Mark Forster war entschlossen, konzentriert und nach drei von insgesamt acht Runden bereits überlegen in Führung. Und dennoch wird die kommende Ausgabe von "Wer stiehlt mir die Show?" ein weiteres Mal von Joko Winterscheidt moderiert. Trotz einer superben Leistung reichte es für den Musiker am Ende doch nur für das Finale, in dem sich ein gemustertes Brett vor seinem Kopf breit machte. Anke Engelke, Riccardo Simonetti und Wildcard-Kandidatin Sarra begnügten sich am Dienstagabend mit einer Statistenrolle.

Robert Penz
Eine Kritik
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"Was hab ich das vermisst! Ich bin’s wieder, der rechtmäßige Besitzer dieser Show", liebkoste Joko Winterscheidt sein Baby, das er eine Woche zuvor aus den Klauen der 56-jährigen Kidnapperin Anke E. aus Köln befreien hatte können. Da stand er nun, der glückliche Papa Winterscheidt – stolz, selbstbewusst, strahlend.

Doch Sänger Mark Forster, der am Dienstagabend mit Anke Engelke, Riccardo Simonetti und Wildcard-Kandidatin Sarra in den Ring stieg, um dessen Comeback rasch wieder vergessen zu machen, scharrte bereits mächtig mit dem Vorderhuf. Der bebrillte Mann mit der Baseballmütze wollte es wissen. Aber auch Simonetti schickte sich an diesem Abend an, sein systemimmanentes Phlegma und gleich darauf diesen selbstgefälligen Winterscheidt zu besiegen, konnte er sich doch als einziger der Permanenten die Show noch nicht unter den Nagel reißen.

"Wer stiehlt mir die Show?": Forster im Vollgasmodus

Das mit der Umrechnung von Kubikmetern auf Liter muss Forster vielleicht noch ein bisschen üben, aber an sich gab der Musiker schon in der ersten Kategorie, in der "Die leichten 5" gespielt wurden, ziemlich Vollstoff. Bei "Song, Song, Song", dem direkt anschließenden kleinen Wettstreit, bei dem auf ein Instrumental eines Tracks der Text eines anderen gesungen wurde und beide Songs erraten werden mussten, aber brillierte er.

"‚Mr. Brightside‘ und ‚Du trägst keine Liebe in dir", brüllte er etwa in Richtung Winterscheidt zu einem Zeitpunkt, als die Band erst wenige Sekunden etwas herausposaunte. Engelkes, Simonettis und Wildcard-Sarras Lauscher hatten da gerade mal eine Direktive vom Großhirn erhalten, dass sie jetzt langsam aufsperren sollten. Chapeau!

Anke Engelke war sprachlos, die Lage also ernst

Auch beim Spiel "Der große Durchspruch", bei dem durcheinander gewürfelte Redewendungen fein säuberlich sortiert werden mussten, degradierte Forster seine Kontrahenten zu Figuranten. Als sich Engelke sprachlos zeigte, wusste man, die Lage ist ernst.

Doch sie hoffte, irgendwo im Wissens-Genre dann ansprechend abliefern zu können, da kam ihr die Kategorie "Ein Hauch von Jauch" gerade recht. "Acht Mal saß ich da", bemerkte die Junggebliebene, die Günther Jauch tatsächlich schon dermaßen oft beehrte, aber auch schon mal richtig viel Geld in der Promi-Edition von "Wer wird Millionär?" verzockte. Eine der Fragen im zunächst kollektiven Kampf gegen Winterscheidt:

Was soll Cäsar gesagt haben, als er den Rubikon überquerte?

  • A: Alea iacta est
  • B: In vino veritas
  • C: Veni, vidi, vici
  • D: Cogito ergo sum

Mark Forster, historisch weniger sachverständig, begehrte einen Joker und ließ sich vom Publikum helfen. "Sie im Publikum sind jetzt gefragt. Rufen Sie alle die richtige Antwort rein!", forderte Winterscheidt die auf der Tribüne Mitfiebernden auf. Gelächter in den Reihen, doch der Moderator meinte ausnahmsweise mal etwas ernst. Er las die Frage noch einmal vor, bemühte den Countdown und ließ die Menschen durcheinander röhren. Forster, der exakt nichts verstehen konnte, bedankte sich artig und loggte knallhart die zufällig korrekte Antwort A ein.

Nur Engelke war überzeugt, Cäsar habe einst nach der Überquerung "Ich kam, ich sah, ich siegte" vor sich hingemurmelt. Leider falsch, Gaius Julius fand seinerzeit, dass der Würfel, die Entscheidung im Grunde, gefallen sei. Gefallen war dieser auch für Wildcard-Kandidatin Sarra, die nun das Feld räumen musste. Die sympathische 32-Jährige hatte gegen ihre Gegner schlichtweg keine Chance.

Engelke versenkt iPhones im Bodensee

Nach ihrer fulminanten Moderation vor zwei Wochen, die einer Demonstration glich, hatte auch Engelke an diesem Abend keinen Lauf. In der Kategorie "Sowas kann unmöglich jemand wissen", in der eine aufgestellte Behauptung für möglich oder unmöglich befunden werden musste, verließ sie die Vorstellungskraft. "Würde man alle bislang verkauften iPhones sammeln, könnte man damit den Bodensee füllen", behauptete Winterscheidt.

Engelke, aus einer Generation stammend, in der Mobiltelefone noch an Ziegelsteine mit Antenne erinnerten, hielt dies für plausibel. "Um den Bodensee mit seinen 48 Kubikkilometern auszufüllen, bräuchte man 618 Billionen aktuelle iPhones. Bis dato wurden aber von allen Geräten ‚nur‘ rund zwei Milliarden verkauft", brachte Winterscheidt Licht in ihr Dunkel. Auch sie musste nun gehen.

Simonetti: "Ich bin nicht gestorben"

Da Forster überdeutlich vor Simonetti, dem einzig verbliebenen Gegner, führte, änderte Winterscheidt, um der Sache noch einen Hauch von Spannung zu verpassen, kurzerhand die Regeln der letzten Kategorie, in der nun 15 statt zehn Punkte abgeräumt werden konnten. Der sympathische, jedoch stets etwas lethargisch anmutende Simonetti konnte zwar noch das eine oder andere Pünktchen einfahren, aber Forster nicht mehr überholen.

"Er hat’s leider nicht geschafft", so Winterscheidt zum Musiker, dessen Öhrchen während der letzten Performance seines Kontrahenten mit lauter Musik betäubt wurden, also nichts mitbekamen. "Ich bin aber noch da, ich bin nicht gestorben", schlagfertigte der Verlierer, ehe er die Heimreise antreten musste, noch einmal Richtung Moderator. Da war es wieder, das Finale "Forster versus Winterscheidt". El Classico.

Jugendfoto: Mark Forster nicht wiederzuerkennen

Jugendfoto veröffentlicht: Mark Forster nicht wiederzuerkennen

Sänger Mark Forster wird mit einem ganz bestimmten Look in Verbindung gebracht. Ein Foto, das der Sänger in seiner Instagram-Story postete, zeigt den mittlerweile 38-Jährigen als Teenager. Auf dem Schnappschuss ist er gar nicht wiederzuerkennen.

Pokerfrage macht Winterscheidt zum Sieger

Moderiert wurde diese letzte Quizrunde einmal mehr von Katrin Bauerfeind. "Wie viele Figuren stehen zu Beginn eines Schachspiels auf dem Brett?", wollte sie von den beiden jetzt mächtig Angespannten wissen. Punkt für Winterscheidt, hatte doch Forster ein fettes Brett vor dem Kopf – die Rechnung quasi ohne sein Schach-Gegenüber gemacht und die Zahl "16" ins Rennen geschickt.

"Ich kotze", kommentierte er seinen rechnerischen Fauxpas in verdichteter Form. Nachdem er auch nicht wusste, dass sich der "Musculus gluteus maximus" beim Menschen im Gesäß breit macht, war Forster endgültig ins Hinterteil geraten, wenn man so will.

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Trotz einer superben Performance von Mark Forster wird Joko Winterscheidt, der am Ende des Finales noch wusste, dass man das "Eins-gegen-Eins"-Duell beim Pokern "Heads-up" nennt, auch die kommende Folge von "Wer stiehlt mir die Show?" moderieren. "Es ist meine Show, nächste Woche, die letzte Ausgabe, seien Sie dabei", schlug er am Ende eines langen Abends noch freudige Stakkato-Töne an.