Derzeit fressen die kleinen Raupen des Schwammspinners in einigen Regionen Deutschlands Wälder und Gärten kahl. Was begünstigt ihre Vermehrung? Und sind sie gefährlich für den Menschen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Sie sind nur wenige Zentimeter lang, treten aber in großen Schwärmen auf - und werden für manche Menschen in Deutschland zur großen Belastung. Raupen von Schwammspinnern fressen derzeit Gärten und ganze Wälder kahl.

In Teilen Thüringens, in Franken und um Leipzig tummeln sich Millionen der schwarzbraunen Schwammspinner-Raupen. Besonders schwer betroffen ist die mittelfränkische Stadt Gunzenhausen, dort haben die Tiere bereits ein 117 Hektar großes Waldgebiet kahlgefressen.

Dabei knabbern sie nicht nur massenweise Eichen und andere Pflanzen ab, sondern kriechen auch in Gärten, an Häuserwänden entlang, befallen Freibäder - und klettern manchmal an Beinen der Menschen hoch.

Andere Bundesländer in Deutschland haben zwar keine derart drastischen Fälle, melden aber auch steigende Zahlen, etwa die Umweltministerien von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Wie vermehren sich Schwammspinner?

Der Schwammspinner ist ein an Eichen und anderen Laubbaumarten lebender Schmetterling und wärmeliebender Nachtfalter. Er legt seine Eier in Gelegen von bis zu tausend Eiern auf der Rinde ab und bedeckt sie mit gelbbrauner Afterwolle. Das schwammartige Aussehen der Gelege gab der Art ihren Namen.

Frisch geschlüpfte Eilarven spinnen nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Seidenfäden und lassen sich vom Wind verwehen. So verteilen sie sich über ganze Waldbestände. Die Raupen verpuppen sich gewöhnlich bis spätestens Anfang Juli.

Warum vermehren sich die Raupen der Schwammspinner jetzt explosionsartig?

"Sicherlich ist das ein Indiz für den Klimawandel", sagt der Insektenforscher Ronald Bellstedt aus dem thüringischen Gotha. "Die Insekten brauchen Wärme, Licht und Sonne, dann klappt das mit der Vermehrung besser. Wie beim Wetter werden die Extreme durch den Klimawandel immer größer."

Der Schwammspinner neigt besonders nach warm-trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen. "Da es durch den Klimawandel zukünftig verstärkt sommerwarme, sommertrockene Perioden geben wird, wird der Schwammspinner-Befall zunehmen", bestätigt eine Sprecherin des Thüringer Landwirtschaftsministeriums.

Seit dem heißen und trockenen Jahr 2015 steige seine Populationsdichte, schreibt die LWF. Eine länderübergreifende Ausbreitung in Europa gab es zwischen 1992 und 1995. Ohne Gegenmaßnahmen dauern Massenvermehrungen demnach etwa vier bis fünf Jahre.

Sind Schwammspinner für den Menschen gefährlich?

Die Raupen des Schwammspinners seien für den Menschen zwar lästig, aber in der Regel nicht gesundheitsgefährdend, betont Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt im ostthüringischen Gera. Der Kontakt mit den Tieren kann zu Hautirritationen führen, sie sind aber insgesamt ungefährlich.

In Gera färben Schwammspinner-Raupen gerade einen ganzen Ortsteil dunkel ein. "Wenn man dort lebt, kann man sich nicht in den Gärten aufhalten", sagt Nickschick. "Es ist eine echte psychische Belastung für die Menschen - und ein wirtschaftlicher Schaden, da die Raupen die Laubgehölze in den Gärten abfressen."

Der Schwammspinner sei ein altbekannter Forstschädling, erläutert ein Sprecher des Thünen-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig. Die Tiere kämen zwar nicht häufig vor, aber wenn, dann sehr massiv.

Wie werden die Schwammspinner bekämpft?

Momentan verzichtet man in Thüringen und Sachsen auf eine Bekämpfung mit Insektiziden, weil dadurch auch Nützlinge vernichtet würden. Im kommenden Frühjahr könnten biologische Schädlingsbekämpfungsmittel wie etwa der Mikroorganismus Bacillus thuringiensis gegen junge Raupen eingesetzt werden, sagt Nickschick. Jetzt seien die Raupen dafür schon zu weit entwickelt.

In Teilen Unter- und Mittelfrankens wurden im April und Mai rund 1.000 Hektar Forst mit einem für Schwammspinner giftigen Insektizid besprüht. In Gunzenhausen verzichtete man auf die chemische Bekämpfung des Insekts.

Sobald sich die Raupen verpuppen, sei das Problem erst einmal erledigt, sagt Nickschick. Dem Gothaer Experten Bellstedt zufolge entwickeln gesunde Eichen beim sogenannten Johannistrieb, einem zweiten Blattaustrieb Ende Juni, neues Laub.

Die Stadt Gera erwägt, im Herbst bei massenhaftem Auftreten die Eier manuell einzusammeln, bevor daraus im nächsten Frühjahr neue Raupen schlüpfen.

Außerdem haben Schwammspinner eine große Anzahl natürlicher Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen, die dazu beitragen können, eine Massenvermehrung auf natürliche Weise enden zu lassen, wie es bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) heißt.

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Wie gefährlich sind Eichenprozessionsspinner?

Problematisch kann es für die Bäume werden, wenn sie nicht nur von Schwammspinnern, sonder noch von weiteren Schadinsekten heimgesucht werden - etwa dem Eichenprozessionsspinner. Da dessen Raupen auch Einzelbäume in Parks, Gärten oder in Freibädern befallen, können sie außerdem zum Problem für Menschen und Tiere werden.

Denn die feinen Gifthärchen der Raupen können bei Kontakt zu Hautjucken, Atemnot oder einem allergischen Schock führen.

Derzeit warnt etwa der Landkreis Celle vor dem Berühren der Nester. Vor wenigen Tagen bekamen neun Schulkinder im nordrhein-westfälischen Mülheim an der Ruhr Gesundheitsprobleme, die wahrscheinlich durch Eichenprozessionsspinner ausgelöst wurden. Laut Bericht der Feuerwehr bekam ein Kind bei einem Sportfest Kreislaufbeschwerden, dann klagten mehrere Schüler über Luftnot und Hautreizungen.

Wegen der Raupen des Eichenprozessionsspinners wurden auch schon Straßen und Parks gesperrt. Als mögliche Gegenmaßnahme im öffentlichen Grün nennt das Julius-Kühn-Institut das Absaugen der Nester durch Spezialisten. Und im niedersächsischen Landkreis Gifhorn wurden Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr sogar mit Hubschraubern aus der Luft bekämpft: Sie besprühten die Tiere mit dem Mikroorganismus Bacillus thuringiensis. (ff/dpa/afp)

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Teaserbild: © Daniel Karmann/dpa