Mit Musik lässt es sich besser lernen, Musik lässt einen schneller einschlafen und mit Klängen kann sich der Mensch mit dem Kosmos in Einklang bringen. Das alles verspricht das Internet über die Wirkung von Musik. Was davon ist wahr?

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Mit seinem neuen Album "All Visible Objects" will der US-amerikanische Musiker Moby den Weg zurück auf den Techno-Dancefloor finden. Davor suchte er allerdings nach Ruhe.

So produzierte Moby vor zwei Jahren das Album "Long Ambients 2" für die Meditation-App Calm. Das Album ist voller sphärischer Klänge, die immer wieder sanft an- und abschwellen. Bei längerem Hören fühlt sich der Zuhörer irgendwo mitten im All verloren und wird müder, müder und müder.

Das bezweckte Moby wohl auch. Auf seiner Internetseite schrieb der Musiker, dass er solche Musik nirgends finden konnte und sie deshalb selbst produziert hat. "Mit meiner Musik möchte ich vor allem anderen Menschen helfen, Ruhe zu finden und sich zu entspannen."

Aber wie stark beruhigen Mobys Schlafmusik oder ähnliche Musikstücke? In der Wissenschaft gibt es dazu keine allgemeine Antwort, die für alle Menschen gilt.

"Ob der musikalische Einschlaf-Effekt wirkt, hängt in erster Linie von der Persönlichkeit des Zuhörers ab", sagt Thomas Schäfer von der Medical School Berlin im Gespräch mit unserer Redaktion. Er hat zum Thema "Wirkung von Musik" promoviert. "Einigen Menschen hilft Musik beim Einschlafen, anderen Menschen fällt das hingegen schwerer, sie werden durch Musik abgelenkt und können so nicht einschlafen oder sich konzentrieren."

Welche Musik macht uns müde?

Wenden wir uns zunächst denjenigen zu, für die Musik ein Mittel zum Einschlafen sein kann. Wie funktioniert hier der Einschlaf-Effekt?

Das Wichtigste ist, dass Musik stark auf den psycho-physiologischen Erregungszustand wirkt, dies vor allem durch die musikalischen Eigenschaften Tempo, Komplexität und Lautstärke.

"Wenn Musik beim Einschlafen helfen soll, muss sie also das Erregungsniveau senken - das geschieht durch langsame, wenig komplexe und eher leise Musik", erklärt Schäfer. "Nachweislich lassen sich so etwa der Herzschlag und die Atmung verlangsamen sowie negative Emotionen wie Angst reduzieren, weil diese von der körperlichen Erregung abhängig sind."

Außerdem spielt die Ablenkung eine Rolle. "Kann man etwa nicht einschlafen, weil man den Kopf voller Gedanken, Sorgen oder Pläne hat, ist Musik ein gutes Mittel zur Ablenkung und kann so entsprechend ebenfalls Spannung abbauen, was dann beim Einschlafen helfen kann", sagt der Wissenschaftler.

Personen, bei denen Musik zur Beruhigung dagegen keine gute Idee ist, werden als suggestibel bezeichnet. Sie werden von der Musik mitgenommen, erleben starke Emotionen und werden durch die Musik zu bestimmten Gedanken oder Erinnerungen angeregt. Entsprechend hilft ihnen Musik nicht beim Einschlafen, sondern wird als verstörend erlebt.

Ist Musik eine gute Idee zum Lernen?

Ein anderes Thema ist Musik, die beim Lernen oder Konzentrieren helfen soll. Im Internet ist oft von Deep-Focus-Music die Rede. Auf YouTube kann man beispielsweise unter diesem Begriff stundenlange Klangvariationen abrufen.

Hilft das auch? Konkret zu Deep-Focus-Music gebe es gegenwärtig noch keine Studien, sagt Schäfer. Die gibt es aber zu den generellen Effekten von Musik auf Konzentration, Lernen, Gedächtnis und Leistung. "Hier zeigt sich fast immer ein negativer Effekt: Musik lenkt ab und vermindert damit Konzentration, Lernen und Gedächtnis."

Musik kann positiven Effekt beim Sport haben

Bei der Leistung zum Beispiel im Sport gibt es in einigen Fällen kleine positive Effekte. "Bei den Wirkmechanismen - also der Frage, warum das so ist - zeigt sich, dass das Mögen die wichtigste Variable ist", verdeutlicht Schäfer. "Wenn man die Musik mag, löst das positive Emotionen aus, was wiederum die Motivation erhöhen und dadurch die Leistung steigern kann."

Ein zweiter Faktor ist die physische Aktivierung. Ist man zum Beispiel müde, kann Musik aktivieren und so die Leistung fördern. "Aber wie gesagt, Musik ist ein zusätzlicher Reiz und wirkt dadurch prinzipiell ablenkend, sodass die Konzentration und Leistung bei kognitiven Aufgaben eher abnehmen", so Schäfer.

Ist 432-Hertz-Musik besser als 440-Hertz-Musik?

Musik und Psychologie, das ist ein weites Themenfeld. Im Internet ist auf esoterisch angehauchten Blogs von sogenannter 432-Hertz-Musik zu lesen - im Gegensatz zur heute geläufigen 440-Hertz-Musik, die auf den Kammerton A aufbaut.

So heißt es im Netz dazu beispielsweise: Stücke, die in 432 Hertz gestimmt sind, könnten die beiden Gehirnhälften ausgleichen, was die seelische Stabilität stärke. Anderswo steht geschrieben: Unsere DNA gelange "in Resonanz mit der Phi-Spirale unserer Natur, die in fast allen Lebensformen zu finden ist. Ein wunderbarer Weg, um mit der Musik mit dem Kosmos in Einklang zu kommen."

Im Internet gibt es sogar Programme, mit denen man die eigene Lieblingsmusik von 440 Hertz auf 432 Hertz umstimmen kann. Alles ein Irrglaube?

Wissenschaftler Schäfer hält von 432-Hertz-Musik wenig. "Diese Idee stammt aus bestimmten antiquierten Vorstellungen über kosmische oder sphärische Grundfrequenzen, mit denen der Mensch in Resonanz treten könnte. Da ist aber nichts dran und es gibt auch keine einzige Studie, die das je gezeigt hätte", sagt er.

Zudem habe jeder Mensch durch seine Konstitution eine ganz andere Eigenfrequenz. "Kinder etwa bevorzugen schnellere Musik, weil sie leichter sind und daher eine höhere Eigenfrequenz haben - zum Beispiel auch schneller hüpfen als ein Erwachsener. Es geht hier also eher um esoterisches Wunschdenken oder eindrückliche Geschichten als um wissenschaftliche Erkenntnisse."

Über den Experten: Prof. Dr. Thomas Schäfer arbeitet an der Medical School Berlin, wo er seit 2019 Professor für Quantitative Forschungsmethoden ist. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt auf Musikpsychologie. Schäfer promovierte zum Thema "Wirkung von Musik".

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Professor Dr. Thomas Schäfer
  • YouTube: 432-Hertz-Musik für Meditation
  • Moby.com
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Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto