• Am Mittwochabend (29.) blickte Moderatorin Maischberger mit ihren Studiogästen auf den kommenden Herbst und Winter.
  • "Sollte Deutschland die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängern oder wie überstehen wir die kritische Zeit?", wollte sie unter anderem wissen.
  • Ein Vorschlag von Eckart von Hirschhausen zieht scharfe Kritik auf sich – eine Journalistin spricht sogar von "Öko-Diktatur".
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Marie Illner dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat die Alarmstufe Gas ausgerufen und die Deutschen erneut zum Energiesparen aufgerufen. Gleichzeitig hat die Nato ein neues strategisches Konzept beschlossen: Die Ostflanke wird verstärkt, Finnland und Schweden werden offiziell zum Beitritt eingeladen und künftig befinden sich mehr als 300.000 Soldaten in hoher Einsatzbereitschaft.

Das ist das Thema bei "Maischberger"

Den größten Teil der Sendung ging‘s um das Thema Energie. Im Fokus stand dabei das Energiesparen und die Frage, ob die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert werden muss. Was können wir bei Zwangsdrosselungen der Energieversorgung tun, wie überstehen wir den Winter? Wie sieht es in den kommenden Jahren aus? Am Rande ging es auch um Long Covid, den G7-Gipfel und die Nato-Osterweiterung.

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Das sind die Gäste

Ricarda Lang (Grüne): "Wir haben den Atomausstieg lange vorbereitet, die Genehmigungen laufen jetzt einfach aus", sagte die Parteivorsitzende der Grünen und sprach sich gegen eine Verlängerung aus: Auf Sicherheitsvorschriften zu verzichten sei keine Option, auf der anderen Seite würden Genehmigungsverfahren aber viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. "Ein sehr harter Herbst und Winter stehen uns bevor", sagte sie. Die Atomkraft brauche man aber nicht. "Fossile haben immer einen Hang zum Monopol. Wir müssen sehr viel schneller werden beim Ausbau der Erneuerbaren Energien", so Lang.

Thorsten Frei (CDU): Der parlamentarische Geschäftsführer sagte: "Es geht nicht um den Einstieg in den Ausstieg. Es geht also nicht darum, das rückgängig zu machen, was wir in der Vergangenheit entschieden haben". Die Atomkraft sei keine Energieform der Zukunft, aber Deutschland befände sich in einer schwierigen Situation. "Man sollte überlegen, ob man durch Streckung des AKW-Betriebs die kritische Phase überbrücken kann", forderte er.

Hanna Polonska: Die Deutschlehrerin, die aus Butscha nach Kiew geflüchtet war, sagte: "Ich bin leider an die Bombenalarme schon gewöhnt." Der letzte Raketenangriff sei etwa zwei Kilometer entfernt von dem Haus, wo sie jetzt lebe, erfolgt. "Es war schlimm. Jeden Tag begegne ich Menschen, die nicht einschlafen können", sagte Polonska. Durch ihre Verletzungen habe sie immer wieder Schmerzen. "Ich war dreieinhalb Monate im Krankenhaus", erzählte die Ukrainerin, die das Massaker von Butscha überlebte.

Rainer Hank: Der Journalist lobte: "Der Klimaclub ist eine geniale Idee!" Es würde einen sehr großen Unterschied zu dem machen, was wir jetzt hätten, war er sich sicher. "Für die, die nicht mitmachen, wird es nämlich teurer", erklärte er. In Bezug auf den Ukraine-Krieg sagte er: "Putin hat mit seinem Krieg in der Ukraine erreicht, dass die Nato gestärkt wurde, wie wir sie seit den Kalten Kriegsjahren nicht mehr erlebt haben." Das Sicherheitsbedürfnis von Ländern wie Finnland und Schweden sei enorm.

Sabine Adler: "Die gute Nachricht in all dem Schrecklichen ist, dass die Nutzung von Kohle diesmal wirklich nur eine Übergangslösung ist und wir dann den Sprung in die Erneuerbaren schaffen", hoffte die Deutschlandfunk-Journalistin. Sie stellte aber auch fest: "China könnte uns einen Strich durch die Rechnung machen". Denn aus China kämen viele Rohstoffe, wie etwa seltene Erden, um die sich die Welt nun "noch mehr kloppen" werde als bevor.

Eckart von Hirschhausen: Der Fernsehmoderator und Arzt sagte: "Die Klimakrise ist mit Abstand die größte Bedrohung des 21. Jahrhunderts." Sie gerate allerdings medial immer wieder aus dem Fokus. "Der Krieg zeigt, dass wir die großen Krisen vor der Nase haben und jetzt lösen müssen", mahnte von Hirschhausen. Das Thema Energiesparen und Energieeffizienz sei den letzten Jahren sträflich vernachlässigt worden. "Wir entscheiden in diesem Jahrzehnt, ob die Erde grundsätzlich bewohnbar bleibt oder nicht", erinnerte er.

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Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

Beim Thema Energiesparen lief Grünen-Politikerin Ricarda Lang naturgemäß zur Hochform auf und rief gar die "Renaissance des mündigen Bürgers" aus. Zunächst schränkte sie aber ein: "Nicht jeder kann gleich Energie sparen". Am Ende werde man Bevölkerung, Industrie und politische Regeln brauchen. Dann wandte sich Lang direkt an das Publikum vor dem Fernseher.

"Das ist eine Chance! Das, was Putin gerade macht, damit, dass er das Gas in Teilen abdreht, ist auch der Versuch, Europa zu spalten." Er wolle den Westen durch hohe Preise und soziale Unruhen auseinandertreiben. "Dem können wir durch Energiesparen ein Stoppschild entgegenhalten", sagte die Grünen-Politikerin.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Es ging wieder um das Energiesparen, als Wissenschaftler Eckart von Hirschhausen einen Vorschlag machte. Es würde psychologische Effekte erzielen, wenn man Menschen bei ihrer Stromrechnung mitteile, dass sie "zum Beispiel 25 Prozent mehr als der Nachbar verbrauchen", so von Hirschhausen.

Journalistin Adler hatte schon mit skeptischem Blick zugehört: "Also ich möchte keine Öko-Diktatur, das klingt ein bisschen so!", sagte sie scharf. Auch Hank kommentierte kritisch: "Positivanreize sind besser als Negativanreize! Nicht: ‚Ich prangere den Nachbarn an‘". Von Hirschhausen unternahm den Versuch einer Verteidigung: "Es geht nicht um Anprangern, der Stromerzeuger weiß genau, was in der Straße passiert".

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Maischberger schlug den richtigen Ton an: Sie verbreitete keine Panik in Sachen Energiesicherheit und Preissteigerungen im kommenden Herbst und Winter, fragte aber dennoch bestimmt: "Was macht der Krieg mit der Klimadiskussion? Dreht es nach vorne oder hinten?"

Dabei ließ sie aber auch den ein oder anderen bissigen Kommentar in Richtung Grüne nicht vermissen. "Die Grüne haben zuletzt im Minutentakt Prinzipien über Board geworfen", sagte Maischberger zu Lang und wollte wissen: "Warum nicht jetzt auch Atomkraftwerke verlängern?"

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

Wichtigste Erkenntnisse des Abends: Klima und Ukraine-Krieg sind zwei Krisen, die sich nicht auseinanderdividieren lassen, Energiesparen ist das Gebot der Stunde und geschlossene Stärke des Westens ist an allen Stellen gefragt. Deutlich wurde aber auch: Ziemlich viel Gesprächsbedarf gibt es bei der Frage: "Wie überstehen wir den kommenden Herbst und Winter?" doch noch.

Verwendete Quellen:

  • ARD: Sendung "Sandra Maischberger" vom 29.06.2022

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