Die Zeiten sind hart. Das wissen Sie, das weiß ich, das weiß jeder. Krisen, so weit das Auge reicht. Aber nicht alle treffen diese harten Zeiten gleich hart. Bill und Tom Kaulitz zum Beispiel werden gerade richtig gebeutelt, wie sie in der neuesten Folge ihres Podcasts "Kaulitz Hills" erzählen. Aber immerhin gibt es einen Mann, der ist härter als die harten Zeiten.

Eine Satire
Diese Satire stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Los Angeles. 14 Uhr. Die Frisur sitzt. Der Cocktail auch. Einen Gin Basil Smash hat Tom Kaulitz für sich und seinen Bruder diesmal zusammengerührt, eine Mischung aus Basilikum, Zitronensaft, Zuckersirup und Gin. Falls Sie noch nie einen Gin Basil Smash getrunken haben, weder um 14 Uhr noch später, hat Bill einen Geschmacksvergleich parat: "Der schmeckt wie aus dem Garten." Aber diesmal war Toms Cocktailbaum offenbar noch nicht reif, denn Bill hat etwas zu kritisieren: "Habe ich schon besser getrunken."

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"Bisschen sauer", gesteht auch Tom, aber von so einem unseriös gemixten Cocktail lassen sich die Kaulitz-Twins nicht die Nachmittagslaune verhageln. Nein, für schlechte Laune sorgen ganz andere Dinge und die beginnen mit einer niederschmetternden, ja fast sogar grauenerregenden Entdeckung: "Ich hab' ganz, ganz wenig von Chanel", offenbart Bill und wir sind froh, dass sein Bruder Tom in dieser Stunde der Verzweiflung bei ihm ist. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Albtraum Luxus-Label

Aber Bill Kaulitz ist niemand, der sich von so etwas unterkriegen lässt. Gerade im Show-Business ist es wichtig, dass man einmal mehr aufsteht, als man zu Boden gegangen ist. Also ist Bill Kaulitz shoppen gegangen, um das Loch in seinem Ankleide-Zimmer mit einer Chanel-Tasche zu füllen. Doch damit geht sein Albtraum erst so richtig los. Denn kaum beim Chanel-Shop angekommen, wird er zugleich Zeuge und Opfer der neuen Service-Maxime in Luxusläden.

Nicht nur, dass man zuerst im Séparée warten müsse, nach der Wartezeit werde einem auch noch ein eigener Mitarbeiter zur Seite gestellt, der den Luxusartikel-Kaufwilligen bei seinem Einkauf begleiten soll. Für Bill ein Affront erster Güte: "Wie ätzend! Was ist das für ein Konzept?", fragt sich Kaulitz. Doch sein Bruder Tom hat noch Erschreckenderes zu berichten: "Bei Louis Vuitton musst du dir eine App runterladen, das weißte, ne!" Ja, manchmal möchte man echt nicht in der Haut der beiden stecken.

Dafür aber ein großes Danke an dieser Stelle, geben sich die beiden Mühe, sich in unsere Lage zu versetzen, denn sie haben ein mindestens genauso großes Service-Fiasko an anderer Stelle recherchiert. Tatort Self-Checkout-Kassen in Supermärkten. Für Bill ebenfalls eine Ehrabschneiderei: "Finde ich auch eine Frechheit!" Doch je tiefer er in die Service-Wüste Supermarkt marschiert, desto fündiger wird Bill.

In was für einer traurigen Welt leben wir eigentlich?

Denn in den USA bekäme man seine Einkäufe an der Kasse von einem Mitarbeiter noch professionell eingepackt, in Deutschland hingegen nicht: "Das ist ja ein Albtraum. Dann müssen die das Band anhalten, weil die gar nicht mehr alles hingequetscht kriegen, und dann musst du noch selber das alles irgendwie reinsortieren. Das geht ja gar nicht!", empört sich Bill und man muss sich tatsächlich fragen, wie man das all die Jahre mit sich machen lassen konnte. Seine Einkäufe selbst einpacken, statt sie von einem Niedrigstlöhner in die Tüte stecken zu lassen – in was für einer traurigen Welt leben wir eigentlich?

Doch damit ist die Kaulitzsche Service-Odyssee noch lange nicht zu Ende, denn bei einem Hotelaufenthalt musste Bill feststellen, dass die Hausdamen die Bettdecken nach Hotel-Art arrangieren und nicht so, wie er es zu Hause macht. Tom habe es noch härter getroffen, denn sein Hotelbettdeckenbezug habe weder Reißverschluss noch Knöpfe gehabt, weshalb der Bezug in der Nacht von der Decke gerutscht sei. Das Leben ist einfach ein nicht enden wollendes Leiden.

Und weil dieses Leiden eben nicht enden will, ereilt das Grauen des Lebens die Brüder auch während eines Fluges. Die Flugbegleiterinnen hätten nämlich trotz ausdrücklichen Wunsches die Temperatur in der Kabine nicht erhöht. "Ich hab mir fast den Tod geholt", erzählt Tom von der Reise. Eine an sich merkwürdige Redewendung, denn "holen" bedingt ja ein aktives Handeln und wer holt sich den schon aktiv den Tod? Da fallen einem angenehmere Sachen ein. Was Tom also meint, ist, dass die Mitarbeiter der Airline ihm fast den Tod geholt hätten. Aber nicht nur das.

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Danke, Denzel Washington!

Denn offenbar hatten die Flugbegleiterinnen durch das Todholen keine weitere Hand mehr frei, weshalb sie den Platz von Bill nicht mehr in Ordnung bringen konnten. "Teilweise war unser Tisch so vollgemüllt von irgendwelchen Sachen, die wir benutzt hatten, dass ich mein Glas nicht mehr abstellen konnte." Statt Bills Glasplatzierungsnot zu lindern, hätten die Flugbegleiterinnen einfach nur Kaugummi gekaut und abweisend geguckt. Man mag es sich kaum ausmalen.

Aber zum Glück gibt es auch einen Funken der Hoffnung, ein Licht in dieser dunklen Dienstleistungszeit. Denn Bill berichtet vom Film "Equalizer 3", der die Begeisterung der beiden weckt. Doch nicht aus filmischen Gründen, sondern wegen des Hauptdarstellers Denzel Washington. Anders als in anderen Filmen agiere dessen Figur nämlich maximal serviceorientiert. Während die Actionhelden andernorts bei der Tötung der Bösewichte schludern, arbeite Washington bei seinen Rache-Aktionen kompromisslos: "Da denkt man: Zum Glück macht der das richtig, weil der die ganzen Bösewichte so richtig fertigmacht."

Tom träumt sogar davon, Washington als Leibwächter anzuheuern, so gut mache er seinen Job auf der Leinwand. Eine gute Idee, aber warum hier Halt machen? Wenn Denzel Washington so serviceorientiert ist, dann kann er den Kaulitzen doch gleich die Cocktails mixen, und zwar mild genug. Er könnte ihnen den Platz in der Schlange bei Chanel freihalten und sich für Tom die Louis-Vuitton-App installieren. Im Flugzeug würde er den Brüdern Decken mit Knöpfen und Reißverschluss reichen und ihnen in einem deutschen Supermarkt die Einkäufe einpacken. Ich denke, die beiden hätten ein bisschen mehr Luxus in ihrem Leben verdient.

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