Am Samstagabend sollte eigentlich Frederick Lau bei "Schlag den Star" gegen Max Kruse antreten. Doch der Schauspieler musste coronabedingt absagen. Sein Überraschungsersatz lieferte sich zwar einen engen Wettkampf mit Kruse, unterhaltsam war der Abend aber trotzdem nur selten. Denn er war wieder einmal viel zu lang.

Christian Vock.
Eine Kritik

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"Und hier gehts jetzt weiter mit 'Schlag den Star', Max Kruse gegen Frederick Lau", verkündet ProSieben-Moderatorin Funda Vanroy am Samstagabend, als sie ihr Wissensmagazin "Galileo" abmoderiert. Doch da konnte Vanroy noch nicht wissen, dass es nach ihrer aufgezeichneten Sendung zwar mit "Schlag den Star" weitergeht, aber nicht mit dem Duell Max Kruse gegen Frederick Lau.

Denn wie ProSieben erst wenige Stunden vor Sendestart bekannt gab, musste Frederick Lau wegen einer Corona-Infektion absagen. Das bestätigt "Schlag den Star"-Moderator Elton noch einmal und erklärt: "Aber wir haben natürlich einen wunderbaren Ersatzkandidaten gefunden." Wer das sein wird, verrät er erst einmal noch nicht, sondern stellt allen Zuschauern, die wirklich gar nichts mit Fußball am Hut haben, zunächst Kandidat Max Kruse vor.

Überraschungsersatz für Frederick Lau

"Er ist der Bundesliga-Mann der Stunde", behauptet Elton – was auch immer das sein soll. Klarer ist da schon die Geschichte, dass Kruse beim Pokern über 100.000 Dollar Preisgeld gewonnen hat. "Mein Geheimnis ist, dass die Verluste nicht öffentlich werden", witzelt Kruse darüber in seinem Einspieler. Das kann ihm an diesem Abend nicht passieren, denn erstens gibt es bei "Schlag den Star" Verluste erfahrungsgemäß nur bei der Spannung und zweitens wird bei der Live-Show ohnehin das meiste öffentlich.

Öffentlich wird nun auch endlich, wer an diesem Abend der Ersatz für Frederick Lau ist, denn das wurde bis zum Schluss geheim gehalten. "Der ist wirklich mehr als ebenbürtig", erklärt Elton über den Lau-Ersatz, weshalb man sich fragt, warum man dann nicht gleich den Ersatzmann genommen hat, wenn der sogar mehr als ebenbürtig sein soll. Egal, der neue Kontrahent von Max Kruse ist ProSieben-Moderator Steven Gätjen.

Gätjen kennt das "Schlag den Star"-Studio noch bestens, schließlich hat er die Show jahrelang selbst moderiert. Nun also ist er Kandidat und das sorgt laut Kommentator Ron Ringguth in den Sozialen Medien für Aufmerksamkeit: "Twitter dreht gerade durch." Das kann man so sehen, man kann aber auch die anderen Tweets lesen, in denen bedauert wird, dass es nicht zum ersehnten Duell zwischen den beiden ehemaligen "Schlag den Star"-Moderatoren Steven Gätjen und Matthias Opdenhövel gekommen ist.

Fußballer Max Kruse kann offenbar gut kicken

Doch auch wenn bei Twitter nun das Duell Joko Winterscheidt gegen Klaas Heufer-Umlauf gefordert wird, sind erst einmal Max Kruse und Steven Gätjen dran. Während Gätjen wegen der Kurzfristigkeit ohne Begleitung angereist ist, sitzt Kruses Frau Lara im Publikum. Die gibt "Wissen" als Kruses Schwäche im Kurzinterview bei Elton an und erzählt über die Stärken ihres Mannes: "Fußball, Sport." Das hätte man sich auch noch alleine zusammenreimen können, dass ein Profi-Fußballer ganz gut kicken kann.

Allerdings, so fair muss man sein, erfährt man von Lara auch noch über Kruse: "Er wird niemals aufgeben." Genau das macht Kruse dann tatsächlich auch nicht, aber er hat auch überhaupt keinen Grund dazu. Denn der Fußballer und der Moderator liefern sich vom Start weg ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Hat beim ersten Spiel "Pedalo" noch Max Kruse die Nase vorne, zieht Gätjen in den nächsten beiden Spielen an ihm vorbei ehe Kruse ausgleicht. Und so sollte es an diesem Abend weitergehen.

Doch die Spannung beim Punktestand ist das eine, Spannung bei den einzelnen Spielen das andere. Das klappt mal gut, hakt aber auch in dieser Ausgabe zum Teil erheblich. Zum Beispiel beim Kinderspiel "City-Rennen", bei dem die beiden ein Plastikauto durch eine Plastik-Landschaft bugsieren sollen. Hier nesteln Gätjen und Kruse schier endlos an den Drehknöpfen herum, sodass selbst Ron Ringguth es nicht schafft, irgendeine Spannung herbei zu kommentieren. Als Gipfel der Langatmigkeit gibt es dann noch eine Diskussion über die Wettkampftauglichkeit von Kruses Auto.

Max Kruse gewinnt Kopf-an-Kopf-Rennen

Der spannendste Moment des Abends für die Zuschauer, sofern zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch welche wach waren, kam dann um 1:35 Uhr am Montagmorgen, als Gätjen und Kruse im letzten Spiel mit den Füßen kleine Bauklötze aufeinanderstapeln sollen. Es dauert zwar noch einmal weitere zehn Minuten, aber dann ist nach fünfeinhalb Stunden endlich klar, dass Max Kruse diese Ausgabe von "Schlag den Star" und 100.000 Euro gewinnt.

Am Ende war es also zumindest ein enges Duell, aber reicht das schon für gute Fernsehunterhaltung? Natürlich nicht. Denn auch wenn es so aussieht, ist "Schlag den Star" kein reines Sport-, Geschicklichkeits- oder Wissensduell, sondern in erster Linie eine TV-Show, die ihre Zuschauer unterhalten soll. Und dazu gehört neben einem spannenden Wettkampf auch ein bisschen Unterhaltungswille bei den Kandidaten. Denn wie es eng, aber nicht unterhaltsam wird, hat man beim vergangenen Duell zwischen Viviane Geppert und Valentina Pahde gesehen, das doch reichlich dröge geriet.

Vielleicht hat man sich beim eigentlich geplanten Duell zwischen Max Kruse und Frederick Lau ein wenig mehr Reibung und damit Unterhaltung erhofft, schließlich gelten beide nicht unbedingt als Menschen, die ein Blatt vor den Mund nehmen. Wer allerdings nun wenigstens von Max Kruse ein Sprüche-Feuerwerk erwartet hat, wird enttäuscht. Ein paar launige Bemerkungen gab’s trotzdem. Etwa, als Elton gleich am Anfang Kruse auffordert: "Da kannst du beweisen, dass ein Fußballer auch was im Kopf hat." Da bleibt Kruse ebenso gelassen wie schlagfertig: "Ich kann’s auch lassen."

"Schlag den Star": unterhaltsamer, aber nicht unterhaltsam

Und Gätjen? Der ist als gelernter Moderator zwar auch schlagfertig, aber eben eher sympathisch. Also fällt Gätjen weniger durch markige Sprüche als vielmehr durch lustige Einfälle auf. Zum Beispiel, als er mittendrin Hunger bekommt: "Könnten wir uns jetzt nicht eine Pizza bestellen?" Das machen sie dann auch, doch als sie kommt, will Gätjen eine Pizza im Publikum verteilen, wird aber wegen Corona zurückgepfiffen. Gätjens Lösung: "Ich leg sie hier hin und wenn sie gleich nicht mehr da ist, ist sie weg."

"Wir hätten jetzt gerne Käsefondue", setzt Gätjen später dann noch einen drauf, aber diesmal bleibt die Küche kalt. Doch auch wenn Gätjen hier und da auch an die Unterhaltung der Zuschauer und nicht nur ans Gewinnen denkt, bleibt die jüngste Ausgabe lediglich unterhaltsamer als andere Folgen, aber deshalb noch lange nicht unterhaltsam. Dafür ist die Show einfach immer noch viel zu lang. Das merkt auch Max Kruse, als Elton um kurz vor halb eins bei Spiel 13 plötzlich auf die Tube drückt: "Hättet ihr mal eine Werbung weniger machen sollen."

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