Aktuell ermittelt Jürgen Vogel freitags um 20.15 Uhr als Kommissar Robert Heffler im Berliner Stadtteil Köpenick. Unsere Redaktion hat mit dem Hamburger Schauspieler über die aktuelle Staffel der ZDF-Serie "Jenseits der Spree" (streambar in der ZDFmediathek), die Gefahren der sozialen Medien sowie die Unterschiede zwischen den deutschen Millionenstädten Berlin und Hamburg gesprochen.

Ein Interview

Herr Vogel, kürzlich hat Ihr Kollege Claude-Oliver Rudolph in einem Interview mit unserer Redaktion die Frage "Wo sind denn die guten Freitagabendkrimis abgeblieben?" in den Raum geworfen. Warum ist die ZDF-Serie "Jenseits der Spree" (freitags um 20.15 Uhr) die passende Antwort darauf?

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Jürgen Vogel: Nun ist Claude ja noch ein bisschen älter als ich. Und wenn er "Wo sind die geblieben?" sagt, dann ist er wohl der Meinung, dass wir diese Krimis früher einmal hatten. Damit hat er seinen Geschmack im Prinzip festgelegt. Offensichtlich wollte er zum Ausdruck bringen, dass die Freitagabendkrimis der Vergangenheit toll waren – und dass wir diese heute vielleicht nicht mehr haben. Ich möchte aber gar nicht versuchen, an dieser Stelle wettzueifern.

Sondern?

Ich möchte einfach sagen, dass "Jenseits der Spree" ein besonderer und toller Freitagabendkrimi ist und wir mit dieser Reihe etwas Neues auf den Weg gebracht haben. Wir haben nämlich die "Private-Line" viel größer gemacht, als sie jemals an einem Freitagabend stattgefunden hat. Sie ist kombinierbar mit dem Krimi-Plot. In unseren Filmen werden häufig Querverbindungen zwischen den Fällen und den Persönlichkeiten gezogen, zum Beispiel zu den Töchtern von Kommissar Robert Heffler, den ich in der Serie spiele. Ich finde es sehr schlau, wie realistisch wir diesen Spagat erzählen: auf der einen Seite dieser verantwortungsvolle Beruf, auf der anderen Seite das krasse Privatleben.

Apropos Neues: Die Folge "Einsam sterben", die am 3. November im ZDF ausgestrahlt wird, handelt von einem Erbenermittler, dessen Existenz mir bisher unbekannt war. Ihnen auch?

Ja, ich hatte zuvor auch noch nie von einem Erbenermittler gehört. Das ist ein gutes Beispiel dafür, was mir an dieser Serie so gefällt. Es werden Geschichten recherchiert und erzählt, die wir so vielleicht noch gar nicht kannten.

Der Filmkritiker Rainer Tittelbach hat über "Jenseits der Spree" einmal geschrieben: "Berlin-Krimi mit Kleinstadt-Flair. Köpenick macht's möglich." Welchen Anteil hat der Standort für den Erfolg dieser Reihe?

Der Standort spielt eine große Rolle. Die Klientel in Köpenick ist sehr gemischt, dort gibt es noch die Arbeiterklasse. Eine Mischung aus dem alten Berlin und total offenen, neugierigen Menschen. Die Leute freuen sich, dass wir dort drehen und wir Berlin noch einmal von einer anderen Seite zeigen.

Dank Union Berlin, das in dieser Saison sogar in der Champions League spielt, ist Köpenick aktuell ohnehin ziemlich sexy…

Ganz genau. Als hätten wir es gewusst. Als 2021 die ersten Folgen von "Jenseits der Spree" im TV liefen, nahm auch Union so richtig Fahrt auf. Insofern haben wir für den Standort alle gemeinsam etwas getan (lacht).

"Die Familie war in meinem ganzen Leben schon immer das Wichtigste für mich."

Sie selbst sind siebenfacher Vater, Kommissar Heffler ist alleinerziehender Vater von drei Töchtern, die für ihn über alles gehen. Ist das bei Ihnen persönlich ganz genauso?

Absolut. In erster Linie bin ich Vater. Die Familie war in meinem ganzen Leben schon immer das Wichtigste für mich. Vielleicht rührt das auch da her, dass ich selbst relativ früh von Zuhause ausgezogen bin und keine so gute Kindheit hatte.

Alleinerziehende Väter waren in früheren Filmen eher die Ausnahme, ebenso wie selbstbestimmte junge Mütter.

Ja, so etwas wäre früher tatsächlich fast undenkbar gewesen. Ein Wahnsinn. Von daher ist es richtig und auch modern, dass wir in den heutigen Filmen versuchen, mit der Realität mitzugehen. Ich begrüße das sehr. Grundsätzlich sind mir diese angesprochenen "Private-Lines" in Filmen sehr wichtig, daran arbeite ich bei "Jenseits der Spree" auch intensiv mit. Wie fühlen und denken die Protagonisten eines Films? Um diese Ebene geht es mir.

"Wir befinden uns in einer Zeit, in der jeder alles niedermacht. Diesen Umgang, der so unpersönlich stattfindet, kann ich nicht teilen."

Weniger Zeit investieren Sie in Social Media. Warum sind Sie in den sozialen Netzwerken so zurückhaltend?

Ich empfinde diesen direkten Kontakt wirklich anstrengend, zumal viele diese Plattformen ohnehin vorrangig nutzen, um Stimmung zu machen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der jeder alles niedermacht. Diesen Umgang, der so unpersönlich stattfindet, kann ich nicht teilen. Für mich gehört zu einer Kritik, dass ich auch darüber rede, was man besser machen kann. Das alles findet in den sozialen Medien ja gar nicht statt. Ich bediene meine Fans mit Ankündigungen zu meinen Filmen und Projekten – und das war es dann auch. Die erwarten auch nicht von mir, dass ich ihnen schreibe, was ich gefrühstückt habe.

Sehen das Ihre Kinder genauso?

Ach, die sollen damit ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Bei den Jüngeren schaut man natürlich etwas genauer hin – auch mit Blick darauf, wie viel Zeit sie generell am Handy verbringen. Das kann man ganz gut kontrollieren. Woran man sich als Heranwachsender eigentlich sehnt, sind doch echte, fühlbare Kontakte. Einsamkeit wird nicht dadurch bekämpft, dass man viele virtuelle Freunde hat. Diejenigen, die durch diesen Irrweg der digitalen Freundschaften gar nicht mehr dazu kommen, jemanden analog richtig kennenzulernen, tun mir leid. Natürlich gibt es diese jungen Leute noch, ich möchte auch nicht alles schwarzmalen. Aber ich bin schon der Meinung, dass man die sozialen Medien kritisch beobachten sollte.

Sie wurden einst sozusagen vom Tellerwäscher zum Millionär – ohne Social Media. Sind Karrierewege wie Ihrer in unserem Zeitalter überhaupt noch möglich?

Generell ist es immer möglich, Quereinsteiger zu sein. Auf der anderen Seite muss man viel Ehrgeiz mitbringen und auch Glück haben. Als ich angefangen habe, in den 80ern, war das deutsche Kino so gut wie tot. Erst in den 90ern kam es wieder in Schwung. Insofern konnte ich bereits auf einen relativ großen Erfahrungsschatz zurückblicken, ehe der Erfolg kam. Auf jeden Fall ist die Ausbildung besser geworden. Ich habe einmal in der Schauspielschule Leipzig zugeschaut und fand es total toll. Wenn ich heute einsteigen würde, würde ich versuchen, auf eine Schauspielschule zu kommen.

Ihre große Stärke ist unter anderem Ihre Personality. Und die kann man nicht lernen, oder?

Das gehört natürlich auch dazu, klar. Aber mit meinen 55 bin ich inzwischen schon ein alter Sack. Die neue Generation ist einfach anders. Es gibt aktuell wirklich sehr viele tolle Schauspielerinnen und Schauspieler. Ich bin froh, wie sich das Fernsehen verändert hat. Alles ist viel offener und freier geworden, man geht mehr an die Grenzen.

Sie sind gebürtiger Hamburger, spielen aber in einem Berlin-Krimi mit. Daher ein paar Entweder/Oder-Fragen dazu: Spree oder Elbe?

Beides sehr schön, doch die Elbe kennt vermutlich jeder, die Spree aber noch nicht. Daher entscheide ich mich in diesem Fall für die Spree.

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Berliner Currywurst oder Hamburger Fischbrötchen?

Weder … noch. In beiden Fällen bin ich ernährungstechnisch nicht wirklich überzeugt. Da ich eine Laktoseintoleranz habe, die erst relativ spät erkannt wurde, esse ich ziemlich viel Gemüse. Je älter man wird, desto gesünder sollte man leben.

Die Hamburger Hip-Hop-Gruppe Fettes Brot oder die Berliner Band Seeed?

Das ist eine gute Frage. Ich würde beide Bands gerne mal an einem Abend sehen, weil ich mir vorstellen könnte, dass sie sich gut ergänzen würden.

Hertha/HSV oder Union/St. Pauli?

Eher Union Berlin und FC St. Pauli. Beides sind sehr emotionale Vereine, die nochmal aus einer anderen Energie heraus Fußball spielen. Ich muss aber dazu sagen, dass ich halt Hamburger bin und mein Herz dann schon für St. Pauli schlägt. Doch auch für Union ist noch Platz in meinem Herzen.

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