus ernährungsphysiologischen Gründen würde ich sowieso von der Verwendung von Sonnenblumenöl abraten, weil es sinnvollere und gesündere Alternativen wie das Raps- oder Olivenöl gibt," sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Auch hinsichtlich des Weizens gibt es keinen Grund zur Sorge. Deutschland baut selbst Weizen an und deckt seine Nachfrage zu 100 Prozent, ist also nicht auf Importe angewiesen.

Dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher aber auf weiter steigende Lebensmittelpreise einstellen müssen, das bestätigt auch Krehl im Gespräch mit unsrer Redaktion: "Aus Russland kam bisher viel Düngemittel, was dazu führen kann, dass unsere heimische Produktion nun teurer wird. Weizen aus Russland oder der Ukraine, der von Deutschland importiert wird, wird hauptsächlich zur Fütterung von Tieren eingesetzt. Das heißt, höhere Preise für Futtermittel und auch die gestiegenen Energiekosten werden sich im Preis für Fleisch niederschlagen."
Auch durch die Coronakrise und die Lohnerhöhungen werden die Kosten für heimische Produktionen vermutlich steigen.

Vorräte richtig anlegen

Statt unüberlegt zu hamstern, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für Notsituationen einen Vorrat an wenig verderblichen Lebensmitteln und Getränken für etwa zehn Tage anzulegen. Dennoch sollte man diesen Vorrat in den täglichen Lebensmittelverbrauch integrieren und so die Lebensmittel immer wieder verbrauchen und erneuern. Dann werden sie nicht unnötig angeschafft und verderben nicht.

Für lange Haltbarkeit spielt auch die richtige Lagerung eine Rolle. Grundsätzlich sollten Lebensmittel kühl, dunkel und trocken aufbewahrt werden.

Weltweite Hungersnot könnte durch Ukraine-Krieg verschärft werden

Kommt es bei Exporten und Anbau von Getreide aus der Ukraine und Russland zu Ausfällen und Engpässen, würde das vor allem für arme Länder der Welt ein Problem darstellen.

Während die Lebensmittelversorgung in Deutschland gesichert ist, könnte der Ukraine-Krieg zu einem Anstieg der globalen Hungerkrise führen. Bereits durch die Corona-Pandemie und die anhaltende Klimakrise wurde Millionen Menschen in ärmeren Ländern der Zugang zu Lebensmitteln erschwert, die nun stark gestiegenen Preise und ausbleibenden Nahrungsmittelexporte könnte die Lage in vielen Ländern, beispielsweise in Nord- und -Ostafrika oder Asien verschlimmern.

Über die Expertin:
Daniela Krehl ist Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern e.V..

Verwendete Quellen:

  • Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung: Auswirkungen des Ukraine-Krieges: BMEL bringt erste Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft auf den Weg, Pressemitteilung vom 11. März 2022, Nr. 28/2022
  • Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland: Ukraine-Krieg verknappt die Versorgung mit Speiseölen und Eiweißfutter
  • RedaktionsNetzwerk Deutschland: Handelsverband appelliert wegen Engpässen bei Speiseöl: Nicht hamstern!
  • Welthungerhilfe: Der Krieg in der Ukraine verschärft den Hunger weltweit
  • Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft: Nicht Hamstern! – Es ist ausreichend Getreide in Deutschland vorhanden, Pressemitteilung vom 16.03.2022
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Essen und Trinken bevorraten
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "So arbeitet die Redaktion" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen. Unsere Berichterstattung findet in Übereinstimmung mit den JTI-Standards der Journalism Trust Initiative statt.
Sonnenblumenöl, Rapsöl, High-Oleic-Öl, Butter, Schmalz, Kokosöl, Palmöl, Entsorgung, Lagerung
Bildergalerie starten

Leere Regale: Das sind die besten Alternativen zu Raps- und Sonnenblumenöl

Waren zu Beginn der Corona-Pandemie Nudeln und Toilettenpapier die begehrtesten Güter im Supermarkt, wurden diese nun vom Speiseöl abgelöst. Doch auch wenn Sie beim nächsten Einkauf keine Flasche abbekommen, brauchen Sie sich keine Sorgen machen - es gibt zahlreiche Alternativen, die Sie stattdessen verwenden können.