Wer bei dieser Überschrift denkt, in der neuen "Traumschiff"-Folge gehe es um die beliebten Namensaufkleber an deutschen Familienvans, der täuscht sich. Um Babys geht es aber trotzdem, denn Kapitän Max Parger gelingt in der Namibia-Folge das Unglaubliche: Er findet Nemo.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

"Bereit für neue Abenteuer?", fragt Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) gleich in der ersten Szene seine "Traumschiff"-Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow) und die antwortet: "Ich hätte nichts gegen eine ruhige Reise." Das mag man Frau Liebhold glauben, denn wer mag schon unruhige Reisen – noch dazu auf einem Traumschiff.

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Aber hätte die Hoteldirektorin einen Blick in die Logbücher geworfen, hätte sie stattdessen geantwortet: "Aber Herr Kapitän! So neu werden die Abenteuer nicht werden!" und sie hätte recht und Unrecht zugleich gehabt.

Recht, denn diesmal geht es übers Meer nach Namibia und dort ging das "Traumschiff" vor gar nicht allzu langer Zeit schon einmal vor Anker. In der Neujahrsfolge 2022, also vor gerade einmal sechs Folgen. Allerdings dürfte diese Reise dem Zuschauer in keiner guten Erinnerung geblieben sein, zumindest geschichtsinteressierten Zuschauern. Denn das Drehbuch ließ Parger und seine Crew damals ein bisschen sehr geschichtsvergessen in Fettnäpfchen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika treten.

Unrecht hätte Liebhold deshalb gehabt, weil natürlich in einem bekannten Land trotzdem neue Abenteuer warten und vielleicht geht man in dieser Folge ein bisschen besser oder zumindest anders mit der deutschen Vergangenheit um. Apropos Vergangenheit: Hätte Parger den neben ihm stehenden Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle (Harald Schmidt) die Sache mit der Bereitschaft und den neuen Abenteuern gefragt, hätte er vermutlich ein strahlendes "Ja" zu hören bekommen. Denn nach längerer Abwesenheit ist Schifferle in dieser "Traumschiff"-Folge im wahrsten Sinne des Wortes wieder mit an Bord.

Ein ganzer Frachtraum voller Probleme

So kann sie also mit kompletter Crew losgehen, die Reise nach Namibia und natürlich checken auch diesmal wieder die Passagiere nicht nur ihr Gepäck, sondern auch ein paar Probleme mit ein. Zum Beispiel Claudia Beyer (Esther Schweins). Die lernt gleich beim Boarding den etwas unhöflichen Robert Gassner (Florian Fitz) kennen, der ihr zeigt, wie man sich als Gentleman nicht verhält. Eigentlich könnten sich die beiden auf dem Riesenschiff daraufhin aus dem Weg gehen, aber weil es "Das Traumschiff" ist, eben nur eigentlich.

Denn Gassner will in Nambia den Geburtstag seiner 15 Jahre jüngeren Freundin Juliane (Cathy Hummels) feiern und da soll auch deren ihm noch unbekannte Halbschwester dabei sein. Doch Juliane schafft es nicht rechtzeitig an Bord und "Traumschiff"-Connaisseure müssen nicht lange raten, wer die unbekannte Halbschwester ist.

Ähnlich problematisch, aber doch ganz anders liegt der Fall bei Barbara Neumann (Gesine Cukrowski). Die reist mit ihrer Tochter Lisa (Caroline Hartig), die sich an Bord mit der Reiseleiterin Johanna (Pauline Werner) anfreundet. Doch als Barbara Neumann Johanna zum ersten Mal sieht, wird ihr ganz anders und der Grund liegt in einer gemeinsamen Vergangenheit. Stichwort: Nach der Geburt vertauscht.

Es gibt also mal wieder eine ganze Menge Probleme zu lösen für Kapitän Parger und seine Mannschaft oder vielmehr "gäbe zu lösen". Denn der Kapitän hat diesmal eigene Sorgen.

Max Parger wird unverhofft Vater

Wie die Drehbuchautoren Martin Wilke und Jochen S. Franken so wollen, legt nämlich eine noch unbekannte blinde Passagierin eine Tasche mit einem Baby in die Kabine des Kapitäns. Als Schifferle und Liebhold die Tasche finden, sorgt das nicht nur für große Augen bei den beiden, sondern auch für Ober- und Unterhitze in der Gerüchteküche.

Der Baby-Begleitbrief suggeriert nämlich, bei dem Vater handele es sich um Kapitän Parger. "Das passt ja. Vor einem knappen Jahr waren wir zum letzten Mal hier", erinnert sich Hanna Liebhold doch noch an die Neujahrsfolge in Namibia, doch Parger bestreitet vehement jegliche Vaterschaft. "Das ist ein Missverständnis, das sich hoffentlich bald aufklärt", erklärt Parger irgendwo zwischen Verzweiflung und Aktionismus.

So weit also die obligatorischen "Traumschiff"-Probleme, aber wie sieht es diesmal mit dem Verhältnis zu Land und Leuten aus? Die Antwort: Besser. Zumindest ein bisschen. Als die Crew zusammen nach einem Namen für das Baby sucht, schlägt Parger "Simba" vor und Schifferle stimmt zu: "Das passt doch zu Afrika!" Zum Glück hat man da Schiffsärztin Delgado (Collien Ulmen-Fernandes) noch mit einem "Ja, und das ist so Klischee" dazwischen grätschen lassen.

"Das Traumschiff": Max Parger findet Nemo

Schlussendlich einigt man sich auf "Nemo". "Was bedeutet denn der Name?", fragt Schifferle und Parger antwortet nur "Ist doch egal." Altphilologen werden an dieser Stelle gestutzt und wahrscheinlich zu einem anderen Namen geraten haben, denn "nemo" ist Latein und bedeutet "Niemand".

Das hätte man eleganter lösen können und auch wenn man "Simba" gerade noch entkommt, landet man nur wenige Minuten später in der Klischeehölle. Denn tatsächlich fiel der Produktion nichts Originelleres ein, als den Rundflug über die Namib-Wüste mit dem 1980er-Hit "Africa" von Toto zu untermalen. So etwas kann man selbst beim "Traumschiff" eigentlich besser.

Und sonst? Sonst macht das Drehbuch auch diesmal einen großen Bogen um jede Art von Geschichtsstunde, was gar nicht so einfach ist, schließlich triefen die bereisten Orte Swakopmund und Walvis Bay nur so vor Geschichte. Es hätte auch einer Leichtunterhaltungsreihe wie dem "Traumschiff" gut zu Gesicht gestanden, hier zumindest ein bisschen Geschichtsbewusstsein zu zeigen, und sei es nur auf ebenso leichtem Niveau. Aber immerhin spart sich das Drehbuch diesmal Fettnäpfchen wie in der letzten Namibia-Folge.

Ein weiterer Pluspunkt im Vergleich zur Neujahrsfolge: Zwar ist die Story um Pargers Baby ziemlich abstrus und auch die Geschichte um Claudia und Robert ist "Traumschiff"-like recht rüde an den Haaren herbeigezogen. Aber dafür kann die Story um die vertauschten Kinder mit Emotionen überzeugen, was vor allem an den Schauspielern Dietmar Bär, Esther Schweins, Caroline Hartig und Pauline Werner liegt.

Das kann am Ende sogar Ex-Boxer Axel Schulz nicht mehr kaputt machen, als er schauspielerisch ziemlich unbeholfen sein Baseballcap übers Promenadendeck tragen darf.

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